Enumin - 6. Kapitel - Im Land der Zeitlosigkeit
von
Sin
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Keine Sekunde hatte Trace angenommen, dass er hier willkommen war, oder irgendwie freundlich behandelt werden würde.
Man hatte ihm ziemlich schnell auf einen Wink von Fahrall das Buch abgenommen. Trace hatte aus irgend einem Grund befürchtet, es würde etwas passieren, wenn ihm jemand das Buch abnahm. Es geschah gar nichts. Mit lächerlich anmutenden aber dennoch erstaunlich stabilen Seilen hatte man ihn an den Händen gefesselt. Der Hund hatte ihn noch mit einem seltsam mitleidigen Blick angesehen. Scheinbar machte er den Dorfbewohnern große Angst. Als er von einer Art primitiver 4-Mann Söldnereinheit abgeführt wurde und an einigen der wackeligen Holz- und Lehmbauten vorbei kam, zogen sich die Bewohner ziemlich rasch in den Schutz ihrer Behausungen zurück. Er musste schnell marschieren, andernfalls wurden ihm Schläge angedroht.
Das mit der Hexe hatte ihn allerdings hellhörig gemacht. Er hatte da einen kleinen Zusammenhang gefunden, über den er nochmal bei Zeiten genauer nachdenken wollte.
Verschiedenste Gedanken schwirrten ihm im Kopf. Darüber, dass er gerade als Gefangener eines Mittelalter-Dorfes abgeführt wurde, machte er sich erstaunlich wenig Gedanken. Vielmehr dachte er nochmal darüber nach, wie schnell sich soeben alles verändert hatte. Gerade eben hatte er noch mit Sivanica am Strand gestanden und die Atmosphäre genossen. Dann fand er sich mit dem Buch in der Grünwüste wieder und kam dann von jetzt auf nachher in ein Dorf, wo eine von allen technischen Errungenschaften unberührte Sippe dahin vegetierte, die vielleicht krass genug war, zur Not ihre Gefangenen zu verspeisen. – Und Gefangener schien man hier relativ schnell zu werden.
Trace nutzt die Gelegenheit, in der er durch das Dorf geführt wurde, um sich ein paar Dinge genauer anzuschauen. Das Dorf war ungleich größer, als er am Anfang geglaubt hatte, trotzdem aber überschaubar. Mickrige Verteidigungsanlagen umrandeten das Dorf. Unüberwindlich waren sie wohl kaum. Trace traute sich durchaus zu, diese zwei Meter an den Holz pfählen hoch klettern zu können und abzuhauen, sollte es denn irgendwann die Möglichkeit dazu geben. In allen Richtungen war das Dorf von Wald umgeben. Der Boden des Dorfes war seltsam. Er schien schon vor Urzeiten zu einer steinharten Masse zusammengetreten worden zu sein und war sorgfältig von Blättern, Moos oder ähnlichem befreit worden.
Man fühlte sich, als würde man auch einem Steinboden laufen, nicht auf dem einst fruchtbaren Grund eines Waldes.
Ein verstohlener Blick in die Runde der vier Söldner klärte ihn ziemlich schnell darüber auf, in welch einer erbarmungswürdigen Gegend er eigentlich war. Jeder einzelne von ihnen sah aus, wie ein Opfer von Magersucht. Essen war hier wohl Mangelware. Die Söldner sahen, gerade weil sie so dürr waren nicht sonderlich stark aus. Die kurzen Schwerter in ihren Händen und waren sie noch so stumpf, waren allerdings allein schon deshalb eine Gefahr, da sie so verrostet waren. Eine Wunde davon würde ziemlich sicher eine heftige Blutvergiftung nach sich ziehen.
fast schon selbstverständlich hatte Trace angenommen, von dem kleinen Söldnertrupp in eine Zelle gebracht zu werden und dort vorerst Gefangener des Dorfes zu sein. Womöglich war er das ja sogar, aber die Zelle schien noch etwas auf sich warten zu lassen.
Stattdessen wurde er zu einem ziemlich dicken Baum eskortiert, um den sich spiralförmig eine hölzerne Treppe nach oben zog. Ein gutes Stück weit war der Baum sowohl von ästen als auch von seiner Rinde befreit worden und war überall mit Schnitzereien überzogen, die tief in des weiße Holz gegraben waren. Weit oben konnte man eine gewaltige aus Brettern zusammengeschusterte ebene Plattform sehen, die ziemlich umständlich und fragwürdig um den dünner werdenden Stamm angelegt worden war. Wie Trace erst jetzt bemerkte, war dies nicht die einzige wohnlich gemachte Fläche, die sich in den Bäumen befand. Ein ganzes Netzwerk aus wackeligen Seilbrücken und Holzleisten war auf den Bäumen errichtet worden. Zumeist befanden sich die Bauten direkt in der Baumkrone. Darum waren sie auch nicht sofort aufgefallen.
Nach einem guten Stück Blätterwerk hatte man die Stämme einfach kahl geschoren und die Bauten dort errichtet. Weiter oben fingen dann wieder an, Blätter und äste die Bäume zu zieren und ein ziemlich dichtes Dach gegen Sonne und Regen zu bilden.
Wenn man sich auf den Bauten befand, bewegte man sich zwischen zwei dichten Blattwerken. Eine interessante Konstruktion.
