Es war einmal...
von
LittleMissSunshine
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„Es war einmal…“ mit diesen drei Worten beginnen viele Geschichten. Die von Schneewittchen, von Aschenputtel und von Rapunzel. Aber ich bin keine Prinzessin, die mit sieben Zwergen unter einem Dach lebt, keine, die gegen ihre bösen Stiefschwestern um die Gunst eines Prinzen kämpfen muss und keine, die in einem Turm gefangen ist. Und deshalb beginnt meine Geschichte nicht mit „Es war einmal“ sondern endet mit diesen Worten.
Es ist der 26. Oktober und ich ziehe die Kiste unter meinem Bett hervor. Bevor ich sie öffne, puste ich einmal um sie von der dicken Staubschicht zu befreien. Als ich den Deckel abnehme schlagen mir sofort dutzende von Erinnerungen entgegen. Doch dann entdecke ich den rosa „Prinzessin Lillifee“- Bleistift und muss schmunzeln. Er symbolisiert den Tag, an dem Fynn und ich uns kennengelernt haben. In der vierten Klasse war er neu zu uns an die Schule gekommen und unsere Lehrerin setzte ihn auf den freien Platz neben mich. Da er keinen Stift dabei hatte, lieh ich ihm meinen rosaroten „Prinzessin Lillifee“-Bleistift und von diesem Tag an waren wir unzertrennlich. „Like peas and carrots“ wie es unsere Englischlehrerin gerne ausdrückte, wenn wir schon wieder zusammen arbeiten wollten. Ich legte den Stift bei Seite und entdeckte eine große Muschel. Unser erster gemeinsamer Urlaub. Wir waren ungefähr elf Jahre alt und fuhren mit einer Jugendgruppe nach Dänemark. Dort hatten wir mehr Zeit im Meer als an Land verbracht und sogar den Sandburgenwettbewerb gewonnen. Wir waren ein unschlagbares Team gewesen. Als nächstes entdeckte ich die Eintrittskarten von unserem allerersten Rockkonzert. Nach dem waren wir total heiser und konnten fast zwei Tage lang nicht mehr richtig sprechen. An dem Schlüsselanhänger, der neben den Konzertkarten lag, hing früher einmal der Schlüssel zu Fynns erster Wohnung. In diese war er gezogen als er mit seiner Mutter einfach nicht mehr klarkam. Mir hatte er den Zweitschlüssel geschenkt mit dem Schlüsselanhänger in Form eines kleinen Tigers. Wir hatten unzählige Stunden in seiner Wohnung verbracht. In seiner Küche gekocht, auf seinem Bett Musik gehört und auf seinen Sofa Hausaufgaben bewältigt. Manchmal hatte ich mich in seiner Wohnung sogar mehr Zuhause gefühlt als in meinem eigenen Zimmer. Desweiternen lagen unzählige Fotos in der Kiste. Fynn und ich am Strand; Fynn und ich bei irgendeinem Schulausflug; Fynn und ich auf einer Party; Fynn und ich in einer Umkleidekabine, wo wir uns in die hässlichsten Outfits gequetscht hatten; Fynn und ich am schlafen… Es waren unzählige Bilder dabei. Als ich gerade das Bild herausnahm, wo Fynn den Pfannkuchen in der Pfanne wenden wollte, welcher aber bei dem Versuch auf den Fußboden landete, fiel mein Blick auf den Brief, den er mir zum Abschied geschrieben hatte. Mein Herz fing wie wild anzuschlagen. Doch da wurde mir bewusst, dass es nicht mein Herz war, was da wie wild dahin raste, sondern Fynns seins, welcher sein Leben gelassen hatte, um meins zu retten.
Und mir wurde schmerzlich bewusst, dass alle diese unzähligen Erinnerungen für immer Vergangenheit sein würden. Denn ES WAR EINMAL…!
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