Errinerungen an dich
von
Makko
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mein erstes und vielleicht auch einziges großes Abenteuer. Ich mach die Kühlschranktür auf. Wasser, Cola, Fanta und eins von diesen Biomix Getränken von meiner Schwester. Und was ist das da hinter dem Ketchup? Ein Bier. Ja genau das richtige jetzt. Das beruhigt und macht lockerer. Offiziell darf ich zwar noch keinen Alkohol trinken aber meiner Eltern lassen mich immer mal wieder am Wein nippen oder auch mal auf Feiern ein oder zwei Bierchen trinken. Und da sie im Moment nicht da sind haben sie auch bestimmt nichts dagegen. Ich nehme mir die Flasche Bier und eine Dose Cola mit nach oben in mein Zimmer. Es ist so merkwürdig still im Haus. Also steh ich nochmal auf und geh zu meiner Anlage und meinen CDs. Da steht die Scheibe von dir, die du mir zum Geburtstag geschenkt hast. Darauf ist unser Lied. „Kling Klang“ von Keimzeit. Kling Klang du und ich die Straßen entlang. Wie lang können wir beide noch die Straßen entlang laufen? Die Promenade runter im Wiener Walzerschritt. Ich hoffe noch möglichst lang.
Das erste Mal zusammen getanzt haben wir auf einer Feier meiner Eltern anlässlich ihrer Silberhochzeit. Zuerst ganz wild und am Schluss haben wir es tatsächlich geschafft eine Walzer hin zulegen. Für unser Alter damals gar nicht mal schlecht. Was würde ich jetzt dafür geben dich weder in den Armen halten zu können. Mich noch einmal mit dir im ¾ Takt zur Musik bewegen. Aber du bist nicht hier. Du bist mit anderen weg gegangen. Ein bisschen feiern wolltest du. Du hast nicht mal gefragt ob ich mit kommen will. Vielleicht wäre es ja auch ganz gut ungebunden in die USA zu reisen. Ein Jahr allein auf der anderen Seite vom großen Teich. Da gibt es bestimmt auch nette Mädchen. Übermorgen geht’s los. Ich muss gleich nochmal über meinen Koffer gucken ob ich wirklich alles dabei hab. Das ist nicht wie sonst wenn ich bei Freunden übernachte wo man nochmal schnell nach Hause kann um etwas zu holen. Oben auf dem Koffer liegt mein Ausweis, direkt neben meiner Versicherungskarte und den Tickets. Einmal muss ich umsteigen um den langen Flug nach Amerika zu kriegen.
Mittlerweile ist es draußen stock finster geworden. Ich guck noch einmal meine Schubladen durch. Ich kann nichts offen liegen lassen solange ich weg bin. Ich kann mich noch gut dran erinnern was das letzte Mal passiert ist als die Sachen nicht versteckt hab die keiner zu Gesicht bekommen soll.
Damals haben meine Eltern mein Zimmer durchsucht während ich weg war und einige Briefe gefunden die du mir geschrieben hattest. Wir haben uns damals aus gemalt wie es wäre wenn wir ein Kind hätte. Wir haben ihm einen Namen gegeben. Haben geplant was wir mit ihm machen würden. Alles nur in unserer Phantasie. Doch meine Eltern hatten das Missverstanden. Sie dachten wirklich wir wären Eltern geworden und hätten das vor ihnen verheimlicht. Sie hatten schon deine Eltern angerufen und ihnen erzählt sie wären Großeltern. Die hatten das zum Glück nicht ernst genommen da ihnen an die nichts aufgefallen war und hatten sie für verrückt erklärt. Als sie mir das erzählten während sie im Wohnzimmer auf der Couch saßen bin ich aus gerastet. Ich hab sie angeschrien was sie denn in meinem Zimmer machen würden und warum sie sich durch meine Sachen wühlen. Ich bin zur Tür gerannt hab sie aufgerissen und bin los gelaufen. Raus aus dem Haus die Straße entlang. Immer weiter gerade aus bis ich vor deiner Haustür stand. Ich hab geklingelt und zum Glück hast du aufgemacht. Ich bin dir um den Hals gefallen und hab angefangen zu weinen. Deine Eltern standen direkt hinter dir. Du hast meinen Kopf in deine Hände genommen, du hast mich geküsst und mir gesagt es wird alles wieder gut. Langsam