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Kategorien > Fast wahr > Probleme einer Jugendlichen

Erlöst

von mord-autorin

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Deprimiert saß sie am Tresen. Eine kleine Kneipe in ihrem Heimatdorf. Über dem Tresen lichter, im Hintergrund spielte eine einsame Jukebox ihre traurigen Lieder, für die sie eben bezahlt hatte. Vor ihr standen ein Roter und ein Bier – Männergetränke... Ach was... Männergetränke.. so´n quatsch... dachte sie und schüttete den Roten in einem Schluck hinunter. Sie steckte sich eine Zigarette an und sog den Rauch tief ein. Beim Ausatmen seufzte sie merklich und sah betreten zu Boden. Ein Tag wie jeder andere. Nur mit einem kleinen Unterschied...

Sie starrte auf ihr Handy. Nichts, kein Anruf, keine sms... Nichts eben... Niemand vermisste sie. Dabei war sie doch ohne ein Wort verschwunden und hatte sogar einen gepackten Koffer neben sich. Rabeneltern... kann froh sein da weg zu sein... Ihr Hass war groß. Größer als man es einer 15jährigern ihren Eltern gegenüber jemals zutrauen würde.
Warum? Das sagte sie keinem. Sie schrieb einigen Unbekannten in den Zahllosen Stunden, die sie in Chats verbrachte ansatzweise, was in ihr vorging. Sonst traute sie kaum einer Menschenseele. Was hatte sich nur ereignet in ihrem Leben? War alles so schief gelaufen? Sie seufzte tief und starrte ihre Getränke an. Wie tief war sie abgerutscht?
Einzelne Tränen kullerten über ihre Wangen und nach kurzer Zeit waren es viele. Sie dachte nach und jeder Gedanke war Salz in der großen Wunde ihres Herzens. So viel lief schief, sie traute sich kaum noch sich an etwas zu erfreuen, denn sie wusste das war ein Verhängnis. Minuten danach, Tage danach, Jahre danach kam ihr Schicksal und schnappte ihr all das Glück weg. Nichts blieb ihr. Nur die Zigarette in der Hand und der steigende Alkoholpegel am Freitagabend blieben ihr. Sie flüchtete sich darein und vergrub sich innerlich. Ein Glaskasten, den niemand durchbrechen konnte, ohne ihn zu zerstören und ihr damit Schmerzen zuzufügen. Der Glaskasten war ein Schutz. Ein Schutz vor Schmerzen. Niemand durfte ihn durchbrechen, sie war auf sich gestellt und Hilfe wollte sie nicht annehmen. Hilfe war für sie eine einseitige Sache, sie half gern Menschen. Aber sich helfen lassen... Eher würde sie sich ertränken, als jemanden um Hilfe zu bitten.
Trotz ihres Schicksals, das ihr alles verbaute, war sie unheimlich stolz. Sie hatte es bis hierhin allein geschafft und würde es weiter tun.
Immer wieder kamen Zweifel auf... Kann ich das wirklich? Fragte sie sich wiedermal innerlich selbst. Bin ich stark genug?? – Muss ich sein! Sonst bleibt mir niemand. Ich habe nichts... nur mich und meine Intelligenz, meine Durchsetzungskraft und meinen Stolz. Du schaffst das, Nathalie! Du hast es immer allein geschafft. Nun erinner dich doch mal an die Zeit, die du allein gemeistert hast, die ganzen Hürden, die ganzen Gegenspieler. Ja... Ich schaffe das. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht und verblasste gleich wieder. Frohes Aussehen war bei ihr ungewöhnlich und lächeln konnte sie nur sehr selten und wenn es mal so weit war, verschwand es fast augenblicklich.

Sie verschränkte die Arme auf dem Tresen und legte ihren Kopf darauf ab. Die Augen geschlossen geriet sie in einen Tagtraum...
Ein kleines Mädchen mit blonden Haaren stand an der Treppe in der 1. Etage eines Hauses. Die Wände waren mit roten Steinen gemauert worden, die Decke war aus Holz. Das kleine Mädchen war höchstens 5 Jahre alt. Sie konnte zwar noch nicht so richtig Uhrlesen, doch sie wusste, dass sie seit Stunden hätte schlafen sollen. Morgen sollte sie zum ersten Mal in den Kindergarten. Am Abend noch hatte sie sich wahnsinnig gefreut. Sie war begierig. Begierig nach Wissen und neuen Erfahrungen. Trotz ihrer jungen Jahre war sie bereits sehr aufgeweckt und wusste genau, was sie wollte.
Und nun wollte sie, dass die Stimmen ihrer Eltern endlich aufhörten zu streiten.
Seit sie vermeintlich geschlafen hatte, schrieen die helle aber laute Stimme ihrer Mutter und die tiefe und kratzige Stimme ihres Vaters sich unentwegt an.
Sie verstand nicht, worum es ging, sie verstand nur, dass sie daran schuld war. Am Nachmittag noch hatten die beiden sie und ihren Bruder zusammen zu einem Gespräch gebeten. Alles hatte sehr ernst gewirkt und sie hatte sich unwohl gefühlt. Die beiden hatten über Adoption geredet und ihr erklärt, was das bedeutet. Sie hatte es nur ansatzweise verstanden und konnte keine Verbindung dazu aufbauen. Verwirrt hatte sie sich einfach gefügt. Danach dachte sie, dass sie es wieder vergessen konnte, denn sie hatte nichts verstanden.
Und nun, Stunden später, schwirrten die Wörter noch einmal durch ihren Kopf. Während sie stumm an der Treppe stand und die lauten Stimmen die Ruhe störten, dachte sie nach, was diese Adoption denn war. Es hatte was mit ihr und ihrem Bruder zu tun.
Bei ihren Überlegungen wurde sie jäh gestört. Ein Krachen. Was war da los? So etwas hatte sie noch nie mitbekommen. Tränen stiegen in ihr auf und sie ging ängstlich hinunter.

