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Kategorien > Fantasy > Enumin

Enumin --2. Sivanica

von Sin

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Sivanica

Was er sah, als er nach unendlich langer Zeit, wie es ihm vor kam, wieder die Augen öffnete, veranlasste ihn erstmal dazu, verdutzt inne zu halten und sich etwas genauer umzusehen. Sein Blick war noch nicht völlig geklärt und seine Muskulatur fühlte sich auch nicht wirklich so an, als wollte sie sein Gewicht tragen. So blieb er unter dem äußerst seltsam wirkenden, aber wenigstens Schatten spendenden Baum liegen und wartete darauf, dass er wieder klar wurde. Er lag auf einer grünen Wiese, über ihm schien die Sonne gedämpft durch ein gewaltiges Blätterdach und er konnte sogar andere Lebewesen hören, die ganz in seiner Nähe mit ihren Lauten ihr Revier verteidigen wollten oder vielleicht Lockrufe aus sandten um ihren Partner zu finden. Die Wiese war aber nicht nur saftig grün und mit vielen bunten Blumen bestückt, sondern auch übersät von Betonbrocken, Teerstücken und verschiedenen verbogenen und hoffnungslos verrosteten Eisenteilen, Über welche sich die blühende Natur im Laufe vieler Jahrzehnte, wenn nicht sogar noch viel länger ausgebreitet hatte. Er stemmte sich in eine sitzende Position und ihm fiel wortwörtlich die Kinnlade herunter. Was er sah, gehörte nicht zu dem idyllischen Bild unberührter Natur, er sah eine gewaltige Ruinenlandschaft. Unweit von seiner Position, allenfalls einen Kilometer weit entfernt, konnte er gleich mehrere verfallene einstige Hochhäuser erkennen. Er ließ seinen Blick umherschweifen und ihm wurde mit jedem Augenblick unwohler. Er konnte nicht nur Hochhäuser sehen, die ihrem Namen schon seit mehreren Jahrzehnten keine Ehre mehr machten, sondern auch normale städtische Bauten, die fast zur Unkenntlichkeit verfallen waren. Wucherndes Wachstum hatte die Mauern scheinbar schon vor Urzeiten gesprengt. Mit den Jahren würden hier sämtliche Spuren einer einstigen Menschlichen Existenz ausgelöscht sein. "Wo zur Hölle bin ich hier?", frage sich Trace endlich. Er versuchte sich an die letzten Geschehnisse zu erinnern. Ganz kurz glaubte er sich an etwas wie eine dunkle Gestalt mit einer langen Mönchskutte erinnern zu können, aber dieser Gedanke entglitt ihm wieder, bevor er wirklich Gestalt annehmen konnte. Einen Sekundenbruchteil später hatte er vergessen, diesen Gedanken je gehabt zu haben. "Du weißt nicht, wo du bist?", die knarzende Stimme, die zu ihm sprach ließ ihn erschrocken auffahren. Die hektische Bewegung war womöglich etwas zu viel für seinen Kreislauf. Ganz kurz drohte sich wieder diese betäubende Dunkelheit vor ihm auszubreiten, doch dann lichtete sich die Schwärze wieder und er konnte sich noch fangen. Er drehte sich ein ganzes Mal um seine eigene Achse aber er konnte niemanden erkennen, der zu ihm gesprochen haben könnte. "Wo bist du?", frage er verunsichert in die Leere. Eine von einem tiefen Grollen begleitete Stimme antwortete ihm nach einer gewissen Zeit. "Ich bin direkt hinter dir!" Blitzschnell drehte sich Trace um. Verrückt, ganz kurz hatte er doch tatsächlich gedacht, der Baum hätte mit seinem durchfurchten, runzeligen Gesicht aus Baumrinde zu ihm gesprochen!
