Falina (Kapitel 1 - Der erste Schnee)
von
ViciousBerry
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Der erste Schnee
Es war sehr kalt in letzter Zeit. Der Winter kam mit jedem weiteren Tag näher. Die Landschaft wirkte so trostlos und trist, dass es einem nicht im Traum einfallen würde, sich aus seinem sicheren Heim zu begeben, wo es schön warm und vor allen Dingen trocken war. Es war schon so kalt, dass es jeden Morgen Nebel gab. Er befeuchtete den Boden und die restlichen welken Blätter, die noch an den hiesigen Bäumen hingen. Die ganze Luft triefte förmlich.
In einer kleinen Stadt, am Ende einer kleinen Straße, in einem kleinen Haus starrte die kleine Elizabeth aus dem Fenster ihres kleinen Kinderzimmers. Ihr Atem hinterließ immer wieder seine Spuren auf der Fensterscheibe.
Es war der erste Dezembertag. Eigentlich hätte sie sich freuen sollen, dass die Herbstzeit nun vorbei war und die Adventszeit anfing, doch sie saß nur deprimiert vor dem Fenster und sah in den Abendhimmel hinaus.
Die Sonne war gerade unter dem Horizont versunken und das letzte bisschen ihrer zu dieser Jahreszeit spärlichen Wärme war mit einem leisen Seufzer von Elizabeth mit ihr gegangen.
„Nun zieh nicht so ein Gesicht, Schwesterherz. Immerhin naht dein Geburtstag mit jedem weiteren Sonnenuntergang wieder ein Stückchen. Du solltest dich lieber freuen, statt hier Trübsal zu blasen.“
Mary stand in Elizabeths Zimmertür, von wo aus sie ihre kleine Schwester schon seit geraumer Zeit beobachtet hatte.
„Ach Mary. Mir wäre es lieber, wenn Vater hier wäre um mit mir zu feiern. Schließlich werde ich nur einmal neun.“
Mary trat ein und hob Elizabeth von ihrem Stuhl. Sie nahm, mit ihr auf dem Schoß, im Schaukelstuhl Platz, der gegenüber dem anderen Stuhl stand. Elizabeth schmiegte sich eng an Mary und beide wippten sie sacht vor und zurück.
„Vater kann jetzt nicht weg. Er hat geschrieben, er versucht zu Weihnachten hier zu sein. Er kämpft jetzt für uns alle dort draußen im Krieg. Er sind schwere Zeiten für uns alle Beth, doch wir müssen jetzt guten Glaubens sein und hoffen, dass Vater wohlbehalten zu uns zurückkehrt.“
Ein leises Lachen war von der Tür aus zu hören und Mary hob erschrocken den Kopf.
„Mary, liebes. Du hörst dich schon viel zu erwachsen an für dein Alter. Wenn ich mich nicht irre, bist du doch im Oktober erst 17 geworden, oder?“
„Ich bin jetzt eine Dame, liebste Mutter. Für eine Dame ist es äußerst unschicklich, wenn sie kein gutes Vokabular führt.“
Ellen Legna lächelte ihre älteste Tochter belustigt an. „Wenn ich mich recht entsinne, habe ich gestern Abend noch ein sehr, wie sagtest du doch gleich, >unschickliches< Wort von dir gehört, als du gegen die Kante des Esstisches gestoßen bist.“ Ihr Lächeln wurde breiter, als Mary verlegen den Kopf abwandte. Und so neckte Ellen sie nur noch mehr.
„Und war es nicht so, das dies in Anwesenheit des jungen Mr. Swan passierte? Du wirktest dabei nicht gerade sehr damenhaft.“ Marys Ohren verfärbten sich dunkelrot, was ihre Mutter zutiefst amüsierte.
„Es war mir rausgerutscht. Und es wird sicher nie wieder geschehen.“ Mrs. Legna betrat den Raum und schloss die Zimmertür hinter sich. Sie setzte sich auf den gerade freigewordenen Stuhl am Fenster und sah hinaus, wie zuvor Elizabeth.
Mary stellte, wie schon viele Male vorher, mit einem Lächeln fest, wie sehr Elizabeth doch ihrer Mutter ähnelte. Das gleiche, feuerrote Haar; dieselben kleinen Sommersprossen um die Nase herum und ihre grauen Augen. Ihre Mutter war eine Schönheit und aus Elizabeth würde auch sicher einmal so eine attraktive Frau werden.