Plötzlich wurde sie angestoßen. Sie sah hoch und bemerkte die Wirtin.
„Kleines, wir machen nun zu und so langsam solltest du auch nach Hause.“ – „Zuhause... So etwas hab ich nicht mehr.“ Traurig schaute sie ihre Schuhe an, um der Wirtin nicht ins Gesicht schauen zu müssen. „Aber ich werde nun gehen... Schönen Feierabend!“ Die Wirtin beäugte sie skeptisch, sagte aber nur noch ein kurzes „Tschüß!“ Und fing an den Tresen abzuwischen.
Nathalie ging hinaus noch ein wenig gefangen von ihrem Traum. Das Mädchen war ihr nicht unbekannt, ganz im Gegenteil. Niemand kannte dieses Mädchen besser als sie, denn das war die 5 jährige Nathalie gewesen, die in diesem Traum an der Treppe stand.
Erinnerungen stiegen auf und ihr wurde klar, das war kein Traum gewesen sondern eine Erinnerung. Das war wirklich passiert.
Doch wie war es weiter gegangen? Sie versuchte sich zu erinnern. Vertieft in ihre Gedanken lief sie durch die Nacht. Sie achtete nicht darauf wo sie hinlief, geschweige denn darauf was in ihrem Umfeld passierte.
Ohne es zu bemerken, war sie an einem Friedhof und verschiedenen Straßen vorbei und durch einige Siedlungen gelaufen. Schließlich war sie nun in einem Wald angekommen und bemerkte am Rande eine einsame Bank. Sie setzte sich, stellte den Koffer auf den vom Vormittagsregen aufgeweichten Waldboden und zog die Beine an, um die sie dann ihre Arme schloss, sodass sie sich selbst festhielt.
Sonst tut das ja niemand... gestand sie sich selbst demütig ein. Es schien, als könnte sie ihre Gedanken einfach nicht von dieser Erinnerung loseisen.
Dort im stillen, dunklen und einsamen Wald versuchte sie sich erneut zu erinnern.

Weinend stieg sie die endlos scheinende Treppe hinunter, während er Streit immer lauter erschien. Unten angekommen hielt sie sich zuerst die Ohren schützend zu und verschloss die Augen. Das war unmöglich. Ihr kam es wie ein Alptraum vor. Für sie war dieses laute Gestreite unerträglich. Warum taten ihre Eltern das? Sie liebten sie doch, oder nicht? Die Kleine zweifelte und wollte sich vergewissern, worum es ging.
Also lief sie mit

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Kommentare

Janna L schrieb am 2007-06-03 21:30:27:
Die Geschichte nimmt dich gefangen und lässt dich nicht mehr los. Wirklich richtig gut geschrieben!
Mimi schrieb am 2007-04-17 19:23:26:
Unglaublich, echt Wahnsinn! Schreib bitte bitte noch ganz viele Geschichten
Lg Mimi
mordautorin schrieb am 2007-04-07 01:28:49:
ich bin dabei eine weitere solche geschichte zu schreiben... nur geduld ^^

find ich schön, wenn es euch gefällt =)
Chris schrieb am 2007-04-02 03:02:43:
oh man, was soll ich dazu sagen..... mir fehlen die worte
Michèle schrieb am 2007-03-16 16:56:54:
oh gott...wie traurig...! wir müssen eine geschichte in der schule verfilmen.und auf der suche danach bin ich auf diese geschichte gestoßen! hast du noch mehr von der sorte???kompliment.........
Wellness schrieb am 2007-01-30 12:58:22:
..Voll schön!!!! =( Du hast echt talent!!! Schreib doch noch mehr solche Geschichten...
Miriam schrieb am 2007-01-18 16:02:03:
boah andrea... du schreibst aber traurige geschichten... aber du hast voll talent xD musst mal son richtiges buch schreiben...
Berthold (Friese) schrieb am 2007-01-14 21:19:15:
Oh, wie schaurich. Ne ganz tolle Geschichte. Hoffe nur das sie nicht wahr ist! Von dieser Art von Geschichten möchte ich mehr lesen. Großes Lob an die Autorin.

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