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Kategorien > Fantasy > Enumin

Enumin - 5. Kapitel - Fahrall und Ios

von Sin

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seine Schuhe waren aus irgend einem Fell gebaut. Gehalten wurde alles durch einen starken Ledergürtel, den er um die Hüfte trug.

Statt direkt auf die Frage des Dorfbewohners zu antworten, sagte er zuerst: "Du musst Fahrall sein!", ein Fehler, wie er ziemlich bald darauf bemerkte. Der misstrauische Blick des jungen Kriegers, der wohl in seinem alter sein musste, wurde noch misstrauischer, beinahe schon wütend. "Sag mir wer du bist! Du musst ein Spion der Hexe sein! Beweise mir das Gegenteil, dann lasse ich dich leben!" Trace war erstmal ziemlich erstaunt, wie schnell er hier der Spionage beschuldigt wurde. "Ganz ruhig! Ich kann dir versichern, dass ich kein Spion bin! Von niemandem! Ich bin Trace. Ich bin nicht von hier. Ich..." Er musste kurz nachdenken. Die Situation konnte er wohl kaum auf die leichte Schulter nehmen. Er glaubte sogar, dass sein Leben von dem abhängen könnte, was er jetzt sagte. "... ich habe mich wohl hier her verirrt. Ich will euch nichts tun. Das musst du mir einfach glauben!" Selbst der Hund hatte es irgendwie geschafft, Trace mit einem äußerst misstrauisch wirkenden Blick zu mustern.

"Warum sollte ich das? Woher weißt du überhaupt meinen Namen?", entgegnete Fahrall. Wieder dachte Trace ein paar Sekunden nach. Wo zur Hölle war er hier gelandet? Er schaute sich kurz um. Das Dorf schien ansonsten leer. Aber nur auf den ersten Blick. In den Türen und den Fenstern der Häuser konnte man doch die ein oder anderen neugierigen Blicke finden, wenn man nur genauer hin sah. Meist lugten die Bewohner hinter ihren durchlöcherten Stoffvorhängen hervor, um das Geschehen hier auf dem Dorfplatz mitverfolgen zu können. Trace blickte wieder zu Fahrall. Er sollte wohl mit der Wahrheit auffahren, sonst könnte es sein, dass er sehr bald einen Kopf kürzer war und dann vielleicht sogar als Festmal an einem Grillspieß über einem gewaltigen Lagerfeuer hing. Das Dorf machte einen derartig kriegerischen Eindruck, dass er sich schon jetzt fast wie ein Beutetier vor kam, das sich hier im Kreis der Bewohner seinem letzten Schicksalsschlag ergeben musste.

"Ich weiß deinen Namen hier raus!" Er hob das Buch hoch, welches er die ganze Zeit in seiner Hand gehalten hatte. Trace hatte erwartet, irgendeine Reaktion, vielleicht erstaunen oder auch entsetzen auf dem Gesicht des Kriegers zu finden. Nichts davon war der Fall. Er hielt den mächtigsten Gegenstand dieser Welt in der Hand. Scheinbar den Beweis dafür, dass er der Herrscher über diese Welt sein sollte, und der Krieger schien eher noch misstrauischer als zuvor. Irgendwas stimmte hier nicht.

"Was ist das?", fragte Fahrall zu allem überfluss noch.

Noch ein paar Sekunden vergingen, in denen Trace dem Krieger demonstrativ das Buch vor die Nase hielt. Mit der Erwartung, er würde irgendwie darauf reagieren. "Erkennst du es nicht?", fragte Trace.

"Ich habe es nie gesehen. Was ist das. Eine Waffe? Du bist tot, bevor du auch nur mit dem Gedanken spielen kannst, sie zu benutzen!", antwortete Fahrall eindeutig gereizt. "Also?" Der Dolch des Jungen wanderte einige Zentimeter nach vorn.

Trace ließ das Buch sinken. Das war seltsam. Er war sich sicher gewesen, dass alle dieses Buch hätten erkennen müssen. Es war schließlich nicht irgend ein Buch, sondern das Zeichen des Herrschers. Er hatte mittlerweile angefangen, das Ganze etwas ernster zu nehmen, obgleich er sich noch an den letzten Hoffnungsschimmer klammerte, dass er das Buch nur durch einen Fehler erhalten hatte, und dieser ziemlich bald aufgeklärt werden würde. "Es ist keine Waffe. Wie ich schon sagte, ich will niemandem etwas tun! Dies ist das Buch Enumin. Davon habt ihr doch schon gehört, oder? Es heißt, der der es trägt, soll der Herrscher über diese Welt werden!"

Was er bei der Krähe so sehnlich erhofft hatte, ließ hier ziemlich plötzlich seinen Mut bis zum Boden sinken. Sofort brach Fahrall in schallendes Gelächter aus. Auch die anderen Dorfbewohner fingen nach einigen Sekunden in ihren Verstecken an laut zu lachen. Sie blieben trotzdem in ihren Verstecken. Sah er so aus, als würde er eine Gefahr für das ganze Dorf darstellen? Der Hund war der einzige, der die ganze Zeit über ernst geblieben war. Vielleicht war er ja doch nur ein normaler Hund. Der eindeutig prüfende und abschätzende Blick, mit dem er Trace maß, schrie praktisch das Gegenteil.

"Ich bin dafür, dass wir ihn im Dorf behalten und leben lassen. Er ist keine Gefahr für uns!", sprach der Hund plötzlich mit einer tiefen, langsamen Stimme. 'Wie hätte es auch anders sein können?', dachte sich Trace. Während der Hund gesprochen hatte, hatte er Trace mit Blicken regelrecht durchbohrt. Die Botschaft, die sich hinter diesem Blick verbergen mochte, konnte Trace nicht erraten. Erstaunlich war nur, dass auf einmal alle still waren. Fahrall drehte sich zu Ios um. "Woher weißt du das?", fragte er. "Ich sehe es ihm an!", antwortete Ios sofort.

Eine Weile starrte Fahrall den Hund an und schwieg. "Du glaubst ihm doch nicht etwa, was er da gerade erzählt hat?", fragte der Krieger mit schon wieder belustigtem Gesichtsausdruck, in den sich aber auch etwas Unglauben mischte. "Darum geht es nicht. Glaube mir einfach, dass ich weiß, dass er keine Gefahr ist." "Und was, wenn er doch von der Hexe kommt?", entgegnete Fahrall. "Für diesen Fall behalten wir ihn einfach im Dorf. Er kann nicht entkommen. Das weißt du genauso gut wie ich!"

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