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Kategorien > Verzweiflung > Suizid

Engel

von Fiore

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Ein.Aus.Ein.Aus.
Ich denke nichts, lausche nur meinem eigenen Atem. Meine Hände zittern, als ich den Schrank öffne und ihn nach allen Tabletten durchwühle, die ich finden kann.
Heute war es zu viel, sie haben es übertrieben, denke ich und spüre die Nässe meiner eigenen Tränen auf dem Gesicht.
Ein.Aus.Ein.Aus.
Ich versuche, gar nichts mehr zu denken, aber wer das schon mal versucht hat, weiß dass es nicht funktioniert.
Die Gedanken kommen immer, egal ob gut oder böse, sie schleichen sich in deinen Kopf und gehen dort auch nicht mehr weg.
Ein.Aus.Ein.Aus.
Stella. Stern. So heiße ich, doch ich strahle nicht wie ein Stern, ich bin hoffnungslos untergegangen in der Welt da draußen.
Da, endlich, ich habe alles gefunden was ich brauche.
Barfuß laufe ich in die Küche und nehme mir ein Glas aus dem Schrank.
Ein.Aus.Ein.Aus.
Ich bin immer die Letzte, immer die Dumme. Egal wo ich hingehe.
Heute war ich seit langem wieder in der Schule, und wurde direkt mal von Daniel und seiner Clique um mein letztes Geld gebracht.
Natürlich hat er es sich auch nicht nehmen lasse, mir mal wieder auf die Nase zu binden, dass ich dumm und hässlich sei.
Ich bin Dreck. Ich gehöre nicht auf diese Welt.
Ein.Aus.Ein.Aus.
Als meine Lehrerin bemerkte, dass ich da war, hat sie mich zur Rektorin geschickt.
Ich würde diese Klasse nicht mehr schaffen, hat sie mir gesagt. Es täte ihr Leid, mich so zu sehen. Was ich machen wolle? , fragte sie mich danach. Nichts, habe ich geantwortet und bin gegangen.
Vorbei an all denen, die mir immer das Leben schwer machen, die mich demütigen und quälen.
Ein.Aus.Ein.Aus.
Meine Eltern sind noch auf der Arbeit. Wenn sie heimkommen, werden sie mich finden und sich freuen, dass es mir endlich gut geht.
Früher sagte mir meine Mutter immer, ich sei ein Engel, der auf die Erde geschickt wurde.
Sie werden lächeln und sagen, nun ist sie wieder bei ihresgleichen. Dort wird sie sich wohlfühlen, bei den Engeln. Und sie werden es in die Zeitung schreiben.
Ein.Aus.Ein.Aus.
Dann werden sie ein großes Fest feiern, und alle werden kommen und sagen, wie leid es ihnen tut, dass ich gegangen bin.
Und dass sie mich vermissen werden.
Aber ich werde sie nicht mehr vermissen, ich werde dort sein, wo sie mich nicht mehr quälen können. Ich werde ein schönes Leben haben, ohne Angst, Druck, Gewalt und Prügel.
Ein.Aus.Ein.Aus.
Ich atme immer noch, und immer noch lausche ich den Geräuschen, während ich alle Tabletten in dem klaren Leitungswasser aufllöse.
Langsam wird es trübe, von all dem Zeug mit den unausprechlichen Namen, dass ich da reingerührt habe.
Aber ich habe keine Angst. Warum sollte ich Angst vor etwas haben, dass schöner ist als alles hier auf der Erde?
Ein.Aus.Ein.Aus.
Ich nehme das Glas in die Hand, es ist kalt und glatt und führe es zu meinem Lippen.
Erst benetzt nur ganz wenig von der Flüssigkeit meine Lippen, dann nehme ich noch einmal tief Luft und trinke alles in einem Zug.
Dann gehe ich in mein Zimmer und lege mich in mein Bett. Neben mir liegt mein Teddy aus Kindertagen und ich trage meine schönsten Kleider.
Ich habe mich extra hübsch gemacht für euch, ihr Engel.
Ich weiß, ich werde es gut bei euch haben.
Ich schließe die Augen und lasse alles los, all die Gedanken.
Ein.Aus.Ein.

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Kommentare

Lilly schrieb am 2008-12-24 22:57:17:
Wirklich schön, traurig und niederschmetternd.
möhre schrieb am 2008-12-21 15:10:17:
WOW...ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. es ist super geschrieben und der inhalt...WOW

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