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Kategorien > Bedrohung und Gewalt > Unvorhergesehen

Entfacht

von Gimliy

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Entfacht


Du hast mich entfacht. Du hast mich in deine Welt geholt. Noch bin ich nichts. Winzig, taub und blind. Jedes leise Säuseln des Windes rast über mich hinweg wie ein Sturm. Jeder noch so kleine Tropfen bedroht meine Existenz. Ich bin dir schutzlos ausgeliefert. Du kannst mich erblühen lassen, mich aber genauso leicht vernichten. Es liegt in deiner Hand.

Ich taste mich vorsichtig voran. Meine Fingerchen greifen nach allem, was ich erreichen kann. Ich will immer mehr. Ich will alles in mich aufnehmen. Ich berühre alles, was ich kann. Du stehst daneben und freust dich. Du rufst mir Aufmunterungen zu. Willst mich motivieren. Du willst meine Fortschritte begutachten, denn ich bin „dein Baby“. Ich lass es zu. Ich will es sogar, denn schließlich brauche ich dich.

Größer und immer größer werden die Bewegungen, immer länger meine Finger, die sich immer noch vorantasten. Um so mehr ich berühre, desto stärker werde ich. Es dauert seine Zeit, doch du versicherst mir, dass ich genug davon besitze. Du genießt das, was du geschaffen hast. Du genießt mich!

Mein Inneres wächst über sein gewöhnliches hinaus. Tief in meinem Herzen oder meiner Seele steigt Glut auf. Ich blähe mich auf und erweitere meinen Wirkungsgrad. Alles auf meinem Weg fällt mir in die Hände und ich mache es mir eigen. Nichts bleibt dort, wo ich war. Du gibst mir zusätzliche Nahrung. Du ermutigst mich. Du triumphierst. Du hast deinen Willen bekommen. Du denkst, es ist dein Werk. Du denkst, du hast die Macht über das, was hier passiert. Du denkst, du hast Macht über mich. Doch du irrst dich!

Es ist meine Macht. Ich gewinne immer mehr davon, mit jedem Flackern erweitere ich sie. Längst bin ich nicht mehr klein. Ich greife in großen Kreisen um mich. Ich vermehre mich rassant. Die Glut in mir lässt alles auf meinem Weg schmelzen. Du erkennst langsam, dass es meine Macht ist. Du musst zugeben, dass ich wahrlich stärker bin, als alles andere. Langsam wird dir klar, dass sich das Blatt wendet. Du verstehst, dass du das Werkzeug bist, das ich hätte sein sollen.

Ich bin pure Energie. Ich bin endlich in voller Größe und Kraft! Ich kann tun, was immer ich will, denn mich kann nichts fesseln. Ich bin stark genug. Ich benötige keinen Meister mehr! Du gerätst in Panik. Du versuchst, mich auszulöschen, mich zu bekämpfen. Du schöpfst alle Mittel aus, die dir einfallen, alle die du einsetzen kannst. Immer noch klammerst du dich an die Hoffnung, dass dein achso kluger Schöpfergeist, der so voller Ungeduld auf mein Erblühen gewartet hat, eine Möglichkeit findet, das alles ungeschehen zu machen.

Erfolglos. Ich lache dich aus! Du willst mich zum Erlöschen bringen? Du willst mich eindämmen, obwohl du mich zuvor angeheizt hast? Glaubst du denn immer noch, ich wäre auf dich angewiesen? Verstehst du denn nicht, dass ich mir meine Macht nicht von deinen jämmerlichen Versuchen zerstören lassen will?

Ich dränge dich in die Ecke. Wie ein Sturm rase ich auf dich zu. Heller als deine Augen vertragen, heißer als das Blut, das deinen Körper wärmt und schneller als die Füße, die dich tragen. Ich greife mit Fingern nach dir, die dicker sind, als deine muskelbepackten Arme. Und du erkennst nun das, was du innerlich schon immer wusstest. Ich bin gebündelte Macht. Du weißt, dass du mich zwar erschaffen, aber nicht kontrollieren und schon gar nicht aufhalten kannst. Denn du hast mich entfacht, nun werde ich dich dafür bestrafen!
© Gimliy

Anmerkung:
Ursprünglich habe ich diese Geschichte aus der Sicht eines Feuers geschrieben, das von einem Brandstifter ins Leben geholt wird und ihn schließlich, da er sich überschätzt, zu Grunde richtet. Doch es lässt sich auch sehr gut auf Menschen übertragen. Es ist schon oft passiert, dass Menschen unterschätzt wurden, dass man dachte, sie zu kontrollieren, bis diese dann selbst kontrollierten.

Ich freue mich schon auf eure Kommentare, Anregungen, Meinungen und Interpretationen, also schreibt bitte Kommentare.
Euer Gimliy

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Kommentare

Nacht schrieb am 2009-06-07 12:22:28:
Hallo
Sehr gut beschrieben. Vielleicht kannst du das Wachsen, sowie die grosse Gefahr ein wenig besser herausstellen.
LG
Nacht
Luna schrieb am 2009-01-28 09:19:17:
Hallo Gimliy,
deine Geschcihte gefällt mir ausgesprochen gut. Wie du die Gewalt des Feuers beschreibst , wie es erst klein ist und dann wächst. Was mir fehlt ist, dass man innerlich nicht spürt, wie es wächst und gefährlich wird. Wie es vernichtend sein kann, wie es wütet, weil es frei sein will. So ist es auch bei den Menschen. Was klein ist wächst und endwickelt sich. Und wenn dass, was wir dann versuchen zu unterdrücken über sich hinaus wächst, explodierte es.
Aber alles in allen eine wirklich gute Geschichte,
Gruß Luna
Kyouyama schrieb am 2009-01-25 18:40:32:
wow tolle Geschichte, toller Schreibstil
regt sehr zum nachdenken an und liest sich gut
wirklich gut!!
lg Kyouyama
AlterMann schrieb am 2009-01-24 13:08:58:
Gerne gelesen - gut geschrieben!
Habe doch Tatsache bis zum sechsten Absatz gebraucht, um zu merken worauf du aus bist, und das es eben kein Mensch ist.
Wie du schon sagst, man kann es ebenso auf einen Menschen anwenden...

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