Engel der Nacht
von
Jeiy
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(Ich habe diesen Text innerhalb von etwa 20 Minuten geschrieben. Er kam mir einfach so in den Sinn und ist eigentlich als Kurzgeschichte gedacht. Eine Fortsetzung ist nicht geplant, wäre aber möglich. Ich wollte einfach nur mal sehen, was ihr so dazu sagt ^^ Also, viel Spaß! Eure Jeiy)
Ich stehe wieder am Rande der Klippen. Es sind dieselben Klippen, wie schon vor tausenden von Jahren. Und wie schon seit tausenden von Jahren bin ich weit und breit die Einzige, die hier steht und in die Ferne blickt. Die Zeit ist vorübergegangen und die Welt hat sich mit ihr verändert. Städte wurden errichten, Technik wurde erfunden und Kriege wurden gefochten. Doch diese Klippen hier sind noch immer dieselben.
Unter mir erstreckt sich dieselbe bodenlose Finsternis, deren Stille wie jedes Mal durch keinen einzigen Laut durchbrochen wird. Die Finsternis, in die auch ich bald wieder zurückkehren werde.
Wie durch einen gigantischen Spiegel hindurch erscheint mir dieser schwarzer Abgrund jedes Mal wie meine eigene Seele. Mein Blick ist leer, genauso leer, wie alles um mich herum, genauso leer, wie diese Finsternis.
Ich beobachte, wie die Sonne allmählich unter geht. Wie einem Abschiedsgruß gleich schickt sie ihre goldenen Strahlen noch ein letztes Mal über die Wiesen und Felder, die Berge und Seen und mit jeder Sekunde, die verstreicht, rückt sie ihrem eigenen Untergang näher und näher.
Die Dämmerung, das war schon immer meine Zeit. Die Zeit, in der ich wieder zurückkehre. Es ist die Zeit, in der ich wieder von der Finsternis hinaufsteige und das letzte Licht des Tages erblicken darf. Es sind diese paar Minuten, die mich vor dem Wahnsinn bewahren.
Das letzte Licht der Sonne ist für mich jedes Mal wie die letzten Funken einer vergeblichen Hoffnung. Einer Hoffnung, die mit dem Untergang dieses Lichtes Tag um Tag aufs Neue stirbt.
Denn für mich gibt es keine Hoffnung mehr.
Die Entscheidung, die ich einst, vor so langer Zeit getroffen habe, hat mich hierher geführt.
Sie hat mich zu einem Sklaven gemacht, lässt mich demjenigen dienen, der von allen verhasst ist und der wie ich selbst, vor so vielen Jahren, gefallen ist. Gefallen aus den höchsten Gefilden, die jemals existierten.
Dabei kennt keiner der Menschen auch nur ansatzweise seine wirklichen Beweggründe. Keiner kennt ihn…und keiner kennt mich.
Ich schließe die Augen, als die letzten Sonnenstrahlen sanft über mein Gesicht streifen. Die goldene Wärme verliert sich allmählich in der kühlen Nacht und schließlich bin ich nur noch von der endlosen Dunkelheit umgeben, die mich schon mein ganzes Leben lang verfolgt.
Von einem leisen Rascheln begleitet spreize ich meine schneeweißen Flügel, die selbst ohne das silberne Mondlicht in einem solch hellen Weiß leuchten, dass sie ein eigener Stern hätten sein können.
Die Nacht hat begonnen…und damit auch mein Schicksal. Wieder würde ich jagen gehen, wieder die Seelen sammeln, die am Ende ihres Lebens angekommen waren.
Ich würde die Menschen mit mir nehmen, die von Dunkelheit und Bosheit erfüllt waren. Sie würden in den finsteren Abgrund hinabstürzen, in dem er auf sie wartet, wie jeden Tag und jede Nacht.
Ich würde sie zu ihm bringen und damit erneut unser beider Schicksal besiegeln.
Ich wusste, dass er das nicht wollte. Ich wusste, dass es ihn quälte, genauso, wie es auch mich mehr und mehr zerstörte, doch ich hatte keine Wahl. Es war meine Strafe, dies zu tun, es war unsere Strafe…die Strafe dafür, dass wir uns einst gegen den Allmächtigen erhoben haben. Es waren die Folgen unserer Entscheidung.
Mit einem einzigen, kräftigen Flügelschlag erhebe ich mich nun von dem grasbewachsenen Boden der Klippe. Ich spüre, wie mir der Wind durch die langen, dunkelroten Haare weht und das Gefühl der Hoffnungslosigkeit weicht dem der Freiheit.
Auch wenn wir Gefallene sind, Bestrafte und Verdammte, sind wir dennoch frei!
Niemand kann uns das jetzt noch nehmen.
Die Menschen halten ihn zwar nun schon seit Jahrtausenden für das personifizierte Böse und mich, mich nennen sie einen Todesengel, einen Boten der Finsternis oder Engel der Nacht, doch sie wissen genauso wenig, wie es ihr geliebter Gott tut.
Wir sind frei, er und ich, auch, wenn wir als Bestrafte auf diese Welt gekommen sind.
Es gibt für uns vielleicht keine Hoffnung mehr zurückzukehren, doch diese Hoffnung haben wir ohnehin nie gehegt. Wir brauchen den Himmel nicht mehr, kein Reich voller Lügen. Wir sind hier und wir werden ewig hier sein.
Und so fliege ich nun, als leuchtender Engel Lucifers, den keiner je gesehen hat, den keiner kennt und der stumm gefallen ist, vor so langer Zeit. Ich fliege, bis die Nacht wieder dem Tage weichen muss und ich werde wiederkommen, Dämmerung für Dämmerung, bis ich eines Tages vielleicht selber meinen Glanz verliere und wie das Licht der untergehenden Sonne für immer erlösche.
