Enumin - 6. Kapitel - Im Land der Zeitlosigkeit
von
Sin
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das bestehende Problem nachdenken konnte. Er hatte Angst. Sehr große sogar, und er wollte nicht einmal anfangen, darüber nachzudenken, was passieren könnte, würde der Zeitstillstand andauern.
Aber seine Furcht wurde nicht geringer, wenn er hier rum stand und nichts tat. Es kostete Trace einiges an überwindung, der schaurigen Szenerie den Rücken zuzuwenden und zurück ins Dorf zu blicken. Es schien, als hätten sich die anderen Dorfbewohner letzten Endes dann doch aus ihren Verstecken getraut. Es standen vereinzelte Gruppen von Leuten auf dem Dorfplatz, die alle mehr oder minder gespannt in seine Richtung sahen.
Kein einer rührte sich. Der Anblick war nahezu noch schauriger, da es einfach so viele waren, die mit leeren Blicken versteinert da standen. Um ihn rum gab es nichts lebendes. Mit dem Stehenbleiben der Zeit hatte der Hauch des Todes Einzug gefunden.
Mit einem Male begann Trace Wahrnehmung seltsam irreal und bedeutungslos zu werden. Das was er sah hatte keinen Sinn mehr und drang irgendwie nicht mehr vor bis in sein Bewusstsein. Plötzlich waren siede Fragen wieder da, warum es ihn treffen musste. Warum musste er hier sein? Wo war hier? Wo war seine Mutter? Er wollte nichts anderes mehr. Nur noch weg von hier. Endlich wieder zurück in seine eigene Welt. Wo alles mit einem Male so berechenbar schien. So logisch, so vertraut.
Mit dem Handrücken wischte sich Trace eine Träne aus dem Auge. Er kam sich so unendlich hilflos vor.
„Selbstmitleid...“, sprach Trace leise zu sich selbst. „...kann mir jetzt wohl kaum weiter helfen.“ Entschlossen ging Trace zum Buch, welches noch immer vollkommen unbewegt an der Stelle in der Luft hing, wo er es zurückgelassen hatte. Auch der Seiteninhalt hatte sich natürlich nicht verändert. „Im Lande der Zeitlosigkeit...“ Trotzdem geschah etwas mit dem Buch. Es war nicht wirklich eine Bewegung, aber allein das ungleichmäßige glimmen, ein sachtes kaum wahrnehmbares schwanken in der Helligkeit des goldenen Lichts des Buches, war in diesem Augenblick der absoluten Starre etwas ganz besonderes. Langsam ließ Trace seine flache Hand auf das Buch zu wandern. Es geschah sonst gar nichts. Trace war nicht wirklich davon ausgegangen, sich eine dicke Brandblase zu holen, als er das Buch mit einer Fingerspitze berührte. Es war heiß wie eine Herdplatte, die seit Stunden auf Hochtouren lief. Mit einem erschrockenen Schrei sprang Trace einen guten Meter zurück. Warum um alles in der Welt war das Buch so unglaublich heiß geworden? Ein normales Buch wäre schon längst zu Asche zerfallen. Erstaunt betrachtete Trace die Blase an seinem Finger. Der Schmerz war zwar vorhanden, war aber erstmal Nebensache. „Das ist jetzt keine Gute Idee!“, sagte eine dunkle Stimme unmittelbar hinter Trace. Erschrocken drehte sich Trace um, um den alten Mann in Augenschein zu nehmen, dem die Stimme gehörte.
Das lichte weise Haar des alten Mannes fiel in vereinzelten strohigen Strähnen bis auf Brusthöhe. Das Gesicht hatte deutliche Anzeichen eines hohen Alters und trug einen langen weisen Vollbart, der um einiges dichter war, als das Haar auf dme Kopf des Greises. Markante vollkommen klare hellblaue Augen sahen, jedem Widerspruch zum Trotz vollkommen lebendig und wachsam auf Trace hinab. Der Mann überragte Trace um mindestens einen Kopf, obwohl Trace an sich ja schon nicht gerade zu den kleinen Menschen gezählt wurde. Ein grauer langer Mantel hüllte den Alten vollkommen ein. Auch ohne den langen verzierten, dunklen Holzstab, dessen oberes Ende in einem weit ausladenden Geäst endete, in dessen Zentrum sich eine kleine kristalline Kugel befand, hätte Trace den alten Mann sofort als Magier umschrieben.
Etwas passenderes fiel Trace momentan wirklich nicht ein. Eine ganze Weile standen sich die beiden gegenüber.
„Also bin ich nicht der einzige, der nicht von diesem Zeitstillstand betroffen ist.“, stellte Trace zufrieden fest. Er war erleichtert. Unendlich erleichtert, hätte man sagen können. Die Zeit mochte sie noch so kurz gewesen sein, in der er sich so unendlich allein gefühlt hatte, war eine schlimme Erfahrung gewesen. „Nein. Der einzige bist du nicht.“, antwortete der alte Mann. „Sag mir deinen Namen!“, forderte er. „Trace.“, antwortete Trace sofort. Täuschte er sich, oder war für einen winzigen Augenblick ein Lächeln über das Gesicht des Zauberers gehuscht? Mit ausgesprochen ernstem Gesichtsausdruck fuhr der Greis fort. „Du bist auch noch nicht lange hier, hab ich recht? Und-“, Trace fuhr dazwischen „Ich habe-“ „Unterbrich mich nicht!“, donnerte der alte Mann. Trace war so überrascht, dass er augenblicklich den Mund schloss und keinen Ton mehr wagte zu sagen.
