Enigma
von
Lilith
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Prolog
Sie atmete schwer. Der Schweiß brannte in ihren Augen und der dunkle Umhang lag schwer auf ihren Schultern, während sie sich müde an einen Baum lehnte.
Das Kind in ihren Armen schlief unruhig und kniff oft die Augen zusammen. Auf seiner Stirn prangte ein leuchtendes Symbol, das die Frau mit einem Tuch zu verdecken versuchte.
Es schien zu hell in der Dunkelheit.
Sie betete, dass es nicht aufwachen und plötzlich losschreien, und sie verraten würde.
Sanft wiegte sie es, lauschte dabei aber nach verdächtigen Geräuschen, um sofort loslaufen zu können wenn nötig.
Ein lautes Rascheln lies sie zusammenzucken.
Sie kauerte sich in den Schatten des Baumes und wagte es nicht, zu atmen. Ein jammernder Laut entfuhr ihr, als sie hörte, wie Schritte näher kamen- sie hielt sich schnell mit einer Hand den Mund zu.
Ihre Beine waren wie gelähmt – zu lange war sie schon weggelaufen, zu oft hätte sie es fast nicht geschafft, zu oft. Sie war verzweifelt, wusste nicht, was sie machen sollte.
Da öffnete das Kind die Augen und blickte sie müde an.
„Baba“, sagte es. „Baba“
Dann schlief es wieder ein.
Die Frau atmete erleichtert aus, hielt sich aber immer noch in Deckung – man konnte ja nie wissen.
„Luné“, hörte sie jemanden flüstern. Ganz leise, aus Angst entdeckt zu werden. „Luné“
Sie kam langsam wieder auf die Beine und trat hinter dem Baum hervor.
„Ich bin hier.“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauchen. „Soleil!“
Ein großer, schlanker Mann trat aus der Dunkelheit auf sie zu, ein erleichtertes Lächeln im Gesicht. Auch er trug einen dunklen Mantel, doch im Gegensatz zu der Frau, die ihre schwarzen Haare nicht verstecken musste, deckte eine Kapuze seine silbernen Haare ab.
Er umarmte sie fest und betrachtete sie dann prüfend.
Dann fiel sein Blick auf das Kind.
„Wie geht es ihr?“, fragte er leise. „Ist sie aufgewacht?“
Die Frau nickte und strich dem Mädchen über die Wange.
„Sie hat mir gesagt, dass du kommst.“
Der Mann küsste das Kind auf die Stirn.
„Kleine Stella.“, sagte er. Dann wandte er sich wieder an Luné. „Ich habe mir solche Sorgen um euch gemacht. Ich konnte nicht stillstehen und habe überall nachgesehen, hinter jedem Baum, jedem Felsen – selbst an der Burg habe ich Ausschau nach euch gehalten.“
„Und ich dachte schon, dir wäre was passiert.“ Luné lächelte schwach. Dann wurde sie wieder ernst. „Wie weit ist es noch?“
Soleil schob die Kapuze herunter, und wischte sich den Schweiß und den Dreck von der Stirn. Dabei entblößte er zwei nach obenhin spitz zulaufende Ohren.
Als er sich erschöpft an den Baum lehnte, sah Luné ihn erschrocken an.
„Was ist passiert?“ Sie nahm seine linke Hand in ihre rechte. „Geht es dir gut?“
Ihre Augen suchten die seinen – bernsteinfarbene Diamanten, die selbst in der
Dunkelheit noch glitzerten.
„Es ist nichts – ich vermisse bloß die Sonne.“
„Du musst vollkommen erschöpft sein! Ruh dich aus, bevor du nicht mehr weitergehen kannst!“
Doch er schüttelte den Kopf.
„Wir haben keine Zeit zum ausruhen!“
Er nahm sich zusammen, griff ihre Hand und zog sie weiter.
