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Kategorien > Nachdenkliches > Traurig

Es bleibt nur die Erinnerung

von Wayne

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Es bleibt nur die Erinnerung

Nun sitzt er da, zwischen den gut gekleideten Leuten, die er noch nicht mal alle kennt, und starrt nach vorne. Am Vortag hat er extra den letzten Zug genommen, um noch rechtzeitig anzukommen. Es war so plötzlich geschehen. Und nun sitzt er da und schaut auf die Blumen. Der Pastor sagt, es seinen Blumen des Herbstes. Aber daran glaubt er nicht. Blumen stehen für den Frühling, für den Sommer, für etwas Schönes. Damals, denkt er sich, haben sie im Sommer immer von der Wiese bunte Blumen gepflückt, und nach Hause mitgenommen. Doch heute sollen sie nur das Leid erträglich machen. Nur den Schmerz lindern. Die Orgel im Hintergrund hört nun auf zu spielen. Die große Pforte öffnet sich und ein Windzug stößt in den Saal. Sechs Männer mit Hütten treten herein und stellen sich neben den schweren Kasten. Sie heben an und verlassen das Gebäude. Jetzt steht auch die Gemeinde auf und folgt den Männern. Es ist kalt draußen, denkt er. Die großen Eichenbäume, die rechts und links vom Weg stehen, schaukeln im Wind. Und dennoch ist es ruhig. Die Menschen halten Stille, als die Gemeinde an ihnen vorbeigeht. Es sind wohl die längsten Minuten seines Lebens. Ein Blatt schwebt auf den schweren Eichenholzkasten herab und liegt dort eine Weile, bis es vom Wind mitgetrieben wird und davon fliegt. Die Bäume werden vom Wind hin und her geschlagen. Damals, denkt er sich, waren sie immer draußen spielen. Auf der Wiese, gleich gegenüber. Damals, als sie aus der Schule kamen, und keine Sorgen hatten. Noch nicht einmal einen Gedanken haben sie daran verloren. Und jetzt ist es so plötzlich geschehen. Und da merkt er, wie seine Augen feucht werden und er bereits Schmerzen hat das Weinen zu unterdrücken. Damals, als der Sommer vorüber ging, roch es immer nach Esskastanien bei ihnen Zuhause. Und nun soll es verkauft werden, das Haus. Einfach verkauft. Alleine kann er es nicht halten.

Jetzt sind sie da. Ein großes, dunkles Loch ist bereits ausgehoben und die sechs Männer lassen den Eichenholzkasten langsam hinab. Die Leute schauen ein letztens mal hinab und lassen eine Blume hinunterfallen. Damals, als Sommerferien waren, hat er immer die Blumen von der Wiese gepflückt. Damals, in seinen Kindertagen. Die Leute bekunden ihr Beileid und die Gemeine löst sich auf. Nur er bleibt zurück. Alleine.

Er wacht im Zug zur auf. Draußen tobt ein heftiger Wind, der selbst die letzten Blätter von den Bäumen löst.

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Kommentare

Tricia schrieb am 2010-01-19 19:47:55:
Ich finde diese Geschichte hat sehr viel Gefühlt .
Das ist alles was ich sagen kann . Sehr Schön geschrieben ! :)
♥
Arno Wiesenberger schrieb am 2010-01-18 22:32:41:
Sehr trauriger Inhalt aber doch unser aller Zukunft. Ich finde deine Geschichte sehr gefühlsvoll geschrieben.
Gruß Arno

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