Es ist nicht nur dein Leben
von
Yve
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deinem ist das Fenster kaputt.“
„Damit hab ich kein Problem.“
„Aber ich.“
Wütend folgte ich ihm. In den ganzen Monaten, in denen ich jetzt schon hier war, war ich noch nie in Daniels Zimmer gewesen. Als wir drinnen standen, schloss er leise, fast sanft seine Tür. Ich ließ währenddessen meinen Blick über den Raum schweifen. Dort stand ein Doppelbett aus schwerem Eichenholz, die Schränke sahen ebenfalls aus, als kämen sie aus einem anderen Jahrhundert. Der Raum war ziemlich groß für eine Person und besaß anscheinend kein Fenster. Ich ließ mich auf das Bett sinken.
„Leg dich hin und schlaf, ich werde dich schon nicht abhalten.“
Ich schüttelte den Kopf.
„Jetzt kann ich nicht mehr schlafen, nachdem nächtlichen Doppelüberfall.“
„Was willst du sonst machen, Viola?“
Ich lächelte.
„Ich würde mich gern mit dir unterhalten.“
Jetzt sah er leicht gequält aus, aber irgendwann mussten wir über diese Sache sprechen.
„Was soll aus uns werden, Daniel? Was ist mit Eric?“
Er sah mich nicht an.
„Nichts wird aus uns, du gehörst zu Eric.“
Er sagte es so kühl, dass es schon fast wehtat. Ich senkte meinen Kopf für einige Sekunden, schöpfte aber neue Kraft, ich wusste wie er empfand.
„Daniel, du weißt genauso gut wie ich, das ich Eric nicht liebe, du weißt, wen ich liebe.“
Das Letzte war mehr geflüstert, als ausgesprochen.
„Viola, bitte, sei vernünftig.“
Er wollte es anscheinend nicht anders.
„Daniel, hör auf mit diesem Mist, ich kann das alles nicht mehr hören, hörst du? Eigentlich könnte mir eure ganze Geschichte hier eigentlich egal sein und das ist sie eigentlich auch. Da ihr mich entführt habt und nicht gehen lasst, könnte ich mir einfach das Leben nehmen. Das wäre das Einzigste, was ihr mir nicht verbieten könntet. Mein Leben, das ist ganz allein meine Sache.“
Daniel schwieg.
„Daniel, der einzige Grund warum ich nur lediglich versuche zu fliehen und mich nicht umzubringen, ist die Liebe zu dir.“
Ich stand auf und ging auf ihn zu. Er bewegte sich nicht, keine einzige Gefühlsregung, er schien seiner Natur, wieder einmal Gerecht zu werden. Ich hob eine Hand und legte sie an seine Wange. Er ergriff mein Handgelenk.
„Dein Leben gehört nicht ganz allein dir, Viola. Denk an die Menschen, an den Rest der Menschheit. Bist du so töricht, das du glaubst an ihnen würde dieser Krieg spurlos vorüber ziehen? Es dauert nicht mehr lange, da werden die Menschen nur noch nebensächlich sein, der Krieg, jeder wird von ihm wissen, jedes Menschkind und jeder Mensch, der sich zwischen die Fronten stellt wird sterben. Und du willst mir nicht glauben, wie brutal beide Seiten sein können. Werwölfe und Vampire. Du hast noch keinen Vampir gesehen, der seine wahre Natur auslebt.“
Ich sah ihn geschockt an. Warum war ich so wichtig? Ich war doch selbst nur ein unbedeutender Mensch.
„Ich bin doch auch nur ein Mensch…“
Er lächelte leicht.
„Weißt du, es wundert mich wirklich. Alle wissen es in diesem Haus, nur du nicht.“
Ich wurde wütend und versuchte mich ihm zu entziehen.
„Vielleicht liegt das ja daran, dass es mir keiner erzählt und ihr alle auf geheim tut.“
„Glaub mir Viola, es wird dir auch niemand sagen, du musst das schon selber herausfinden, sonst würdest du nutzlos sein.“
Er ließ mich los. Das hatte gesessen. Ich fühlte den Schmerz tief in meinem Innern. Tränen sammelten sich in meinen Augen, sie brannten.
„Nutzlos…“
Langsam drehte ich mich um.
„Ich schlafe in meinem Zimmer.“
Daniel erwiderte nichts. Ich stürmte aus seinem Zimmer und rannte in meins. Ich konnte es hier keine Sekunde länger aushalten. Ich zog mir notdürftig irgendwelche Kleidung an und ging langsam auf mein Fenster zu. 2. Stock, das musste doch irgendwie zu schaffen sein. Die kühle Luft wehte mir ums Gesicht, als ich am Fenster stand. Ich überlegte. Springen kam ganz und gar nicht in Frage. Aber der Baum, der dicht an meinem Fenster stand. Ich setzte mich auf die Fensterbank und beugte mich nach vorne.
„Bitte, lass wenigstens dieses Unterfangen gut gehen.“
Ich schloss kurz meine Augen und dann sprang ich. Meine Finger bekamen den Ast zu fassen und nun hang ich da. Ich musste mich nur noch irgendwie hochziehen. Ich hangelte mich vorwärts, jedes Mal wenn ich Schwung holte, stöhnte ich leicht vor Anstrengung.
„Was tust du da?“
Die Stimme klang ruhig und beherrscht, sie gehörte Daniel.
„Nach was sieht es denn aus?“
„Nach einem Selbstmordversuch.“
Wie kühl er es zum Ausdruck bringen konnte.
„Ich flüchte, ich will mich nicht umbringen.“
Stille.
Ich hangelte mich weiter und war schließlich beim Hauptstamm angekommen, den ich jetzt zum runterklettern benutzen wollte. Vorsichtig bahnte ich mir den Weg nach unten und rutschte ab. Ein kleiner Angstschrei entfuhr meinem Mund. Ich hielt mich angestrengt an einem Ast fest. Ich sah Daniel, wie er in der Fensterbank hockte, wie eine Katze vor ihrem Sprung. Und er sprang auch, auf den Baum.
„Ich warne dich Daniel, ich lass los.“
Er lächelte und trat herausfordernd noch einen Schritt nach vorne. Und da ließ ich tatsächlich los. Ich wusste nicht was mich dazu bewegt hatte. Wahrscheinlich mein Hochmut. Ich presste die Augen zusammen und wartete auf den Aufprall. Doch nichts der gleichen geschah. Vorsichtig öffnete ich meine Augen. Daniel hatte mich aufgefangen und stand nun unten vor der Eiche.
„Toll.“
Er sah fragend zu mir hinunter. Ich schlug ihn.
„Lass mich runter, du Idiot.“
Er tat, was ich ihm angeordnet hatte. Es verwunderte mich ein wenig. Ich klopfte ein wenig an meinen Sachen, obwohl sie nicht schmutzig waren und ging Richtung Zivilisation. Ich wusste, dass ich nicht weit kommen würde.
„Komm wieder mit, Viola, bitte. Ich möchte dich nicht zwingen.“
Ich sah Daniel an. Er hatte mich verletzt und ich sah es nicht ein, jetzt wieder kehrt zu machen.
„Ich will nicht wieder mit dir kommen. Ich möchte das tun dürfen, was ich möchte.“
Volle Verzweiflung klang aus meinem Mund. Daniel sah kurz zu Boden und dann wieder in mein Gesicht.
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Kommentare
dtzuj schrieb am 2007-12-12 20:04:44:
ja bitte spannend das schreit regelrecht nach fortsetzung ....
anonym schrieb am 2007-10-19 17:00:24:
schnell weiter bitte
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