Enumin --2. Sivanica
von
Sin
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doch irgendwie unangenehm zu werden. Schritt für Schritt lief er die Treppe herunter. "Kann ich dir irgendwie helfen?", fragte sie noch. Beinahe hätte er sogar gesagt, dass sie ihm schon geholfen hat, allein deshalb, dass er jetzt nicht mehr allein war. Er spürte erst jetzt wirklich, wie ihm die Einsamkeit zugesetzt hatte. Das ausgerechnet jetzt noch sein Hungergefühl und sein langsam wirklich ernst zu nehmender Durst die Oberhand gewannen veranlasste ihn tatsächlich dazu, erst einmal nach etwas essbarem zu fragen. Das Mädchen lächelte immer noch so weiter wie bisher und bedeutete ihm mit einer Geste, auf einem der Sessel platz zu nehmen, die vor dem Kamin standen. Etwas zögerlich näherte er sich dem Feuer. Das Feuer verteilte wohlige Wärme. Es war so angenehm, dass er sich wirklich in einen der weichen Sessel setzte und kurz die Augen schloss. Das Mädchen war in einem Teil des Raumes verschwunden, der durch einen dünnen, aber schönen samtenen Vorhang abgeschirmt wurde. Etwas Geschirr klapperte. Trace ließ sich noch weiter in den Sessel sinken. Es war ein wundervolles Gefühl. Er glaubte fast, nie in seinem Leben so bequem gesessen zu sein. Hätte er nicht gerade eben eine geraume Weile geschlafen, wäre er wahrscheinlich jetzt auf der Stelle in einen tiefen Schlaf gesunken. So schrak er eher auf, als das Mädchen plötzlich neben ihm war und eine Hand auf seine Schulter gelegt hatte. "Hier, iss!", sagte sie nur, stellte ihm einen Teller mit einer warmen und kräftigen Suppe und einem großen Stück Brot auf den Schoß und ließ sich dann in den anderen Sessel gleiten, der neben ihm vor dem Kamin stand. Sein Hunger war groß und er musste wirklich aufpassen, nicht alles in sich hinein zu schlingen. Besonders die Suppenbrühe, die genau die richtige Temperatur zu haben schien, um sie schnell und problemlos genießen zu können tat ihm mehr als nur gut. Als er schließlich fertig gegessen hatte, war er zwar noch nicht vollkommen satt, aber ihm ging es schon wieder wesentlich besser, als noch vor wenigen Minuten.
Das Mädchen hatte die ganze Zeit über nichts gesagt, sondern schien Gefallen daran gefunden zu haben, ihm beim Schlingen des Mahls zu beobachten und hatte noch immer dieses Lächeln auf dem Gesicht. "Willst du mir deinen Namen verraten?", frage das Mädchen. "Mein Name ist Sivanica. Freut mich dich kennen zu lernen!" Irgendwie schien sein Gehirn noch nicht vollkommen aufgewacht zu sein, vielleicht lag es auch an etwas anderem. Er verstand tatsächlich erst einmal nicht, was das Mädchen von ihm wollte. Der fragende Ausdruck auf ihrem Gesicht erinnerte ihn daran, dass sie ihm die einfache Frage gestellt hatte, wie er denn heiße. "Ähm, äh Trace ist mein Name!", antwortete er schließlich. "Trace...", wiederholte Sivanica den Namen. "Ein seltsamer Name. Vermutlich aber nicht dort, wo du her kommst, oder?", fragte sie. "Äh, nun ja... eigentlich... es... ist ein Name. Er hat sonst keine Bedeutung." Die vermeintliche Frage darauf, wo er denn her kam, hatte er absichtlich überhört. Er wollte wenn dann erst einmal wissen, wo er jetzt war. Nicht, wo er her kam. "Oh doch, Namen sind sogar von sehr großer Bedeutung! Ein Name kann eine ganze Menge über dich aussagen." Waren sie wirklich hier, um philosophische Dinge wie die Bedeutung von Namen zusammen zu faseln? Warum waren sie überhaupt hier???
Trace schaute in das prasselnde Kaminfeuer. "Kannst du mir denn sagen, wo ich bin?", fragte er Sivanica. Eine Weile herrschte Stille. "Wenn du es nicht weißt, wer soll es denn sonst wissen?", fragte sie, statt eine Antwort zu geben. Etwas irritiert sah Trace das Mädchen an. "Du scheinst hier zu leben, du musst mir doch sagen können, wo ich hier bin! Ich will wieder zurück in meine Stadt. Ich habe nie von diesem seltsamen Ort gehört, ich will einfach nur zurück!" Wieder sagte eine Weile niemand etwas. Trace sah das Mädchen nun doch an. Sie schüttelte den Kopf und sagte: "Ich kann dir sagen, wie dieser Ort genannt wird, aber wo er liegt, das weiß niemand. Irgendwo in Enumin. Mehr kann ich dir nicht sagen. Enumin ist sehr groß, musst du wissen!"
Was war das hier? Eine Lehrstunde in Sachen Glückskekse und ihre sinnvollen Sprüche? Seine langsam doch aufsteigende Wut schien Sivanica nicht zu entgehen, denn sie fügte hinzu: "Wo kommst du denn her, vielleicht kenne ich den Ort." "Ich komme aus Heidelberg!", antwortete er. Er achtete genau darauf, ob irgend eine Regung in dem Gesicht des Mädchens zu finden war. - Nichts.
Nach eine Weile wurde sie sehr ernst. "Dann sind das hier die Ruinen deiner Heimatstadt!"
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Kommentare
Anja schrieb am 2007-02-13 17:57:33:
Lieber Sin,
das ist eine Geschichte, die nach meinem Geschmack werden könnte. Ich bin wirklich neugierig geworden, wie es wohl weitergeht und freue mich auf das 3. Kapitel, das Du hoffentlich bald fertig haben wirst!?! Finde ich toll, was Dir alles so einfällt!
;o) Liebe Grüsse ... Anja
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