Evelyn
von
Starlet Sancha
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Einleitung
Als ich noch klein war, habe ich meinen Vater immer angefleht, er solle mir vor dem Einschlafen noch eine Geschichte erzählen. Er lächelte dann und begann ein Märchen zu erzählen von Prinzen, Prinzessinnen und sprechenden Tieren. Doch wie jedes Mal wenn er das tat, erwiderte ich: „Erzähl mir die Geschichte des Jungen noch einmal!“ Mein Vater seufzte theatralisch und nahm mich in den Arm. „Evelyn, diese Geschichte hab ich schon etliche Male erzählt. Meinst du nicht, dass du sie schon auswendig kennst?“ Ich sah meinem Vater tief in die Augen und er schüttelte lächelnd den Kopf. „Also gut, meine kleine Zauberin. Aber zu Mama kein Wort.“ Ich presste entschlossen meine Lippen zusammen und nickte. Mein Vater sprach ganz leise und ich hörte gespannt zu.
Diese Geschichte hatte schon immer eine merkwürdige Wirkung auf mich gehabt. Sie handelte von einem Jungen, der übernatürliche Fähigkeiten besaß und von Dämonen, Hexen und anderen bösen Geistern. Eigentlich nicht gerade die Geschichte, die ein Vater seiner 6-jährigen Tochter erzählen sollte. Aber ich war ganz versessen auf Gruselgeschichten. Hätte ich damals schon eine Ahnung davon gehabt, welchen Einfluss diese Geschichte auf mein Leben ausüben würde, dann hätte ich meinen Vater nie darum gebeten, mir diese Geschichte zu erzählen.
Ich will jedoch meiner Geschichte nicht hervor greifen. Sie beginnt an meinem 16. Geburtstag. An jenem Tag, an dem meine Mutter verschwand, an dem mein Vater mich verließ, um nach ihr zu suchen und an dem mir bewusst wurde, das nicht alles so ist, wie es scheint.
My Super Sweet 16?
Als ich meine Augen aufschlug war es noch dunkel draußen. Ich hatte die halbe Nacht nicht schlafen können, so aufgeregt war ich. Man wird ja nicht alle Tage 16 Jahre alt. Ich legte mich auf die Seite und ein Blick auf die Anzeige meines Weckers verriet mir, dass es 5 Uhr früh war. Ich gähnte übertrieben lange und schaute mich in meinem Zimmer um. Die Wände waren in einem dunklen Orange gestrichen und überall hingen Poster meiner Lieblingsbands. Mein Zimmer war wie ich. Ein bunter Mix. Ein großes Durcheinander. Ich musste lächeln. Die meisten Leute hielten mich für merkwürdig. Und irgendwie gefiel mir das auch, denn so hatte ich keinen falschen Freundeskreis sondern nur ein paar enge Freunde, die mich wirklich verstanden und mit mir auch die gleichen Interessen teilten. Ich streckte mich noch einmal und beschloss aufzustehen und mich anzuziehen. Mein Schrank war voll mit bunten Klamotten, doch ich entschied mich für meine alte Jeans und mein geliebtes „Beatles“ T-Shirt. Meine Haare band ich zu einem Zopf und dann schlich ich auf Zehenspitzen hinunter in die Küche. Auf dem Küchentisch stand auch schon meine Geburtstagstorte, daneben lag ein Zettel. Grinsend saß ich mich an den Tisch. Meine Familie hatte wie immer gewusst, dass ich so früh aufstehen würde und deshalb bereitete meine Ma schon alles einen Tag früher vor. Ich las den Zettel:
„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, kleine Zauberin.
Ma und ich wünschen Dir alles Gute!
Haben Dich lieb!