Doch bis dahin fliege ich weiter.
Dieses Schicksal habe ich selbst gewählt, es war meine eigene Entscheidung, vor so vielen Jahren…und ich bereue nichts.
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Kommentare
Jeiy schrieb am 2008-09-10 17:21:44:
Hi Gimly,
Na, da hab ich Glück, dass ich meine älteren Geshcichten doch noch manchmal aufrufe, um zu gucken, ob noch wer ein Kommentar hinterlassen hat ^^
Es freut mich auf jeden fall wirklich, dass auch dir diese Kurzgeschichte so gut gefällt. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass sie SO gut ankommen würde. Aber ich werde ja auch gerne eines Besseren belehrt ^^
Vielen Dank, dass du dir die Zeit dafür genommen hast diese Geschichte zu lesen und ich hoffe ich werde auch in zukunft weitere Kommentare irgendwo, bei längst vergessenen Geschichten vorfinden ^^
Lg
Jeiy
Gimliy schrieb am 2008-09-04 14:18:32:
Hi, ich weiß nicht, ob du den Kommentar hier NOCH lesen wirst, aber in der Hoffnung darauf schreib ich ihn trotzdem.
Also, diese Geschichte ist einfach HAMMER! Das ist eine sehr interessante Sichtweise, man kann sich gut in die Perspektive des Engels versetzen und ich finde die Geschichte ist rund, also kann man als Kurzgeschichte betrachten, ohne viele Fragen stellen zu müssen.
Gefällt mir wirklich!
liebe Grüße
Gimliy
Jeiy schrieb am 2008-08-01 10:46:50:
Hi TJ Omar!
Vielen Dank. Freut mich, dass dir diese Kurzgeschichte gefallen hat! (Ein kleiner Tipp: Falls dch die Protagonistin dieser Geschichte interessiert, könntest du ja vielleicht mal einen Blick in Anariels Geschichte 'Schattenmacht' werfen - wenn du das nicht schon getan hast. Sie kommt dort nämlich vor ^^)
Hm, diese Thematik gefällt also auch dir? Naja, also, wenn du damit die gefallenen Engel, Lucifer und Dämonen meinst, dann könntest du eigentlich so ziemlich jede Geschichte von mir lesen! Im Grunde genommen gehen sie nämlich alle in diese Richtung ^^
Auf jeden Fall noch einmal Danke, dass du dir die Zeit genommen hast diesen Text zu lesen und zu kommentieren!
Mfg
Jeiy
TJ Omar schrieb am 2008-07-25 00:13:32:
Hey, die Geschichte ist fantastisch. Gut geschrieben. Geiles Thema hast du gewählt. Ich liebe solche Geschichten. Kannst du noch mehr solcher Geschichten reinstellen? Würd mich freuen.
MfG TJ Omar
Jeiy schrieb am 2008-02-29 14:45:57:
Da haben wir was gemeinsam, Alucard! ^^
Lucifer ist auch für mich eine sehr interssante Figur! Überhaupt liebe ich Geschichten über gefallene Engel, Dämonen und alles Dunkle! So bin ich halt und darüber schreibe ich auch (wie man ja unschwer erkennen kann ^^)
Du hast ebenfalls Geschichten über ihn? Das ist interessant. Könntest du mir sagen, wie genau diese Geschichten heißen, dann guck ich sie mir mal an! ^^
Mfg
Jeiy
Alucard schrieb am 2008-02-28 19:14:03:
Ich liebe halt einfach storys über Luzifer udn seine engel^^ hab ja selbst n paar Storys über ihn verfasst ^.^
Jeiy schrieb am 2008-02-28 15:48:05:
Hi Alucard!
Jaaa! ich liebe längere Geschichten, das stimmt! ^^ allerdings verlässt mich bei einigen Geschichten, die ich anfange auch irgendwann der Wille weiter zu schreiben. Bis auf 'Licht und Finsternis' (Bei der ich mittlerweile schon im 12. Kapitel angekommen bin) ist auch noch keine Geschichte wirklich weit, muss ich gestehen ^^
Diese hier war allerdings von vorneherein nur als Kurzgeschichte gedacht, wird also auch höchstwahrscheinlich keine Fortsetzung geben.
Es freut mich aber auf jeden Fall, dass sie dir gefallen hat! ^^
Mfg
Jeiy
Alucard schrieb am 2008-02-27 19:49:36:
du scheinst es zu lieben, lange Geschichten zu schreiben. bzw. längere. Mir fehlt dazu immer der Wille.
Ja... auch diese Story ist vom Stil her gut geschrieben und von der thematik einfach umwerfend.
Gruß Raphael
Jeiy schrieb am 2008-02-24 10:21:38:
Hi Anariel!
Vielen, vielen Dank! Mir ist auch erst jetzt aufgefallen, dass du ja ebenfalls eine Geschichte mit dem Titel 'Engel der Nacht' hattest! Also, ob das noch ein Zufall ist? ^^
Es freut mich auf jeden Fall, dass dich diese Geschichte so berühren konnte! Möglicherweise könnte sie sogar eine art Vorgeschichte eines Nebencharakters von meinem 'Licht und Finsternis' sein...Nun, das überleg ich mir noch ^^
Mfg
Jeiy
anariel schrieb am 2008-02-22 20:44:02:
Huhu Jeiy,
Na hallo, hast du eine meiner Musen abgekriegt? (Thema, Titel)-lacht-
Nein keine Sorge, macht mir nix aus. Im gegenteil, ich finde das sehr schön geschrieben.
Spricht mich sehr an. Mein Kompliment, denn selten kann mich eine Geschichte so dermasen berühren, wie es diese hier getan hat.
Mit liebem Gruße
Die Nomadin zwischen den Welten
Anariel
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