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Kategorien > Fantasy > Enumin

Enumin - 4. Der Herrscher

von Sin

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Selbst im Traum war er sich dessen bewusst. Dieser Traum war der einzige Traum, den er bisher in Enumin gehabt hatte. Er träumte nicht wirklich, sondern er erinnerte sich.

Es hatte eine ganze Weile gedauert, bis seine Bewusstlosigkeit in einen ruhigen und erstmals wirklich erholsamen Schlaf hinüber glitt. Er hatte überlebt.

Im Traum lief er durch die tote und endlose Grünwüste. Um ihn herum befanden sich Trümmer von Häusern, Autos und anderen menschlichen Bauten. Allesamt wurden über viele Jahre hinweg von der Natur fast bis zur Unkenntlichkeit zersetzt und waren bis hin zum Horizont wahllos über die ganze Ebene versträut. Es war Natur da. Sie war wuchernd und wachsend überall in der Grünwüste. Trotzdem gab einem der Anblick in keinster Weise das Gefühl etwas lebendes zu betrachten. Von der längst verstorbenen Natur gingen Gefühle wie Einsamkeit und Verderbnis aus und der Hauch des Todes war allgegenwärtig.

Alles war ganz deutlich. Es war ein Traum. Aber einer von solch gewaltiger Deutlichkeit, wie er es nie zuvor erlebt hatte. Dass er sich alledem, was er gerade über diesen Traum dachte, bewusst war, konnte nur bedeuten, dass er demnächst aufwachen würde.

Nach einer Weile sah er vor sich im Gras ein kleines schwarzes Buch liegen. Das Buch war irgendwo in der Mitte aufgeschlagen und hatte zu leuchten begonnen. Trace schaute auf und sah einen verwaschenen Flecken unweit von ihm entfernt, der sich langsam auf ihn zu bewegte. Es konnte der Schemen einer menschlichen Gestalt sein. Mit angestrengtem Bilck versuchte er etwas mehr von der Gestalt erkennen zu können. Es war sinnlos. Der verwaschene Fleck bekam nicht im Geringsten etwas mehr Kontrast. Er kam aber trotzdem immer näher. In wenigen Augenblicken musste das Wesen direkt vor ihm stehen. Plötzlich war sich Trace gar nicht mehr so sicher, dass es wirklich die Gestalt eines Menschen war, die er vor sich sah. Er spürte, wie die Angst schon wieder in ihm empor zu steigen begann. Der Schemen kam unaufhaltsam näher. Schließlich war Trace kurz davor, sich umzudrehen und wegzurennen, doch etwas hielt ihn davon ab. Die Angst in ihm wurde mit jedem Schritt, den das Wesen in seine Richtung tat größer. Es war vielleicht noch 10 Schritte von ihm entfernt. Das Wesen wurde nicht deutlicher. Ganz im Gegenteil. Es schien mit der Nähe immer mehr an Deutlichkeit zu verlieren. Irgendwann war die Gestalt so nahe, dass Trace sie schon fast hätte berühren können, hätte er nur den Arm ausgestreckt, doch plötzlich blieb die Gestalt stehen. Man konnte einen peitschenden Knall hören und ein Blitz fuhr aus dem Buch. Er traf die Gestalt mit ungeheurer Präzision direkt dort, wo man bei einem menschlichen Wesen das Herz vermutet hätte. Der Anblick hatte nichts dramatisches. Der verwaschene Fleck verlor noch mehr an Konsistenz und war irgendwann ganz verschwunden.