Mary hingegen sah ihrer Mutter oder ihrer Schwester überhaupt nicht ähnlich. Sie hatte den blasen Teint ihres Vaters und dazu auch seine dicken schwarzen Haare, die ihr in wilden Locken bis zu den Hüften reichten. Nur seine braunen Augen hatte sie nicht. Stattdessen hatte sie Augen wie eine Sommerwiese. Von einem so intensiven Grün wie es selten zu sehen war. Am Rande ihrer Iris war noch ein runder Streifen von dem Grau ihrer Mutter zu sehen und in Pupillennähe kleine kleckse Braun, die man nur bei näherem Hinsehen erkennen konnte.
Die Leute auf der Straße machten meist einen großen Bogen um sie, wegen ihrer Grünen Augen und ihrem kohlrabenschwarzen Haar. Sie fürchteten sie, denn man erzählte sich oft Geschichten, sie sei verflucht. Die Leute erzählten sich sie könne jemand mit dem Bösen Blick verhexen oder mit ihren bloßen Händen das Unheil über ein Haus bringen, bei nur einer Berührung. Sie konnte über so etwas aber stets nur lachen.
Es klopfte an der Tür und Mary schreckte aus ihren Gedanken auf. Elizabeth sprang von ihrem Schoß auf und hechtete zur Tür. Ihre Mutter seufzte. „Sie denkt immer noch, dass euer Vater kommen wird, nicht wahr?“ Mary nickte nur. Dann stand ihre Mutter auf und ging ihrer Tochter hinterher.
Ihr Vater würde nicht kommen, das wusste Mary mit Sicherheit. Es herrschte zurzeit Krieg in ihrem Land. Ein Bürgerkrieg. Marys Vater war einer derjenigen, die gegen den Krieg waren. Er war mit einigen ihrer Nachbarn mit zu den Krisengebieten gezogen, um dort zu kämpfen. Mary vermisste ihren Vater natürlich, doch er würde es nicht mehr zu Elizabeths Geburtstag schaffen. ``Wenn er noch da wäre. ``, dachte Mary verbittert. ``Für ihn hätte Vater alles stehen und liegen gelassen. ``
Ihre Gedanken wurden erneut von einem Klopfen unterbrochen, doch diesmal kam es nicht von so weit weg. Sie drehte sich zur Zimmertür um und seufzte innerlich auf.
Alec Swan stand in ihrer Tür und sah sie mit seinem schlimmsten aufgesetztem Lächeln an. Er war sowas von schleimig und widerlich. Mary war seine Anwesenheit höchst unangenehm.
Und gerade dieser Mann warb um sie. Sie hatte bei weitem besseres verdient.
Sie kannte ihn zuerst nur von einigen Festen in der Stadt und auch nur vom Hörensagen, doch sobald sie ihn einmal unter vier Augen gesprochen hatte, stand ihre Meinung von ihm fest. Ein wichtigtuerischer, aufgeblasener Mann in den Zwanzigern, der in der Länge höchstens 1,65m Groß sein konnte. Seine Haare waren stets so streng zurückgekämmt, dass es angeklatscht auf seinem unförmigen Schädel saß. Seine Haltung verriet, dass er nicht gerade sehr selbstbewusst war. Immer leicht vornübergebeugt, mit dem Blick nach unten. Alles in allem ein äußerst unangenehmer Mensch.
Mary sah augenverdrehend aus dem Fenster und versuchte ihren Ekel vor ihm so gut es eben ging zu verstecken. Als sie aufstand und sich gerade zu ihm umdrehte, stand er schon direkt hinter ihr und nahm ihre Hand. Er führte sie an seine Lippen und Mary unterdrückte den Impuls, die Hand einfach wegzuziehen. Sie schluckte auch eine bissige Bemerkung hinunter und lächelte stattdessen unbeirrt. Ihre Mutter war in den Türrahmen getreten und über Alec hinüber bedeutete Mary ihrer Mutter, ihr doch bitte zu helfen.
Ellen lächelte ihr aufmunternd zu und trat ins Zimmer. „ Was führt sie denn an einem Sonntag zu uns, Mr. Swan?“ Als er ihre Anwesenheit bemerkte, richtete er sich gerade auf und fummelte nervös an den Knöpfen seines schwarzen Fracks herum, der das einzige Kleidungsstück
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Kommentare
lulu schrieb am 2009-09-11 10:42:05:
Bitte weiter,aber was !!! sagt,stimmt.
Was war vor 8 Jahren?
!!! schrieb am 2009-09-10 18:10:40:
Was war denn vor 8 Jahren ?
schreib bitte weiter
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