Entwicklung eines Jugendlichen
von
Tim Jackson
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Walter - Kapitel 1
Ich muss gestehen, ich habe angst vor den Veränderungen die kommen werden.
Meine Familie spricht in grossen Tönen, ja jubeln fast vor Freude. Mir ist nicht nach dieser Euphorie zu mute, auch wenn all meine Freunde aufgebracht sind. Jetzt, die Sommerferien vor der Tür leg ich mich zuweilen auf mein Bett und versinke in Gedanken. Zeiten werden sich ändern, bin ich wirklich die einzige welche nicht damit klar kommt?
Ich bin nun 13 Jahre alt, es wird ernst. Viele Dinge werden nicht mehr so sein wie sie einst waren - ach was red ich... nichts wird so sein wie früher , mein Magen schrumpft oft zu einer winzigen, ausgetrockneten Dattel zusammen, wenn ich nur an die Zukunft denke. Neue Schule, neue Klassenkameraden, neue Fächer, alles wird so ernst.
Jedes Zeugnis muss etwas hergeben um später eine Ausbildung zu finden. Gleichzeitig verändert sich mein Körper, meine Gedanken. Meine Freundin redet von Partys und Jungs - die erste Liebe. Alles klingt so aufregend und es wird von Allen zelebriert.
Ich bin so nervös, nur noch 6 Wochen.
Wie so oft also, sitze ich auf meinem Bett - keine Lust hinaus zu gehen. Ich kann meine Ferien nicht geniessen, ich Dummerchen. Schwaches Tageslicht erfüllt mein Zimmer durch die Jalousie, ich mag meinen Raum.
Mein Reich, mein Bald-nicht-mehr. Muss ich meine Stofftiere dem Dachgeschoss spenden? Ich merke wie sich meine Freundinnen verändern, muss ich das auch um "iN" zu sein? Wie wird Mama reagieren wenn ich meine geschenkten Spielzeuge wegsperren will?
Ich kann mich von Kitty der Katze, Moe der Bär und Zorkel der Giraffe trennen, ja das geht.
Aber nicht von Walter. Ich fand Walter zusammen mit Papa auf einer Raststätte. Damals, wir waren auf
dem Rückweg von Oma und Papa hatte mich abgeholt.
Im Auto wurde mir langweilig, Papa war nie der "ich fahre Auto und höre Musik" Typ Radio war auch keine Option, so dass zwei Stunden Autofahrt hin und zurück von Oma wirklich wirklich langweilig waren.
Papa litt auch darunter. Ich hatte keine Musik, und Papa weil mein Frust mit Fragen und Nörgeln an ihm ausgelassen wurde. Fünf Jahre alt und alleine im Auto, wanderte mein Blick neugierig auf der Raststätte umher auf der Suche nach einem rosa Pony mit Regenbogenflügel oder nem Eichhörnchen. Doch ich fand stattdessen Walter. Da Papa wieder einmal mit fremden Männern über das tolle Motorrad diskutieren musste - welche er übrigens NIE übersah und dann seine eigene private Kopfgeldjagt inszenierte um den Besitzer zu finden - hatte ich genug Zeit von meinem Auto aus, das verdreckte Clownsstofftier zu studieren. Mit jeder Minute gefiel mir dieses Ding mehr, vorne bei der Raststätte Ausfahrt. Er lag unter einer Picknickbank, wartete nur darauf mein Besitz zu sein.
Ich freundete mich mit dem Bild an und als Papa nach 20 Minuten endlich ins Auto stieg, war ich von dem Stoffclown besessen!
Papa setzte sich, startete den Motor , bot mir ein Fruchtsaft an und war dabei loszufahren.
Die Debatte war unfair, junges Mädchen - dreckiges Spielzeug auf einer Raststätte und Autoritätsinvalide Papa "der Erzeuger".
Obwohl ich seine Harley-Mood zerstörte gewann ich! Nach ein paar Minuten und etliche Schmoilltränen später realisierte Papa das Unvermeidliche, stieg aus, ging zur Picknickbank und händigte mir den Clown.
Guter Tausch, er hatte seine ruhige Fahrt nach Hause.
Walter, den ich so taufte weil mein Clown auch gestreifte Kleider hatte wie "Wo ist Walter" - Die bekannte Bücherreihe in denen man eine Figur in Menschenmassen sucht. Meinen Walter fand ich.
