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Kategorien > Drama > Endzeit

Fallen Angel

von Dr.Soltberg

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Fallen Angel
Verlassen, ja fast tot lag Son-Attica im finstren Tal zwischen dem schwarzen Klippenrelief, das es zu allen Himmelsrichtungen umschloss. Ein Reisender aus unserem Wo wäre sicher die beängstigende Ähnlichkeit zu großen Städten wie New York aufgefallen, doch hier gab es niemanden, der dies hätte denken können. Die Klippen waren aus dunklem Stein geformt und unmöglich zu überwinden gewesen. Nur in dem kleinen kreisförmigen Gebiet auf Meeresspiegelhöhe hatte jemals eine Bevölkerung stattgefunden. An den kalten Steinwänden glitzerte kaltes Wasser im schwachen Sonnenlicht, welches nur bedingt durch den Ozean der weißen Wolken schimmerte und über alles ein tristes Grau legte. Die Ränder der Wolken leuchteten in einem zauberhaft romantischen Silber.
Die Hochhäuser der Stadt standen alt und leblos da. Auch über sie hatte der kalte Gebirgswind eine schwarze Hülle des Todes geschlungen und so, abnorm erscheinende, neue Formen gebildet. Auch das umliegende Flachland zwischen der Stadt und den Klippen war felsig und hatte die triste Farbe des schmerzhaften Graus angenommen. Und doch schienen hier die Engel noch immer zu flüstern. Sterbend lag die letzte Sage um die Mythen dieser Welt in ihrem Gefängnis und würde niemals wieder erwachen. Nichts würde die toten Straßen und Gassen wieder zum Leben erwecken in denen nun tausende ausgebrannte Autowracks zu liegen schienen. Gott allein wusste, was hier geschehen war. Welche Finsternis diesen Ort überdeckt hatte. Und doch bestand noch immer eine gewisse Romantik. Der letzte Rest einer sagenumwobenen Welt, die ihre letzten Atemzüge genoss. Irgendwo im Nirgendwo versiegte die einstige Quelle der Zivilisation in unendlicher Einsamkeit. Wie von rabenschwarzer Asche bedeckt bestand dieser Ort weiter. Und doch gab es Leben. Elende, verseuchte Existenz, die einst so bewundert und geliebt worden war.
Das Felsrelief barg unzählige Höhlen, in denen dunkle Schatten hausierten.
Das schwache Licht, welches durch die Wolkenschleier gedrungen war, versiegte langsam ohne Gnade und hinterließ nur die letzten silbrigen Schleier am Himmel, als Etwas aus einer Höhle zu kriegen begann. Etwas infiziertes und zweifellos ein Geschöpft, das durch den Fluch der Ewigkeit wahnsinnig geworden war. Ein geflügeltes Wesen kniete auf dem unebenen, steinigen und ebenso nass glitzernden Steinvorsprung vor dem Höhleneingang. Es hatte das aschfahle Gesicht eines wunderschönen Mädchens und die wunderschönen Augen eines Engels. Doch auch diese Augen waren in endlosem Grau verloren gegangen. Die schwarzen, gefederten Flügel, die aus den Schulterblättern des Wesens ragten waren größer als der gesamte Korpus des Mädchens. Des Wesens, das wie ein Mädchen aussah. Denn schließlich ist die Welt unserer verlorenen Gefühle, nicht wahr lieber Leser?
Der gefallene Engel richtete sich auf und sah mit ausgebreiteten Armen zu dem finster werdenden Himmel hinauf. Das einst makellos weiße Kleid, das er trägt, ist dreckig und zerrissen. Die langen, nun hellgrauen Haare reichten diesem Opfer des Schicksals bis auf die Schultern. Als es gen Himmel (anscheinend durch die Wolkendecke) starrte, öffnete der Engel seine beiden kräftig grauen Lippen und zeigte das Raubtiergebiss mit den so absonderlich langen und spitzen Schneidezähnen, eines Vampirs. Es stieß einen klagevollen Schrei aus und unzählige andere gefallene Engel taten es diesem nach. Überall waren sie aus den Höhlen der Klippe gekommen um ihr unheimliches, schrilles Lied zu singen. Nach einigen Minuten verstumme die Person unseres Interesses und kniete sich wieder auf den Vorsprung, während ihre Artgenossen in die nahende Nacht aufbrachen und die Luft mit den Schlägen ihrer sanften Flügel erfüllten. Sie flogen auf Son-Attica zu. Elegant stießen sie mit unheimlicher Geschwindigkeit durch die Häuserschluchten. Keineswegs waren sie alle gleich. Aus einigen Köpfen sprossen hüftlange weiße Haare, aus anderen wiederum nur eine Mähne kürzeren grauen Haares. Manche hatten sanfte, unschuldige Gesichtszüge, andere verlockende und lüsterne aus ihrer Zeit als friedvolle Wunder der Evolution beibehalten. Die verwirrten Augen unseres immer noch wartenden Engels starren in die dunkle Ferne über den Klippen. Diese Augen, dieser Verstand, verstümmelt von der zerstörerischen Macht des Wahnsinns. Das einst so intelligente Geschöpf sah den riesigen, starren Mond an. Und auch, wenn sie sich noch so verändert hatten, zu lebendigen Alpträumen gewandelt hatten, so fühlte diese wahnsinnige Kreatur immer noch ein wenig von dem was einst war. Was sie gewesen war, als die Welt erblüht war.
Eine blutrote Träne kullerte aus ihren wunderschönen Augen. Natürlich war sie blutrot. Es war Blut, das an ihren fahlen, hellgrauen Wangen hinunterlief.
Nun spannte das Wesen seine Flügel und stieß sich kräftig von dem Felsen ab. Eine weitere Nacht auf der Suche nach Nahrung stand bevor. Auf der Suche nach menschlicher Materie, Emotionen…
Tatsächlich konnten die Engel ohne Menschen nicht existieren.