Deine Eltern “
Aus der oberen Etage hörte ich Geräusche. Mist, nun hab ich sie doch aufgeweckt, ärgerte ich mich. Einen kurzen Moment darauf hörte ich die Stimme meines Vaters. Er klang ziemlich verärgert und ich machte mich auf eine Predigt von ihm gefasst, über ruhiges Verhalten während andere Leute noch schlafen. Nun hörte ich auch die Stimme meiner Mutter. Sie klang aufgebracht. Ich hatte es zwar nicht darauf angelegt schon so früh am Morgen mit Ihnen zu streiten, aber ich entschloss mich doch dazu, in die Höhle des Löwen zu gehen. Ich sprintete die Treppe hoch und blieb wir angewurzelt vor der geöffneten Schlafzimmertür meiner Eltern stehen. Ich traute meinen Augen nicht. Meine Mutter wurde durch irgendeine unsichtbare Macht (ich weiß, wie das jetzt klingt, aber ich bin nicht verrückt.)an die Wand gedrückt und mein Vater lag blutend auf dem Boden. Mir entfuhr ein Schrei. „Mum, Dad, was ist hier los?“ Ich rannte zu erst zu meiner Mutter und zog mit aller Kraft an ihr, damit sie sich von der Wand löste. Sie sah mich aus weit aufgerissenen Augen an und versuchte etwas zu sagen, doch genau in diesem Augenblick spürte ich einen stechenden Schmerz im Kopf und alles um mich herum wurde schwarz. Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf meinem Bett. Erschrocken fuhr ich hoch und dachte, ich hätte nur schlecht geträumt, doch der Schmerz in meinem Kopf belehrte mich eines besseren. „Ganz ruhig, Evelyn. Ich bin da.“ Ich blickte in das Gesicht meiner Tante Maria. „Was ist passiert? Wo sind meine Eltern?“, fragte ich aufgebracht und sah meine Tante verwirrt an. „Du musst dich zuerst beruhigen.“
„Da war so viel Blut. Ma und Pa. Wo sind sie? Sag mir, dass ich das alles nur geträumt habe!“, flehte ich Maria an. Sie schaute mir direkt in die Augen und mir wurde zum ersten Mal bewusst, dass ihre Augen beinahe schwarz waren. „Schatz, beruhige dich. Ich weiß was passiert ist. Ich werde dir alles erklären, aber du musst versprechen mir bis zum Ende der Geschichte zuzuhören.“ Ich konnte nicht anders als sie böse anzufunkeln. „Ich will keine Geschichten hören. Sag mir sofort was hier los ist!“, schrie ich sie an. Maria nickte und half mir dabei aufzustehen. „Komm mit mir ins Schlafzimmer deiner Eltern. Ich muss dir etwas zeigen.“ Ich biss die Zähne zusammen und folgte ihr. Das Schlafzimmer war verwüstet, auf dem Teppich waren Blutflecken, genau dort, wo mein Vater zuvor gelegen hatte. Ich hielt erschrocken die Luft an. „Dad geht es doch gut, oder?“, fragte ich mit Tränen in den Augen. Maria nickte und mir viel ein Stein vom Herzen. „Evelyn. Was weißt du über die Vergangenheit deiner Eltern?“, fragte Maria plötzlich. „Was meinst du? Ich kenne natürlich die Geschichte, wie sie sich kennen und lieben gelernt haben. Aber was hat das alles hiermit zu tun?“ Langsam wich meine Angst und machte meiner Wut Platz. „Wenn du mir nicht sofort erzählst, was du weißt, dann werde ich richtig sauer!“, schrie ich. In diesem Augenblick wurde meine Tante quer durch das Zimmer geschleudert. Mir entfuhr schon wieder ein lauter Schrei (man, war ich in solchen Momenten echt nicht in der Lage zu etwas anderem, als zu schreien?!) und ich rannte schnellstmöglich zu meiner Tante. Sie hob ihre Hand und ich blieb wie angewurzelt stehen. Nicht weil ich warten wollte, nein, ich war unfähig mich zu bewegen. Maria stand auf und kam auf mich zu. „Setz dich aufs Bett. Wir müssen reden.“ Ich tat wie mir befohlen. Maria öffnete die Kommode meines Vaters und holte ein dickes Buch hervor. Dann nahm sie neben mir Platz. „Was ich dir jetzt erzählen werde, wird dir wahrscheinlich nicht gefallen. Deine Mutter wurde entführt und zwar von einem Dämon. Dieser Dämon war schon lange hinter ihr und deinem Vater her und nun hat er beide. Du hast bestimmt schon bemerkt, dass deine Familie anders ist. Erinnere dich. Du weißt, dass ich Recht habe, oder? Dein Vater ist kein normaler Mensch. Deine Mutter ist eine
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Kommentare
Suggarfly & Mimi schrieb am 2008-07-02 15:28:26:
Die Geschichte ist von der Idee her gut gelungen. Du verwendest echt coole Wörter und sie wiederholen sich nich so wie bei so manch anderen Geschichten. Dein Schreibstyl ist nicht mehr kindlich, sondern schon weiter vorangeschritten. Ist wirklich toll und spannend geschrieben.
Mach bald weiter... lg
Gimliy schrieb am 2008-07-01 12:28:58:
Das ist sehr spannend. Toll gemacht. Bitte mach eine Fortsetzung!
lg: Gimliy
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