Engel der Gezeiten
von
Luna
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Engel der Gezeiten
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Monika Litschko
Ihr sucht mich, aber finden könnt ihr mich nicht. Dann ruft ihr nach mir, doch meine Antwort erreicht euch nicht. Es ist zu spät. War euch schon oft so nah. Warum habt ihr mich nicht gesehen? Nicht gehört? Nicht gefühlt? Ich bin so allein, so einsam. Mir ist kalt. Um meine Seele legen sich kleine Eiskristalle, die meinen Schmerz einfrieren. Langsam vergesse ich, wer ich einmal war.
Aber ich will nicht vergessen. Ihr, sollt mich nicht vergessen. Doch was kann ich tun? Wie kann ich euch erreichen? Hört mir doch einmal zu. Nur ein einziges Mal. Und dann rettet die, die noch Schreien können. Denn sie haben euch etwas zu sagen.
Meinen Namen will ich nicht verraten. Wenige kannten ihn. Und die, die ihn kannten, missachteten mich. Die Liebe die ich mir ersehnte, konnten sie mir nicht geben. Ihre Gefühle für mich, vernichtete der Alkohol. Die Armut, ließ mich hungern und frieren. Und die Härte ihrer Hände, ließ mich erstarren. Ich wollte es so vielen Menschen sagen. Aber sie hörten einfach nicht hin. Ich gab ihnen Zeichen, doch sie sahen sie nicht. Und so, lebte ich unter Schauspielern, Henkern und Folterern. Bis zu dem Tag, als ich ein Herbstengel wurde.
Ich rufe für die Engel der Gezeiten. Wo wart ihr? Habt ihr eure Augen und Ohren verschlossen, weil ihr euch blenden ließt? Für die, denen niemand zuhörte. Und für die, die noch gehört werden wollen.
Neben mir erscheint Lisa. Sie war ein Scheidungskind. Lisa liebte beide Eltern so sehr.
Sie teilte ihnen immer mit, dass nicht sie sich getrennt hat. Aber niemand hörte ihr zu.
Und so, trugen sie ihren Hass und ihren Unwillen, auf Lisas Rücken aus. Dabei wäre alles so einfach gewesen. Aber niemand, sah Lisa. Niemand sah hin. Lisa sagt gerade, wie unsinnig vieles im Leben ist. Na ja, sie sagt, dass sie eine kleine Schauspielerin wurde. Sie wollte es einfach allen Recht machen. Aber in Wirklichkeit, weinte sie viel. Lisa wollte nur geliebt werden. Das war alles. So wenig und doch so viel. Aber die, die sie lieben sollten, stießen sie von sich.Der letzte Stoß war tödlich. Jetzt ist sie ein Winterengel und glücklich. Denn auf einmal, funktionierte es. Lisa wurde ein toter Mittelpunkt in einer Akte. Und sie sah Menschen, die nach dem „Warum fragten.“ Zu spät.
Bei mir war es auch so. Die Tausend Zeichen, die ich Euch gab, übersaht ihr.
Und nun liege ich hier, vergraben unter toter Erde und faulen Laub.
Ich höre euch . Aber meine Schreie, verwehen im Wind. So, wie sie immer verweht sind. Im Leben, wie im Tode. In Angst und Zuversicht. In Armut und Hoffnungslosigkeit. Gezeugt in Lieblosigkeit, geboren in Hoffnungslosigkeit, gestorben in Erlösung.
Nun bin ich ein Herbstengel und tanze durch den Wald . Ich erhebe mich aus meinem finsteren Grab und forme mich aus dem Laub des Waldbodens . Nur für euch. Ich tanze für Herbstengel, Frühlingsengel, Sommerengel, Winterengel und sogar für die kleinen Schneeengel.
Wir, die Engel der Gezeiten, halten eure Hände, in Hoffnungslosigkeit, Armut, Trauer und Schmerz.
Warum?
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