Wieder musste Trace die Einschätzung, was die Größe des Dorfes anging nach oben korrigieren.
Ein ziemlich unsanfter Handgriff an seiner Schulter deutete ihm stehen zu bleiben, indem er relativ grob nach hinten gerissen wurde.
Trace konnte nicht umhin, einen verärgerten Laut auszustoßen. Der Söldner wollte ihn gerade schlagen, als eine männliche Stimme ihm Einhalt gebot.
„Halt!“, ertönte es von weiter oben, von der Plattform.
Trace hatte erwartet, jemanden die Wendeltreppe herunter laufen zu sehen, doch scheinbar wurde diese Treppe nur zum Hinauf kommen gebraucht. Vielleicht war sie auch nur für Gäste da.
Zwei Schemen sprangen die 15 Meter kurzerhand vom Baum, um zwei, drei Sekunden später elegant vor ihnen auf Knien und Händen zu landen. Besser gesagt auf Knien und Händen und Pfoten. Der eine Schemen entpuppte sich dann als Mensch, der ein kriegerisches Aussehen hatte, fast wie ein Indianerhäuptling geschmückt war und extreme ähnlichkeit mit Fahrall aufwies. Er war nur deutlich älter. Die Person, die jetzt vor ihm stand, musste einfach Fahralls Vater sein.
Daneben war ein Hund gelandet, der offensichtlich derselben Spezies angehörte, wie Ios der Flammenhund. Auch dieser unterschied sich vor allem im Alter von seinem Artgenossen. Allerdings konnte man Spuren von vielen Verletzungen an ihm finden. Ein Auge war vernarbt und Geschlossen. Womöglich hatte er es in einem Kampf verloren. Eine gewaltige Narbe prangte an seiner Seite und zog sich fast vom Hals bis zum Hinterbein. Sein Schwanz war beschädigt. Es schien ein Stück zu fehlen und womöglich hätte Trace noch mehr Verletzungen gefunden, hätte er danach gesucht.
Der Häuptling sprach zu ihm und beendete somit seine Examination. „Sieh mich an, Junge!“
Die Stimme klang auf irgend eine Weise freundlich, auch wenn dies ein Befehl war, dem er sich kaum zu widersetzen traute. Trace blickte den Häuptling an. Eine ganze Menge Fell und Schmuck bekleideten die Statur des Mannes, der keinesfalls so dürr war, wie seine Untertanen. (Trace hatte ihn einfach mal so in Gedanken zum Anführer des ganzen Dorfes gemacht und es schien auch alles dafür zu sprechen, dass er mit dieser Annahme richtig lag.) Sein Gesicht war schwarz und weiß geschminkt, was ihn erst recht wie einen Indianerhäuptling aussehen lies. Seine Augen musterten Trace mit einem forschenden Blick. Nach einer Weile sagte der Häuptling: „Ihr könnt gehen!“ Die vier Söldner machten auf dem Absatz kehrt und zogen sich zurück, ohne auch nur ein
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Kommentare
Dragoneye schrieb am 2008-03-06 21:09:02:
Hi.
Ich habe vorhin alle bisherien Kapitel verschlungen und ich muss sagen die Story ist sehr gut. Bis zum letzte Wort war ich gefangen und ich konnte nicht aufhöhren zu lesen. Weiter so.
Ich freue mich schon auf die nächsten Kapitel.
Gruß Dragoneye
Sin schrieb am 2007-10-21 10:25:56:
Nur schleppend entwickelt sich meine Geschichte. Ich weiß ja nicht, wie viele Leute diese Geschichte mit verfolgen, ich möchte trotzdem sagen, dass das Projekt noch in Arbeit ist und auch bald wieder ein neues Kapitel veröffentlicht wird.
^^ Schreibt fleißig Kommentare. Die ermuntern mich dazu, weiter zu schreiben und helfen mir unter Umständen ja auch die Geschichte noch besser werden zu lassen!^^
Allerdings scheint die Löschfunktion hier nicht perfekt zu funktionieren, so dass ich die Kapitel (auch wenn sie schon wieder überarbeitet wurden) nicht in ihrer neuen Form rein stellen kann.
Das ist ein wenig Schade. Wer die aktuellen Versionen lesen möchte, der sucht in Google mal nach meiner Seite.
(Ich darf ja hier wahrscheinlich keinen Link dazu angeben)
Gebt einfach den Namen der Geschichte (Enumin) in Google ein. Das 3. Ergebnis führt auf das Frameset der Seite, also auf den eigentlichen Look.
Die anderen Ergebnise werden ohne Frames angezeigt und sehen nicht ganz so gut aus.
Mit freundlichen Grüßen
David Holzderber [Sin]
Eliza schrieb am 2007-08-29 20:33:47:
Hi Sin ! ^^
Ich liebe diese Geschichte. Normalerweise sind Geschichten, in denen die Hauptperson ihre Welt oder Zeit durch Zufall verlässt und irgendwoandershin gebeemt wird, ziemlich abgedroschen. Aber du gleichst das durch deinen humorvollen Schreibstil echt super wieder aus. Außerdem kann man Trace einfach total gut nachvollziehen.
Genug des Lobs und der Begeisterung.
Ciao
Eliza
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