English Summer Rain
von
Razorblade_Romance666
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Ich ging die lange, einsame Straße entlang und ließ meine Blicke verträumt durch die Gegend schweifen. So verloren und gleichzeitig vertraut fühlte ich mich in dieser fremden Stadt. Der trockene Asphalt war von einer dünnen Staubschicht bedeckt, weil es seit beinahe einer Woche nicht mehr geregnet hatte. Dennoch zogen sich nun am Himmel dichte, dunkelgraue Wolken zusammen und es roch nach Gewitter. Drückend war die Luft, die mich umgab und es fiel mir sogar schwer, frei zu atmen. All diese kleinen Dinge speicherte ich von ganz alleine in meinem Kopf ohne wirklich einen Grund dafür zu kennen. Am allerwenigsten konnte ich mir jedoch erklären, warum ich ihm überhaupt folgte.
Lässig schlenderte er die Straße entlang und sein schwarzer Mantel wehte im Abendwind. Gefesselt von seinem Auftreten blieb ich einige Meter hinter ihm um auf keinen Fall bemerkt zu werden. Niemals hätte ich erwartet ihn hier zu sehen, hier, in dieser Stadt, die etwas magisches an sich hatte. Ohne sich ein einziges Mal umzublicken bog er um die nächste Ecke und verschwand somit aus meinem Blickfeld.
Still fasste ich den Entschluss, nun umzukehren und mir irgendwo einen schönen Abend zu machen aber meine Füße setzten ihren Weg fort. Ehe ich mich versah, war auch ich um die Ecke gebogen und sah seinen Rücken wieder vor mir. An seinen kunstvoll frisierten Haaren glaubte ich, ihn erkannt zu haben dennoch suchte ich nach einem Grund, um mir hundertprozentig sicher zu sein. Wenn er es nun wirklich war......
Meine schwarz-weißen Converse machten bei jedem Schritt ein quietschendes Geräusch, das so leise war, dass ich es selber kaum vernahm.
Wenn er sich jetzt umdrehen sollte, mir sein schönes, schmales Gesicht zuwand, dann würde er mich sehen. Vielleicht würde er sogar lächeln. Sein Lächeln wollte ich sehen, ein einziges Mal in meinem Leben wollte ich sein Lächeln sehen. Allein der Gedanke daran reichte als Grund aus, ihm weiter zu folgen. Wohin er wohl unterwegs war? Wollte er Freunde besuchen oder einfach einen Spaziergang machen? Wie lange folgte ich ihm überhaupt schon?
Außer mir schien ihn niemand zu bemerken. Leute gingen an diesem Jungen vorbei als sei er wie jeder andere, warfen ihm höchstens einen kurzen Blick zu. Das düstere, trockene Wetter sorgte dafür, dass die Menschen durch die Straßen hetzten ohne auf ihr Umfeld zu achten, ohne es überhaupt wahrzunehmen. Jeder wollte so schnell wie möglich Besorgungen machen oder nach Hause kommen und niemand nahm sich die Zeit den Jungen näher anzuschauen. Hätten sie sich die Zeit genommen, so hätten sie ihn vielleicht wirklich gesehen, hätten das gesehen, was auch ich gesehen hatte.
Meine Hände vergrub ich tief in meinen Hosentaschen bevor ich meine Schritte beschleunigte und den Abstand zu ihm verkleinerte.
Plötzlich blieb er ganz abrupt stehen und beinahe wäre ich in ihn hineingelaufen. Eine rote Ampel.... Ich hatte sie gar nicht bemerkt, so sehr war ich von seinem Anblick gefesselt.
War er es wirklich? Nun, da wir nebeneinander an der Ampel standen und ich ihm immer wieder nervöse Blicke zuwarf, war ich mir da fast ganz sicher. Sein Profil war mir so bekannt und wenn er es nicht war, so hatte dieser Jemand neben mir wirklich eine verblüffende Ähnlichkeit zu ihm.
Die düsteren Wolken entluden sich in einen hellen Blitz, auf den ein tiefer Donner folgte, noch ehe die Ampel grün wurde. Ich spürte bereits die ersten kleinen Regentropfen auf meiner Haut bevor man dunkle, nasse Punkte auf dem Asphalt erkennen konnte.
„Was ein Hundewetter...“ murmelte ich resigniert und schluckte erschrocken, als ich merkte, dass ich diesen Gedanken laut ausgesprochen hatte.
Er sah mich an, musterte mich von Oben bis unten und lächelte dann: „Genau“ Seine etwas metallisch klingende, tiefe Stimme beseitigte jeden meiner letzten Zweifel. Er war es also wirklich... Dafür hätte ich nun meine Hand ins Feuer gelegt.
Bevor wir die Straße überquert hatten war aus den vereinzelten Tropfen strömender Regen geworden und binnen Sekunden waren meine Anziehsachen durchnässt, so dass ich die feuchte Kälte auf meiner Haut spürte.
