Evelyn - Die Suche geht weiter...
von
Starlet Sancha
1
Abendessen bei einem Vampir
Wir folgten James in die Küche. Mir entfuhr ein lautes „WOW“, denn wie der Rest des Hauses war die Küche riesig und ich fragte mich wofür Vampire so eine große Küche bräuchten. „Menschen passen nicht auf einen kleinen Tisch. Oder vielleicht doch ein paar ziemlich Kleine…“, bemerkte James beiläufig und ich musste ein Lachen unterdrücken. James schaute mich erheitert an. „Du bist schon ein komisches Geschöpf.“ Er hatte eindeutig Recht. Ich begann an meiner psychischen Verfassung zu zweifeln. Kein normaler Mensch, dessen Eltern gerade entführt worden waren, würde über die makaberen Witze eines Vampires lachen. Was sag ich da? Kein normaler Mensch würde überhaupt an Vampire glauben. Ich seufzte und nahm am „Esstisch?“ Platz. James sah mich wieder mit seinen durchdringenden Blick an. Spencer gesellte sich ebenfalls zu uns. James kam direkt auf den Punkt:„Also Evelyn, wenn ich dir helfe, dann möchte ich etwas als Gegenleistung haben. Lass dich nicht von meinem freundlichen Auftreten täuschen, ich bin ein Geschäftsmann.“ Ich blickte zu meiner Tante, die die Augen aufriss und ihren Kopf schüttelte. Ich hatte aber keine andere Wahl. Immerhin hatte die Stimme in meinem Kopf (Jetzt höre ich schon Stimmen. Wenn ich das alles lebend überstehe, sollte ich mir unbedingt einen guten Therapeuten suchen…) mir gesagt, dass James mir helfen würde und dass er meine einzige Möglichkeit wäre. Also nickte ich und erklärte, dass ich alles tun würde. Dem Gesichtsausdruck meiner Tante nach zu urteilen, hatte ich gerade mein Todesurteil unterzeichnet. „Keine Angst. Du wirst nicht sterben. Ich hab einen anderen Plan mit dir.“, meinte James und langsam ging mir das Gedankenlesen auf die Nerven. „Man gewöhnt sich dran.“, grinste James. Ich war mir nicht ganz sicher, was ich für Fähigkeiten besaß, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich es schaffen würde, dass James nicht mehr meine Gedanken lesen könnte. Ich stellte mir eine dicke Mauer vor, die meine Gedanken festhielt. James staunte: „Ich bin beeindruckt. Du lernst schnell. Also, was nun, jetzt wo du deine Gedanken geblockt hast?“ „Jetzt könntest du mir endlich sagen, wo meine Eltern sind und was du von mir willst.“ Ich wurde langsam wütend. „Nun gut. Wir brauchen ein neues Hausmädchen und du erscheinst mir die Richtige für den Job zu sein.“ In meinem Kopf sah ich mich in einem Kleidchen Staubsaugen. „Nicht so eins.“, lachte Spencer, der anscheinend meine Gedanken abgefangen hatte. Ich wurde rot und James blickte zwischen mir und Spencer hin und her. „Ein magisches Hausmädchen ist an einen bestimmten Platz gebunden und kann nur diesen Ort mit Erlaubnis des Eigentümers verlassen. Zu den Aufgaben eines Hausmädchens gehört es Schutz- und Schlafzauber zu brauen und sich um unsere Ernährung zu kümmern.“, erklärte James. Mir wurde ganz schlecht bei dem Gedanken daran, Menschen in ihr eigenes Unglück zu locken, doch ich nickte. „Abgemacht, aber unter 2 Bedingungen. 1. ich kann meine Familie jederzeit besuchen und 2. ich bin keine Sklavin.“ „Ich akzeptiere deine Bedingungen.“ James sah nun direkt meiner Tante in die Augen. „Möchtest du beim Aufnahmeritual dabei sein?“, fragte er sie. Marias Stimme zitterte, als sie sagte: „Ich bleibe bei Evelyn.“ James schien überrascht und schwieg einen Moment. Dann nahm er meinen Arm und erläuterte mir, was jetzt passieren würde: „Ich werde dich nun beißen. Aber hab keine Angst, ich werde nicht viel Blut trinken, es gehört zum Aufnahmeritual.“ Na das klang doch vertrauensvoll. Lass den Vampir dein Blut aussaugen. Was war nur aus der Zeit geworden, wo es Arbeitsverträge gab? Ich seufzte, schloss meine Augen und spannte meinen Arm an. „Ich kann kein Blut sehen.“, meinte ich schulterzuckend und James lachte. Nun hörte ich Spencers Stimme. „Entspann dich. Es tut nicht lange weh. Ich beeile mich.“, versprach er. Mein Herz pochte. Spencer würde es tun. Auf irgendeine verdrehte Weise war ich darüber erfreut. Ich brauchte ganz dringend diesen Therapeuten. Ich spürte einen stechenden Schmerz in meinem linken Arm, als hätte man sich mit einem Messer geschnitten und ich öffnete vorsichtig meine Augen. Was für ein komischer Anblick. So hatte ich mir meinen 16. Geburtstag ganz sicher nie vorgestellt. Dann hörte er auf zusaugen und ich blickte in seine braunen Augen. Er lächelte zaghaft, nahm ein Messer und schnitt sich in den Arm. Ich erschrak. „Was tust du?“ Anstatt zu antworten, reichte er mir seinen Arm. Ich werde ganz sicher kein Blut trinken. Schon bei dem Gedanken wurde mir schlecht. „Du musst nur ganz wenig zu dir nehmen. Vertrau mir.“ Das tat ich. Ich vertraute ihm. Einen wildfremden Vampir, der wollte, dass ich sein Blut trinke. Gesunder Menschenverstand adé. Nach der „Saugorgie“ war ich etwas wackelig auf den Beinen, doch ich sprang regelrecht auf, um James an unsere Vereinbarung zu erinnern. „Nun sag mir, wo ich meine Eltern finde!“ „Nicht weit entfernt von hier gibt es eine Höhle, am Strand. Geh dort hin. Du wirst erwartet. Spencer wird dich und deine Tante begleiten.“ Ich runzelte die Stirn. Anscheinend war das mit dem Sonnenlicht und Vampiren auch nur ein Klischee. Oder Spencer war leicht Suizid gefährdet. Wir machten uns also auf dem Weg zum Strand. Da hatte ich mich schon für später mit meinen Freunden verabredet um meinen Geburtstag zu feiern. Ironie des Schicksals…
Ende 2. Teil
der 3. und letzte Teil folgt in Kürze ;)
1
Kommentare
Nina Rezzoli schrieb am 2008-08-17 21:02:50:
hey, ich mag deine Art zu schreiben, du schreibst spannend und gut geordnet. Hoffentlch ist der dritte Teil bald fertig! (*)
Gimliy schrieb am 2008-08-02 15:55:56:
Hi, ich freu mich schon auf die Fortsetzung. Super Geschichte. Auch die ironischen Kommentare werten das ganze auf. Mach so weiter.
Gruß: Gimliy
Kommentar hinzufügen