hast du mich mit Hilfe deines Vaters ins Wohnzimmer bugsiert und mich auf einen Sessel gesetzt. Du hast mich festgehalten und die ganze Zeit gedrückt bis ich mich wieder beruhigt hatte. Ich hab die Atmosphäre bei dir zu Hause immer mehr gemocht als bei mir. Hier konnte man viel offener sein. Liebe auch zeigen. Wenn wir uns vor meinen Eltern geküsst hätten, hätten die sofort versucht uns auseinander zu bekommen. Bei deinen Eltern war das kein Problem. An diesem Abend hörten sie auch genau zu als ich erzählte was passiert war. Wie konnten meine Eltern nur meine Sachen durchwühlen. Dein Vater versprach bei mir zu Hause anzurufen und mit meinen Eltern zureden. Er stand auf und ging zum Telefon. Deine Mutter kam mit einer Kanne Tee und vier Bechern wieder. So saßen wir da. Eng beieinander im Wohnzimmer. Schließlich kam auch dein Vater wieder und erzählte uns was er mit meinen Eltern besprochen hatte. Er hatte um die Erlaubnis gebeten, dass ich über Nacht hier bleiben dürfe und hatte außerdem für das nächste Wochenende ein Abendessen arrangiert bei dem wir sechs mal über alles reden sollten. Ich war erleichtert, dass ich nicht wieder zurück nach Hause musste und war froh das dein Vater sich so für uns einsetzte.
Es war spät und deine Mutter fing an die Lichter zu löschen. Du nahmst mich bei der Hand und zogst mich hinter dir her in dein Zimmer. Du legtest unserer Lied auf und wir ließen uns aufs Bett fallen. Du kuscheltest dich eng an mich. Eine halbe Ewigkeit lagen wir da und ich wünschte sie wäre länger gewesen. „Wir müssen aufpassen was wir machen. Hier nicht so aber bei dir zu Hause um so mehr.“, flüsterst du mir in mein Ohr. Ich konnte nur nicken. Wir blieben so liegen Arm in Arm und schliefen schließlich ein.
Noch nie hab ich mich so wohl bei jemandem gefühlt. Bei meinen Eltern nicht, bei meiner Oma nicht. Nur bei dir gab es diese Geborgenheit. Diese Sicherheit und unerschütterlichen Rückhalt. Was auch immer kam mit dir hätte ich alles überstanden. Ob ich wohl jemals wieder jemanden finde der so ist wie du? Das unsere Beziehung am Ende ist steht außer Frage. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis du jemand andern hast. Dann steh ich wieder da. Ganz allein und muss mir meinen Weg alleine bahnen. Durch das Dickicht des Jungels ohne eine Machete die du mir gegeben hast.
Während ich in den USA bin werde ich Tagebuch führen. Vielleicht kann man ja aus seinen Aufzeichnungen später etwas lernen. Ich hab heute gemerkt wie sehr du mir jetzt schon fehlst und wie sehr ich dich noch vermissen werden. Ob es auch so was wie Liebe geben kann ohne alles drum und drann. Frau und Mann zusammen nur zum Spass?
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Kommentare
JannaL schrieb am 2008-02-26 00:55:07:
Ich finde deine Geschichte sehr schön. Sie ist flüssig geschrieben und gut zu lesen. Man kann sich in deinen Protagonisten hinein versetzten und du hast seine Gefühle treffend und berührend widergegeben, ohne in Klitschees abzurutschen.
Lg Janna
bayer047@hotmail.com schrieb am 2007-12-31 01:59:29:
Vielen Dank für den Komentar. Ich hab lange drauf gewartet und gehofft das ich etwas feedback bekomme. Die Geschichte bruht übrigend nicht auf wahren Gegebenheiten sondern ist frei erfunden. Und ein Happy End hätte, so fand ich, nicht gepasst da ja die ganze Geschichte relativ traurig ist.
c.roemelt@gmail.com schrieb am 2007-12-17 02:34:40:
Hey, eine wirklich schöne Geschichte, hat mich sehr berührt...
Schade, dass das Ende so traurig ist, wie so oft bei wahren Geschichten. Du solltest aber auf jeden Fall beim Schreiben bleiben!
Und wenn die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht: viel Glück für die Zukunft! :)
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