Trace sah auf das Buch. Dort war eine Seite aufgeschlagen, auf der ein Bild gedruckt war. Das war etwas verwunderlich. Trace hatte gar nicht gewusst, dass in dem Buch auch Bilder zu finden waren. Er ging in die Knie und wollte sich das Bild genauer ansehen. Als er das Buch auf hob und das Bild ansah, gefror ihm das Blut in den Adern. Es war ein Bild seiner Mutter. Ein grell leuchtender Blitz hatte sie direkt in die Brust getroffen. In ihrem Gesicht stand blankes Entsetzen geschrieben. Trace fuhr auf. Er hatte hinter sich etwas gehört. Und tatsächlich. Hinter ihm stand ein ekelerregendes Monster. Es war über den ganzen gürteltier-artigen Leib mit Panzerplatten versehen und hatte an allen vier Läufen gut 10 Zentimeter lange Klauen. Das Monster sabberte und ließ ein drohendes Knurren hören. Mit einem neuerlichen Knall wurde auch das Monster von einem Blitz getroffen und verschwand. Der Laut, mit dem sich das Buch selbstständig weiter blätterte, lenkte Trace Aufmerksamkeit wieder auf das Buch. Auf der nächsten Seite war ebenfalls ein Bild zu sehen. Es war diesmal das Bild eines hässlichen Monsters. Auch das Monster war von einem grellen Blitz getroffen worden. Doch in der Grimasse des abstoßenden Wesens stand noch immer die pure Mordlust. Das Buch verharrte einige Sekunden so und begann dann wieder in sich zu blättern, bis schließlich die letzte Seite erreicht war und sich das Buch schloss.

Mit tobendem Herzen schlug Trace die Augen auf. Sein Atem ging schwer und stoß weise. Auf seiner Stirn standen Schweißperlen und auch ansonsten schien er stark geschwitzt zu haben. Er lag in einem weichen Bett und war mit mehreren weichen Filz-Decken zugedeckt. Das hölzerne Bett stand in einem kleinen Raum, dessen Wände und selbst die Decke mit Holz vertäfelt waren. Es gab keinerlei Fenster, sondern nur eine steil nach oben führende, ebenfalls hölzerne Treppe. Das orange-rote Licht, das den kleinen Raum erhellte stammte von einer kleinen Kugel, die an der Decke befestigt war. In ihr herrschte reges Leben. Rote und orangene Schatten bewegten sich in ihrem Inneren.

Bis auf den hämmernden Herzschlag spürte er relativ wenig von seinem Körper. Hinter seiner Stirn war es seltsam taub und sein Sichtfeld schien etwas eingeschränkt. Trace Hand glitt unter den schweren Decken hervor und tastete vorsichtig über seine Augen. über eines der Augen war tatsächlich ein Verband gebunden, der auch das andere Auge etwas bedeckte. Vorsichtig verschob er den Verband so, dass er wenigstens richtig sehen konnte.

Obwohl es keine Fenster gab, kam es Trace so vor, als atme er die frischste Luft, die er je hatte atmen können. Jeder einzelne Atemzug, beruhigte ihn etwas mehr und war eine echte Erholung.

Trace blieb noch eine ganze weile einfach gedankenlos liegen, wo er war. Es ging ihm lange nicht mehr so gut. Erst langsam kamen all die schlimmen Erinnerungen wieder in ihm auf. Er versuche vergeblich, sie zu ignorieren. Schlagartig erinnerte er sich an die schlimme Verletzung an seinem Bein, die das Monster ihm beigebracht hatte. Sofort schlug er die Bettdecken beiseite und betrachtete seine Beine.

Das erste, was er wahr nahm, war eine im ersten Moment heftige Kühle, die seinen feuchten, erhitzen Körper umwehte.

Das erste was er sah, war dass er fremdartige Kleidung trug. Die Kleidung war extrem einfach gehalten und bestand im Grunde nicht aus viel mehr als zwei dünnen Stofflappen, wovon er einen um seine Hüfte trug und den anderen auf etwas seltsame Art um seinen Oberkörper gebunden. Was sein Bein betraf, konnte er von dem einen sehen, dass es unbeschädigt war und das Andere war mit einem dicken weißen Verband umwickelt, der fast bis hoch an die Kniescheibe ging. War er denn in einem provisorischen Krankenhaus gelandet?

Vorsichtig versuchte er das Bein zu bewegen. Es ging. Und zwar vollkommen mühe- und schmerzlos. Seine positive überraschung wurde stark gebremst, als er voller Euphorie einen hastigen Schwung aus dem Bett machte und dann doch vor Schmerz wieder zusammen brach, als sein Fuß sein ganzes Körpergewicht tragen musste. Nach einem hallenden Schmerzenslaut fragte er sich doch, wie

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