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Kategorien > Endzeit > Nachdenkliches

Endfantasie

von Dr.Soltberg

1

Noch vor dem nächsten Wimpernschlag liegt die Welt in Ruinen.
Noch vor dem Fall des letzten Herbstblattes wandeln tote Geschwister wieder auf Erden.

Die Spitzenstiefel des Mannes gruben sich in den feuchten Sand, als dieser die schützende Umarmung der Wellen verließ. Der Mann im schwarzen Anzug blickte gen Himmel. Das mondlose Firmament starrte unablässig auf die absonderliche Szenerie. Der silbern glitzernde Strand mündete im grau erscheinenden Grasland des Nordens und die Stiefel des Fremden fanden nun wieder sicheren Halt.
Hoch oben auf der fernen Klippe bewegte sich Etwas. Als sich die Tür öffnete, schien das baufällige und düstere Anwesen hinab in die Fluten stürzen zu wollen. Doch noch trotzte es den stürmischen Windböen und verharrte hoch über dem pechschwarzen Ozean.
Silver bewegte sich nur träge vorwärts, sprang dann aber behände auf einen Felsen neben dem Weg, welcher zum Gebäude führte. Er schärfte all seine Sinne. Dort unten war Etwas, das nicht an diesen Ort gehörte. Es war schwierig, schien sogleich unmöglich, die schwarze Silhouette zu erkennen, welche sich nun mit seltsamem Gang einen Weg hinauf bahnte.
All diesen unvorteilhaften, physikalischen Gegebenheiten zum Trotz sah Silver ihn. Und er erwartete ihn mit gemischten Gefühlen. Bedrückung stahl sich über seine Sinne.
Die sterbende Natur riss mit eiskalten Händen am Mantel des Mannes, welcher sich nun den dunklen Hut auf den Kopf drücken musste und vorgebeugt die Straße erklomm. Er ging ruhig und trotz der nächtlichen Kälte umhüllte ihn Wärme.
Verkohltes Gestein kennzeichnete seinen Weg und blanke Unfruchtbarkeit breitete sich auf beiden Seiten der Straße aus, als er emporstieg.
Die eisblauen Augen des Wolfs fixierten den Mann im schwarzen Anzug genau, als dieser sich ihm näherte. Das Tier erhob sich, erreichte aber selbst auf dem Felsen keine Augenhöhe mit dem Fremden, welcher ihm immer näher kam. Funken der Wachsamkeit schienen aus den Augen des Tieres zu sprühen, als der Mann vor ihm Halt machte. Silver entblößte sein todbringendes Jagdgebiss und stellte die Ohren auf. Der Mann im schwarzen Anzug sah dem Tier unbeeindruckt und mit starrer Miene in die Augen. Der Wolf zuckte, wich aber nicht zurück. Er begann zu knurren. Die emotionale Kälte der Miene des Fremden schien fast eine tiefe, unverständliche Traurigkeit zu beherbergen. Langsam hob dieser die blasse Rechte. Silver machte keine Anstalten sich zu wehren, dachte nicht einmal an einen Angriff, als der Mann im schwarzen Anzug ihm seine Hand auf den Kopf legte. Dort zwischen den aufgestellten Ohren verweilte sie für den Bruchteil einer Sekunde, bevor sich die Augen des Tieres mit grauer Unkenntlichkeit füllten.
Er war tot bevor er fiel.

Sie wusste über seine Anwesenheit bescheid, bevor seine Gestalt in der Tür erschien. Sie hatte ihn kommen gespürt und so saß sie bereits seit geraumer Zeit aufrecht in ihrem Himmelbett. Kraftlos strich sie sich das dunkelrote Haar aus dem Gesicht, als der Mann im schwarzen Anzug seinen Hut an die Tür hängte. Im fahlen Kerzenlicht sah er unendlich blass aus und seine Augen schienen wie schwarze Edelsteine in ihren Höhlen zu funkeln.
>>Du lebst also noch immer?<<
Der Mann im schwarzen Anzug nickte einmal. Eine Geste die beinahe zu vollkommener Unkenntlichkeit verkam.
Sie wirkte sehr traurig, als sie die nächsten Worte aussprach.
>>Was hast du nur getan?<<

Die Flammen ließen die Gestalt des Fremden glühen, als dieser sich den Hut behutsam wieder aufsetzte. Er ging einige Schritte den pechschwarzen Weg hinab und blickte nur noch einmal zurück.
Mit einem Flattern seines Mantels war er verschwunden.

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Kommentare

Dr.Soltberg schrieb am 2008-10-09 23:03:26:
Und das passiert, wenn aus Endzeit/Nachdenkliches Vergewaltigung gemacht wird. :D

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