Ganz von alleine wurden meine Schritte wieder langsamer, damit ich ihm weiterhin folgen konnte. Trotz Regen und Gewitter strahlte er etwas aus.. Etwas, das ich nicht mit Worten hätte beschreiben können. Unverletzlichkeit? Perfektion? Stärke?? All das und noch mehr...
Kurze Zeit später blieb er wieder stehen, genauso plötzlich wie zuvor, aber dieses Mal war keine Ampel in der Nähe. Neugierig beobachtete ich ihn, wie er einen Regenschirm aus seiner schwarzen Umhängetasche holte, die farblich genau zu Hose und Mantel passte. Nun blieb mir also nichts anderes übrig, als an ihm vorbeizugehen. Ruhig stand er da, mitten auf der Straße, und spannte seinen Schirm auf. Mir rann indessen Regen über das Gesicht und tropfte aus meinem Haar ohne, dass ich mich darum kümmerte. Er war mir so nah... so nah und doch so unerreichbar. Aber er hatte mich angesehen, als wir an der Ampel standen.... Und er hatte gelächelt.
Auch jetzt, da ich an ihm vorbeiging musterte er mich wieder, sagte jedoch nichts.
Vor mir sah ich eine endloswirkende fremde Straße, die beinahe Menschenleer war. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich absolut ziellos war, dass ich ihm einfach gefolgt war in der Hoffnung dass...
„Es ist wirklich ein Hundewetter..“ Erschrocken drehte ich mich um und sah direkt in sein Gesicht. Seinen großer Schirm hielt er über uns und man hörte laut den Regen, der darauf prasselte. Zweimal öffnete ich den Mund um etwas zu sagen, schloss diesen dann aber wieder und musterte meinen Gegenüber. Seine blauen Augen waren dick mit tiefschwarzem Eyeliner umrandet und seine Lippen glänzten von einer dezenten Dosis Lipgloss. Die weiblichen Züge seines Gesichtes waren mir in diesem Moment bewusster als jemals zuvor.
Ich ballte meine kleinen Hände in den Hosentaschen zu Fäusten und schluckte einmal. „Ja...“ Mehr brachte ich nicht hervor, da meine Stimme zu versagen drohte.
Beinahe gierig zog ich seinen Duft ein, der mich ein bisschen an einen großen Strauß frische, bunte Blumen erinnerte. Mein ganzer Körper bebte und besonders meine Hände zitterten als er mich wieder ansah.
„Was machst du so alleine hier draußen an einem Tag wie diesem?“ Ein traumhaftes Lächeln huschte über seine glänzenden Lippen als ich erwiderte: „Eigentlich nichts. Ich gehe einfach spazieren...“
Große Manschettenknöpfe hielten seinen Designermantel geschlossen, der so perfekt zu Hose und Frisur passte, dass es schon fast ein bisschen beängstigend war. Auf mich wirkte er wie ein Wesen von einem anderen Planeten. So schön, dass man es ansehen wollte aber nicht wagte, es anzufassen.
„Ich auch... Ich liebe lange, einsame Spaziergänge. Zwar nicht unbedingt im Regen aber ansonsten sehr!“
Langsam fiel die anfängliche Nervosität von mir ab, obwohl ich mich wirklich darüber wunderte, wie gesprächig er war, obwohl er mich nicht kannte.
„Und dennoch scheinen Sie den Regen erwartet zu haben!“ erwiderte
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Kommentare
Seth schrieb am 2006-08-09 19:14:54:
Ich liebe es, wenn Du so schreibst, ehrlich, ich ab dann immer das Gefühl, Ich bin doch nicht der einzige, Der all das Leid erfahren musste, der einzige, der eine dunkle Seele kennt bis in die letzten Ecken. Obwohl diese Geschichte nun mal nicht traurig ist (auf den ersten Blick), kann man deutlich spüren, warum sie in die Kategorie Melancholie gefallen ist.
isabel@isabelundmaik.de schrieb am 2006-05-27 23:11:49:
ich finde die geschichte wunderschön. konnte mir gleich denken, um wen es gehen würde, bei dem titel!!!
finde es sehr mutig, dass du sie veröffentlicht hast, zumal brian molko von placebo ja ne person ist, die in der öffentlichkeit steht.
rubyk schrieb am 2006-05-27 23:04:25:
ich find die geschichte echt klasse. konnte mir gleich an dem titel denken um wen es gehen würde.
brian molko von placebo. ich finde es mutig, dass du sie veröffentlicht hast, da er ja immer hin ne öffentliche person ist.
jmr3@uboot.com schrieb am 2006-05-27 15:27:21:
Gefällt mir gut,... klingt sehr realistisch und lieblich subjektiv aus der Ich -Perpektive. Allerdings halte ich die Dialoge überarbeitungsfähig.
Kalliope schrieb am 2006-04-11 18:41:21:
Diese Geschichte ist perfekt - aber wer ist er?
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