Etwas verwirrt blickte Trace dem Alten ins Gesicht. Als wäre überhaupt nichts geschehen, sprach der Greis weiter. „Und ich denke, du hast überhaupt keine Ahnung, was du hier gerade tust. Lass mich deinem Gemüt etwas auf die Sprünge helfen.“ Nach einer kurzen Pause, in der Trace einfach nur irritiert und verwirrt versuchte, die Situation halbwegs mit klarem Kopf betrachten zu können, fuhr er fort: „Du hältst den Lauf der Dinge an. Das kann unglaubliche Konsequenzen mit sich bringen. Bist du dir dessen bewusst? Du willst den Herrschertitel nicht, hab ich recht?“
Irrte sich Trace, oder endete fast jeder Satz des Alten mit einer rhetorischen Frage? „Das ist auch der Grund, aus dem du dir keine Mühe gibst, deine Aufgabe zu erfüllen. Ist es nicht so?“ Trace wartete absichtlich noch eine Weile, ehe er antwortete. Er wollte nicht Gefahr laufen, den Alten wieder zu unterbrechen. „Ich habe einfach keine Ahnung von alldem hier. Niemand hat mir je etwas erklärt. Ich gehöre nicht hier her. Ich bin in einer Welt wie dieser verloren. Wie kann man von mir verlangen, ihr Herrscher zu sein?“
Lächelnd sah der Alte auf Trace hinab. „Ja. Da bedankst du dich am besten bei deinen Vorfahren. Der Wille des Buches ist sowieso manchmal etwas unverständlich. Selbst ich weiß nicht immer genau, was in seinem Sinne ist, musst du wissen.“ 'Was auch immer das bedeuten mochte', dachte sich Trace. Der Alte schritt an ihm vorbei und blickte auf das Buch. Man konnte sehen, wie aufmerksam er jedes Wort laß. Alles schien wichtig zu sein. Als er zu ende gelesen hatte, verdunkelte sich sein Gesicht vor Zorn. „Der unstillbare Durst nach Macht. Das Problem gab es schon einmal in der Geschichte unserer Welt. Es hat uns kaum Vorteile gebracht. Scheinbar haben einige noch immer nichts dazu gelernt. Auf diesem Wege erreicht man nichts. Plötzlich lächelnd blickte der alte Mann zu Trace. „Dir hat noch niemand erklärt, was du tun musst, sagst du?“ Trace blickte aufmerksam und fragend. „Ich zeige dir, was du tun musst. Und wie du siehst, haben wir alle Zeit der Welt. Wir befinden uns schließlich im Land der Zeitlosigkeit!“
Trace wusste nicht so recht, ob er jetzt lachen sollte oder nicht.
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Kommentare
miriam.schoenig91@googlemail.com schrieb am 2012-04-04 18:50:35:
hey Sin
man hat eine ganze weile nichts mehr lesen können...das finde ich echt schade da ich gerne weiter lesen würde meinst du es kommt bald ein weiteres kapitel? ^^
lg miri
Dragoneye schrieb am 2008-03-06 21:09:02:
Hi.
Ich habe vorhin alle bisherien Kapitel verschlungen und ich muss sagen die Story ist sehr gut. Bis zum letzte Wort war ich gefangen und ich konnte nicht aufhöhren zu lesen. Weiter so.
Ich freue mich schon auf die nächsten Kapitel.
Gruß Dragoneye
Sin schrieb am 2007-10-21 10:25:56:
Nur schleppend entwickelt sich meine Geschichte. Ich weiß ja nicht, wie viele Leute diese Geschichte mit verfolgen, ich möchte trotzdem sagen, dass das Projekt noch in Arbeit ist und auch bald wieder ein neues Kapitel veröffentlicht wird.
^^ Schreibt fleißig Kommentare. Die ermuntern mich dazu, weiter zu schreiben und helfen mir unter Umständen ja auch die Geschichte noch besser werden zu lassen!^^
Allerdings scheint die Löschfunktion hier nicht perfekt zu funktionieren, so dass ich die Kapitel (auch wenn sie schon wieder überarbeitet wurden) nicht in ihrer neuen Form rein stellen kann.
Das ist ein wenig Schade. Wer die aktuellen Versionen lesen möchte, der sucht in Google mal nach meiner Seite.
(Ich darf ja hier wahrscheinlich keinen Link dazu angeben)
Gebt einfach den Namen der Geschichte (Enumin) in Google ein. Das 3. Ergebnis führt auf das Frameset der Seite, also auf den eigentlichen Look.
Die anderen Ergebnise werden ohne Frames angezeigt und sehen nicht ganz so gut aus.
Mit freundlichen Grüßen
David Holzderber [Sin]
Eliza schrieb am 2007-08-29 20:33:47:
Hi Sin ! ^^
Ich liebe diese Geschichte. Normalerweise sind Geschichten, in denen die Hauptperson ihre Welt oder Zeit durch Zufall verlässt und irgendwoandershin gebeemt wird, ziemlich abgedroschen. Aber du gleichst das durch deinen humorvollen Schreibstil echt super wieder aus. Außerdem kann man Trace einfach total gut nachvollziehen.
Genug des Lobs und der Begeisterung.
Ciao
Eliza
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