Zugegeben er war in sehr schlechtem Zustand. Er war nass, schmutzig und beide Knopfaugen waren weg. Letzteres erkannte Mama und es wurde zum Erlebnis mit Ihr in Textiletablissements passende Augen zu finden. Sein Haar zierte sich aus geflochtenen roten Fäden, er bestand komplett aus Stoff - Bienenwaben Muster in verschiedenen Farben. Sein Kopf war Gelb, das brachte seine Haare magisch zur Geltung.
Wenn ich hier nun so sitze und Walter anschaue, vor meinen Augen die Erlebnisse vorbeiziehen von fünf bis 13, kommen mir Tränen.
So eine schöne Zeit - muss sich das wirklich ändern? Muss es nicht. Ich freue mich auf die neuen Dinge, die neue Schule.
Der neue Lebensabschnitt, denn ich weiss....mein Zimmer, meine Einrichtung wird sich verändern und es macht mir nichts mehr aus.
Denn Walter wird immer auf meinem Dachgeschoss auf mich warten.
Nadine - Kapitel 2
Ich fühle eine grosse Leere, wie lange bin ich schon hier? Anfangs zählte ich die Stunden, dann die Tage. Ja ich zählte sogar die Wochen und ab einem Jahr fing alles von vorne an.
Ich erfreue mich nicht mehr, verstehen tu' ichs sowieso nicht. Wie konnte sie mir das nur antun?
Es war an einem sonnigen Montag, der erste August fiel auf den Dienstag und meine Freundin hatte somit den Montag frei. Ich ahnte nichts. Schon immer war mein Platz zwischen Kissen und hölzerner Bettwand, fühlte mich dort wohl. Es war mein Platz, meine Ecke.
Wie ich sie vermisse. Sie kam, schaute mich glücklich an, war ich gewohnt. Doch in ihrem Blick war etwas ungewohntes, naives - voller Selbstvertrauen. Anfangs war alles wie immer, wir hörten Musik - Ihre Lieblingsband Darling Violetta. Diese Musik war mir immer zu Mädchenhaft, aber da war etwas Besonderes. Ein Schleier von unbeschreiblicher Atmosphäre. Denk ich das wirklich oder vermisse ich die Musik und die Erlebnisse mit ihr?
Sie legte sich neben mir aufs Bett, ihr Atem war warm und leise. Wir schauten uns tief in die Augen und ich wog mich in Sicherheit. Geborgenheit? Dieses Gefühl ist nur noch ein kleiner Tropfen, langsam fallend in mein dunkler Gefühlsbrunnen. Aber ich halte daran fest, was bleibt mir sonst.
Wie so oft kam ihre Mutter hinein und störte unsere Zweisamkeit. Die Musik verstummte mit einem hastigen Klick auf die Fernbedienung.
"Hast du alles vorbereitet für deine neue Schule, Schatz?" "Ja Mamaa"
Neue Schule? Apokalyptische Worte, Worte der Verdammnis – Ich hasse diese Worte.
Doch es war nur Smalltalk, wieso sollte mich kümmern was die Kuh zu melden hat, ich sah lieber auf den Rücken meiner Freundin. Mein ein und Alles.
"Prima, bist du noch nervös Schatz?" Huh? Nervös? Sie ist stärker als du denkst. "Ja bissi, aber seit ich weiss, dass Debi in der gleichen Klasse is, ist es mehr Vorfreundenervosigkeit!"
Die Mutter schmunzelte, drückte sie, ging mit ihr und dem Wort <IKEA> aus dem Zimmer. Ich machte es mir auf dem Bett gemütlich, betrachtete den wunderbaren Tag durchs Fenster. Malte mir mit einem Lächeln aus, was Nadine und ich tun werden wenn sie zurück kommen würde.
Spät Mittags, wurde ich geweckt. Blinzelnd musterte ich den Raum, sah dann Nadines Vater. Er kauerte auf dem Fussboden, liess kurz sein Blick durchs Zimmer schweifen. Seine mürrische, verbissene Starre auf meinem Gesicht fokusiert.
Seinen Werkzeugkasten liess er stehen, drehte sich zu mir und setzte sich aufs Bett. Er sah mich lange an, ich mochte seine begrenzte Person nie. Unsere Augen
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