Enumin - 3. Erinnerungen
von
Sin
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Monster zugesetzt hatte. Er hatte einen Schnitt in der Wade, der vielleicht nicht unbedingt operiert werden musste, aber doch tiefer war, als dass man ihn als harmlos betrachten konnte. Noch dazu war er gute 20 Zentimeter lang. Mit diesem Bein zu laufen, war ein Ding der absoluten Unmöglichkeit. Allein der Anblick seines Beines war schon mehr Schmerz, als er eigentlich ertragen konnte. Die gewaltig brennende Wunde, die sich irgendwo auf seiner rechten Backe befand konnte wohl kaum weniger schlimm sein. Vorsichtig tastete er nach dem tiefen Schnitt. Nur die sachte Berührung ließ das Brennen sofort zu einer wahren Folter anwachsen. Der Schmerz trieb ihm die Tränen in die Augen. Er hatte Kopfschmerzen und die Stellen an seinem Körper, die nicht schmerzten, waren weit in der Unterzahl.
Trotzdem wollte sich Trace erheben. Er wusste nicht wohin er gehen sollte, aber hier mitten in der Wildnis konnte er nicht bleiben. Er konnte sich besseres vorstellen, als morgen aufzuwachen und in das Gesicht eines gepanzerten Monsters zu blicken. Das Aufstehen erwies sich letztendlich als unmöglich. Er war zu stark verwundet. Das leuchtende Buch lag nur wenige Meter von ihm entfernt, und leuchtete weit genug, um ihm eine kleine provisorische Höhle aus Trümmerteilen zu offenbaren, die ebenfalls noch erreichbar war. Möglichst ohne das verletzte Bein zu bewegen, oder irgendwie zu berühren schob er sich langsam in Richtung Buch und hob es auf. Es war irgendwo in der Mitte geöffnet. Die Seite war nicht handbeschrieben, und trotzdem konnte er genau lesen, was dort stand.
"Die Grünwüste. Ein kleiner Teil von ihr trägt den Namen die Ruinen von Heidelberg. Dort lebt ein junges Mädchen. Sie heißt Sivanica. Das Haus ist etwas verfallen und steht ein wenig krumm. Es scheint, als sei es etwas im Boden eingesunken. Darunter befindet sich ein Keller, in dem das Mädchen wohnt..."
Trace fragte sich, ob es denn Zufall war, dass das Buch genau an dieser Stelle aufgeschlagen war. – An der bestimmt einzigen Stelle im Buch, die einen Teil von Enumin beschrieb, den er bereits kannte. Urplötzlich wollte er doch wieder in das behaglich warme Zimmer. Die weichen Sessel und das prasselnde Feuer wären jetzt wohl das beste, was ihm passieren konnte.
Die Seite endete dort. Trace wollte eine Seite weiter blättern, doch gerade als er die Bewegung ausführen wollte, blätterte das Buch selbstständig. Es war, als würde ein starker Wind die einzelnen Seiten bewegen. Das Problem war, das es keinen Wind gab. Der Anblick hatte etwas erschreckendes. Vor allem hielt Trace das Buch in der Hand und konnte nur zuschauen, wie es sich von selbst durchblätterte. Schließlich kam das Buch zur Ruhe. Irgendwo ziemlich am Anfang des Buches. Ein kühler Hauch wehte kurz. Wie um ihm noch deutlicher zu zeigen, dass sich die Seiten ganz sicher nicht durch den Wind bewegt hatten. Als Trace auf sah, lief ihm eine Gänsehaut über den Rücken. Er war nicht mehr dort, wo er das Buch gerade aufgehoben hatte. Er kannte den Ort, wo er sich befand. Das Haus vor dem er saß war etwas beschädigt und nach hinten etwas in den Boden gesunken. Durch die Tür konnte er das rechteckige Loch im Boden sehen, das einen Eingang zum Keller des Hauses darstellte. Er war vor Sivanicas Haus!
Vollkommen perplex sah sich Trace nochmal um. Es gab keinerlei Zweifel. Er war nicht mehr am selben Ort, wie noch vor wenigen Sekunden. Das Leuchten des Buches erhellte noch immer seine unmittelbare Umgebung und das Leder war etwas warm geworden. Sein Blick war verschleiert und der Schmerz in seiner Wade nahezu unmenschlich intensiv. Seine Jeans war in Fetzen zerrissen und vollkommen durch geblutet. Wie nebenbei registrierte Trace noch, dass sein Blut bereits eine große Lache gebildet hatte, in der er jetzt saß. Der Rest seines Körpers schien langsam immer mehr an Gefühl zu verlieren. Ganz kurz fragte sich Trace, ob er wirklich hier schon sterben würde.
Vermutlich hätte er wirklich nicht überlebt, hätte er nicht plötzlich vor sich Schritte gehört, die seinen Retter ankündigten. Besser gesagt, seine Retterin. Als er auf sah, schaute er in zwei wunderschöne, leuchtend blaue Augen.
Als hätte etwas in ihm nur darauf gewartet, endlich gefunden zu werden, verschleierte sich sein Blick weiter. Kurz darauf war es wiedereinmal schwarz um ihn.
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Kommentare
Nymphe schrieb am 2007-02-20 15:36:41:
Hallo Sin,
bis jetzt bin ich nur dazu gekommen den 1. Teil zu lesen, und habe das Gefühl, das du ein Stück aus dem Buch ..Die unendliche Geschichte" von Michael Ende reinrührst - was ich nicht mit Sicherheit behaupten kann, da ich den Rest ja noch nicht gelesen habe -, doch ist es nur eine Feststellung, also versteh nich bitte nicht falsch.
Jetzt werde ich aber erst mal anfangen zu lesen, werde mich dann in den kommenden Geschichten wieder zu Wort melden.
Bis bald, Nymphe
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