„Wir müssen so schnell wie möglich das Orakel erreichen, bevor die Alben uns finden“
Luné stolperte schwach hinter ihm her, das Kind fest im Arm.
Es fiel ihr nicht leicht mit ihm Schritt zu halten. Obwohl Soleil erschöpft war, hatte er noch genug Kraft, um die ganze Nacht durch zu gehen und dabei vollkommen konzentriert zu sein. Für Luné jedoch war es eine große Strapaze und sie war kaum noch dazu in der Lage auf den Beinen zu bleiben.
Der Mantel schnürte ihr die Luft ab und das Kind war ein kaum auszuhaltendes Gewicht, nun, da sie so geschwächt war.
Sie wusste, dass sie nicht viel Zeit hatten, und dass der Weg nicht mehr weit war, doch das tage- und nächtelange Laufen hatte an ihren Kräften gezehrt, und wenn selbst der Alb schon geschwächt war, wie sollte es dann ihr – einem gewöhnlichen Menschen- gehen?
Doch sie setzte weiter Fuß vor Fuß. Zusammen liefen sie über die verstreuten Äste und Zweige, die krachend unter Lunés Füßen zerbrachen – Alben konnten ohne jedes Geräusch das Unterholz durchqueren- und machten keine Pause, bis ein Leuchten vor ihnen die Dunkelheit erhellte.
Sie begannen langsamer zu gehen. Lunés Herz pochte laut in der Stille als sie eine Lichtung betraten, in deren Mitte sich ein riesiges Wasser befand – ein See der mit dem Salzwasser des Meeres gefüllt war.
Ein beruhigendes Licht ging von der Oberfläche aus, und kleine darüber schwebende Scheine tanzten durch die Nacht, sorglos und fröhlich. Es waren Feen, die zeigefingergroßen Wesen mit den transparenten Flügelchen und einem ewigwährenden Lächeln im Gesicht.
Luné konnte es kaum fassen. Sie hatten es geschafft – das Verstecken und Fortlaufen hatte ein Ende.
Sie strich ihrer Tochter das Tuch von der Stirn und küsste sie sachte auf das glühende Symbol.
„Jetzt wird alles gut.“, flüsterte sie und konnte es selbst noch nicht glauben.
Ihre Augen glänzten, als sie das Kind an sich drückte, und sie lachte erleichtert auf.
Jetzt wird alles gut.
Selbst Soleil erlaubte sich ein Lächeln, als er Luné so sah, und trat dann mit langsamen, kleinen Schritten auf das Ufer des Sees zu. Einige Feen betrachteten ihn neugierig und tanzten dann lachend um ihn herum.
Er nahm allen Mut zusammen und atmete tief ein.
„Orakel!“ Seine Stimme erklang laut in der Stille – wie sehr sie sich verändert hatte in der Zwischenzeit! Er hatte sie schon lange nicht mehr hören dürfen, aus Angst von den Alben gehört zu werden. Doch hier war er sicher – das Orakel würde sie drei beschützen.
„Orakel!“
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Kommentare
LeonX schrieb am 2006-11-28 13:28:13:
Hi! ^-^
Ich find das sehr toll und spannend geschrieben. Zu dem auch sehr emotional und fantasievoll. ^-^ Wann geht's weiter? *gespannt sei* Jetzt will man wirklich wissen, wie es weiter geht...
Man hört voneinander (oder sieht sich auch mal! ^-^)
Bis dann!
LeonX
Demeter schrieb am 2006-11-24 18:53:29:
Hi Lilith,
ich hoffe, dass da noch eine Fortsetzung kommt??
Ganz schnell? *bettel* voll super, der Prolog!! Ich warte gespannt auf den nächsten Teil! Übrigens: dein Nick ist sehr interessant, ich hab was für Lilith über, diese sagenumwobene
Gestalt. Schreib schön weiter, wenn noch mehr davon kommt (^.^)
Bis denn, Demeter
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