Entsetzt sprang Trace nach hinten und stolperte in aller Hast über seine eigenen Füße, als er das hölzerne Gesicht des Baumes sah, welches ihn aus großen, runden, vollkommen schwarzen Augen anblickte. Der Baum hatte eindeutig ein Gesicht, und dass es sich bewegte, war mindestens genauso eindeutig! Ein zittern ging durch die Erde, die an manchen Stellen schon aufgerissen war und riesige sich bewegende Wurzeln offenbarte. Die Äste des Baumes bäumten sich unter einem dröhnenden Knarren auf. Das Geräusch ging Trace durch sämtliche Knochen. Es war ein unheimlicher Anblick. Die Augen des Baumes strahlten eine so absurd offensichtliche Intelligenz aus, welche seine bei weitem Übersteigen musste. "Erst will er wissen, wo er ist, dann will er wissen, wo ich bin. Sieht so aus, als wisse der Jüngling nicht so ganz, was er denn eigentlich will. Du hast doch nicht etwa Angst vor mir?", frage der Baum zu allem Überfluss noch. Trace konnte den Baum nur mit verängstigtem Gesichtsausdruck anstarren und hoffte inständig, dass er möglichst bald aus diesem bescheuerten Traum aufwachen würde! "Alles ist in Ordnung! Ich stehe hier irgendwo in einer Ruinenlandschaft und vor mir steht ein sprechender Baum!". Das Stirnrunzeln des Baumes wurde wieder von einem knarrenden Geräusch begleitet. "Was hast du denn erwartet? Etwa einen sprechenden Brocken Beton?" Obwohl Trace noch immer erschrocken, und vollkommen verwirrt war, hatte die ganze Situation an sich doch etwas belustigendes, so musste er nach dem letzten Satz des Baumes fast laut los lachen. Einen Augenblick später war er wieder vollkommen ernst. Der erste Schock war überstanden. "Wo bin ich?", fragte er den Baum. Hatte er sich wirklich schon damit abgefunden, mit einem Baum zu reden? Nein, hatte er eigentlich nicht, aber sein Verstand sagte ihm, dass es ihm nicht half, jetzt an Dingen zu zweifeln, die einfach da waren, auch wenn er ihm ebenso sagte, dass es diesen Sprechenden Baum nicht geben durfte. "Du bist in der alten verlassenen Stadt, in der Grünwüste von Enumin!" Trace sah sich nochmals um. Alte verlassene Stadt, ja, das war eine ziemlich genaue Beschreibung dieser Ruinen. Aber was war das mit Grünwüste und Enumin? Die beiden seltsamen Namen hatte er scheinbar vor sich hin gemurmelt, der Baum antwortete darauf. "Ja, von der Grünwüste wissen nur wenige, eigentlich weiß nur ich davon, und du jetzt. Aber Enumin...", der Baum machte eine Pause in seinem ohnehin schon langsamen Sprachfluss. "Du weißt doch, dass alles Enumin ist! Das hier ist Enumin!" Die beiden letzten Sätze des Baumes hatten ein besonderes Gewicht, sie berührten etwas in Trace innerem und ließen ihn schaudern. "Wie soll ich das verstehen?" Irgendwie las Trace die Antwort auf diese Frage in den Augen des Baumes. Es war einfach so. Er war in einer anderen Welt! Das hier war vielleicht nicht wirklich irreal, aber es war nicht die Realität, die er kannte. Ihm fiel es im selben Augenblick wieder ein, in dem er das schwarze Buch mit dem silbernen Titel sah, dass er von Enumin schon gelesen hatte. Ihm fiel auch ein, dass er den Titel des Buches bisher noch nie hatte lesen können. Jetzt sah er die Zeichen an und alles was sie ihm sagten war ENUMIN.
Er bückte sich und hob das Buch auf. Es lag einfach hier im Gras. "Wie es wohl hier hin gekommen war? – Wie er wohl hier hin gekommen war?", dachte er sich. Trace konnte nicht sagen, ob der Titel wirklich in einer fremden Schrift geschrieben war, wie er bisher angenommen hatte. Er las es auch nicht wirklich, wie ihm jetzt auffiel, er wusste ganz automatisch, was dort stand! Es war wie in einem Traum. Manchmal sieht man Dinge und weiß absolut, dass sie etwas ganz bestimmtes sind, auch wenn alles äußerliche dagegen spricht. Er wusste auch, dass er nicht träumte. Woher er dieses Wissen nahm, konnte er bei bestem Willen nicht sagen. Als er wieder auf sah, war der Baum wieder ein ganz normaler Baum. Ohne

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Kommentare

Anja schrieb am 2007-02-13 17:57:33:
Lieber Sin,
das ist eine Geschichte, die nach meinem Geschmack werden könnte. Ich bin wirklich neugierig geworden, wie es wohl weitergeht und freue mich auf das 3. Kapitel, das Du hoffentlich bald fertig haben wirst!?! Finde ich toll, was Dir alles so einfällt!
;o) Liebe Grüsse ... Anja

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