Erichs Tag
von
Franz Panzer
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1991. Erich stieg die Treppen hoch. Er sah durchs Treppenhaus. Es war Abend. Er musste das Fenster schließen. Nahm die Kordel des Glasbausteins in die Hand und zog kräftig. Wumm, das Fenster war zu. Es sollte ja regnen. Erich schloss seine hölzerne Wohnungstür auf. Endlich zuhause. Er zog seinen dunkelblauen Mantel aus, dann schaltete er gleich die Heizung ein. Ach, war das kalt draußen. Unschön. Er legte den Schlüssel für seinen BMW 318i auf das Pult. Der 318er war weiß und sieben Jahre alt. Erich hatte ihn gebraucht erworben. Jetzt war er siebenundvierzig. Allein, geschieden, hier im Haus. Teilnahmslos schlurfte Erich in die Küche. Er zog sich seine Schürze an und öffnete die Schublade. Die Einrichtung der Küche war altmodisch. Alles war grau. Dann holte Erich langsam den Topf. Es geschah so routiniert wie immer. Seit zwanzig Jahren wohnte Erich in diesem Haus. Immer war alles gleich. Drüben die Frau Baumann kam gerade von der Arbeit. Anni, so hieß sie, wohnte im Hinterhaus. Ihre Tochter lebte auch da. Frau Baumann schämte sich für die Tochter. Hatte die doch so einen Idioten geheiratet. Der brüllt im Treppenhaus herum. Kommt immer betrunken nach Hause. Aber was will man auch erwarten von einem Baggerfahrer, sagte Erich zu sich. Er schaltete sein altes Radio ein. Es lief der Südwestfunk. Ein neues Lied von Roger Whittaker. Sehr beruhigend. Dann begann er zu kochen. Was soll’s den heute geben. Er tippte sich an den Kopf. Dann kam ihm der Gedanke, eine Suppe zuzubereiten. Hatte er doch noch massenweise Dosensuppen hier. Da kam mal ein Vertreter. Er goss das Pulver und heißes Wasser in den Topf. Erich spürte es schon, dass der Geruch des Pulvers in die Luft stieg. Dann sah er den Zeitungsausträger. Er brachte abends immer Werbeblätter. Morgens in aller Frühe Zeitungen. Erich ging schnell nach unten. Der Hausmeister, ein Pole, wienerte die Marmortreppe. Hallo, Pawel, sagte Erich. Sie kannten sich. Pawel war seit sieben Jahren hier. Er beherrschte nicht viel Deutsch. Hey Erich, entgegnete Pawel. Erich holte die Zeitung und ging wieder nach oben. Kleinanzeiger der Stadt. Den las er manchmal ganz gerne. Nach einer Viertelstunde war die Suppe fertig. Erich holte einen der alten Teller. Griff zum Schöpflöffel und goss die gute Hühnersuppe in den Teller. Noch einen Schuss Maggi, noch ein paar Backerbsen. Hätte auch Klößchen reintun können, sagte Erich zu sich. Nun setzte er sich an den Tisch und löffelte seine Suppe. Das Radio spielte im Hintergrund. Nicht sehr aufregend. Der Geruch der Suppe lag in der Luft. Erich roch das für sein Leben gern. 14.07.2007, 16.56 Uhr.
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