Erinnerung an Manky I.
von
Tina
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Vorwort:
Eine nur teilweise erfundene Hausaufgabengeschichte aus dem VHS-Kurs. Wir sollten eine
alltägliche Handlung wie >Hände waschen< oder >Kartoffeln schälen<
mit einer Rückblende schriftlich verbinden. Die Erzählungen über meinen Lieblings-
wellensittich sind authentisch, das Abendessen und mein eingeladener Gast
dagegen erfunden.
Ich habe Christopher, einen guten Bekannten von mir, zum Essen eingeladen. Ich will 'Geschnetzeltes Züricher Art' mit Putenfleisch machen. Leider mag Christopher keinen Reis und somit muss ich als Alternative auf Kartoffeln zurückgreifen. Die habe ich noch schnell im Supermarkt besorgt. Ich nehme einen Topf mit Wasser und stelle ihn auf den Tisch. Dann packe ich die Kartoffeln aus und beginne, sie zu schälen.
Als ich die erste kleingeschnittene Kartoffel in den Wassertopf gleiten lasse, kommen mir Erinnerungen an meinen Wellensittich Manky in den Sinn. An einem Tag, an dem ich auch Kartoffeln geschält hatte, trippelte der kleine Racker um die angehäuften Kartoffelschalen herum, zog sich eine dicke Schale heraus und knabberte daran. Da die Schalen nicht sauber waren, nahm ich ihm das gemopste Stück wieder weg, was Manky mit lautem zetern kommentierte.
Dann setzte er sich an den Rand des Kartoffeltopfes und trank von dem Wasser. Als er versuchte, ein Kartoffelstück aus dem Topf zu fischen, bat ich meinen damaligen Freund Stephan, der bei mir wohnte, "den Kurzen", wie wir ihn manchmal nannten, mit ins Wohnzimmer zu nehmen und sich dort mit ihm zu beschäftigen. Manky I. war der Einzige von meinen bis jetzt fünf Wellis, der sprechen gelernt hatte und gerne mit Worten experimentierte.
Manchmal hatte er auch Probleme Wörter, die Zischlaute wie "tz" und "x" enthielten, korrekt nachzusprechen. Zum Beispiel hatte ich ihm die Worte "Mein kleiner, süßer Schatz" beigebracht. Daraus machte er "mein kleiner, mein süßer, mein Scht", oder auch "mein süßer Scht, mein süßer, mein süßer Scht." Sätze, die bei Stephan und mir oft Lachtränen hervorriefen.
Ein anderes Mal war es das Wort Frechdachs. Es passte gut zu seinem Wesen, da er öfter herumliegende Zeitschriften oder ähnliches anknabberte oder kleine Gegenstände wie Feuerzeuge und Bleistifte vom Tisch herunterwarf. Zunächst ignorierte Manky diese Tadel, aber nachdem er es oft genug gehört hatte, sagte er dann "Du Frechda." Später bildete er einen Satz, der "mein süßer Tina Frechdak" hieß.
Igitt, ich habe eine Kartoffel aufgeschnitten, die innen vergammelt ist. Ich werfe sie schnell in den Mülleimer und wasche das Messer ab. Dann schäle ich weiter, drei Kartoffeln habe ich noch.
Mein süßer Manky. Ein kleines, gekochtes Kartoffelstück hatte ihn damals handzahm gemacht. Ich saß am Abend allein mit ihm im Wohnzimmer, denn Stephan musste noch arbeiten. Zum Abendessen hatte ich Fisch mit Salzkartoffeln gemacht und war dabei, meine Portion zu essen.
Manky saß im geschlossenen Käfig und guckte neugierig durch die Gitterstäbe, was ich da leckeres auf dem Teller hatte. Da ich im Wellensittich-Buch gelesen hatte, dass man einem Wellensittich auch trockene, gekochte Kartoffeln geben darf, nahm ich ein Stückchen und legte es auf meine rechte, zur Faust geballten Hand, damit Manky einen sicheren Halt hatte, falls er sich auf meine Hand setzen würde. Dass eine menschliche Hand ihm noch nicht behagte, wusste ich, weil ich denselben Test am Morgen mit einem Stück Brötchen ausprobiert hatte.
Dabei hatte ich meine Hand mit dem Brötchenbrocken in den Käfig hineingehalten und Manky zog es vor, einen langen Hals zu machen, anstatt sich auf die Hand zu setzen, was für ihn leichter gewesen wäre. Diesmal würde ich es ihm nicht ganz so einfach machen und dabei hoffte ich darauf, dass seine Neugierde das Eis brechen würde. Ich hielt meine Hand mit dem Kartoffelstück vor die geöffnete Käfigtür. Dabei hielt ich genug Abstand ein so, dass Manky nichts anderes übrig blieb, als aufzuspringen.
Manky hopste zunächst schwankend zwischen Neugierde und Angst auf seinen Sitzstangen hin und her, machte dann aber doch einen "Sprung ins kalte Wasser", setze sich auf meine Hand und knabberte an dem Kartoffelstück. Das war der Beginn einer vertrauensvollen Freundschaft. Während ich daran zurückdenke, merke ich, dass ich Manky immer noch vermisse, auch wenn das schon viele Jahre her ist.
Mit etwas Wehmut im Herzen nehme ich den Topf mit den fertig geschälten und kleingeschnittenen Kartoffeln und stelle diesen auf die vorher angezündete Herdflamme. Im Wohnzimmer höre ich meine Wellensittiche Manky II. und Thommy zwitschern. Leider ist Manky II. das völlige Gegenteil seines Namensvetters, aber trotzdem ein Unikum. Er zeigt mir, dass er meine Worte verstehen kann, auch wenn er keine Interesse daran hat, sie nachzusprechen.
Eine halbe Stunde später ist das Essen fertig und mein Gast trifft pünktlich ein. Ich serviere das Essen im Wohnzimmer, während meine "Zwerge", wie ich meine Hausgenossen nenne, auf der Gardinenstange sitzen und uns zusehen.
E N D E
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