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Kommentare

Shakti1420@msn.com schrieb am 2008-07-26 00:36:47:
So, seit schier ewiger Zeit melde ich mich auch mal wieder zurück.
Nach dem ich dachte mein Leben gerät STück für Stück wieder in geordnettere Bahnen bin ich nun tatsächlich wieder so tief in mein altes Selbst zurückgefalllen das ich nicht umhin komme wieder deine Storys zu lesen.
Nur wenige Autoren schreiben überhaupt in einem negativen Blickwinkel, doch dein Spiel mit den gefühlen des Lesers ist schier unübertrefflich.

mfg
Shakti1420
Denise Rüegg schrieb am 2008-03-24 11:21:28:
Als ich deine Kommentare unter anderen Geschichten gelesen habe, dachte ich, dass du ein erwachsener Mann bist.
Ich hatte beinahe einen kleineren Schock, als ich sah, wie jung du eigentlich bist. Doch dein Schreibstil gleicht dem eines genialen Schriftstellers, mit seinen Gedanken der Welt weit voraus.
Kurz gesagt: Du kannst es einfach.
Lg Denise

P.S. Tut mir leid, dass ich so ins Schwärmen geraten bin, doch ich konnte einfach nicht anders...
Dr.Soltberg schrieb am 2007-08-31 22:23:00:
Vielen Dank an dich.
Ich kritisiere gerne auch diese Geschichte.
Und, ähm, keine Sorge ich bin auf den Geschmack gekommen. :D
Ich werde mehr von dir lesen.
Nur leider ist meine Zeit in letzter Zeit sehr knapp bemessen.
Ich danke dir, dass du endlich meine stillen Gebete erhört hast unter diesen Text einen Kommentar zu setzen.
Nun fühle ich mich beruhigt.

Mit freundlichsten Grüßen,
Dr.Soltberg
Dr.Soltberg schrieb am 2007-08-31 22:22:46:
Vielen Dank an dich.
Ich kritisiere gerne auch diese Geschichte.
Und, ähm, keine Sorge ich bin auf den Geschmack gekommen. :D
Ich werde mehr von dir lesen.
Nur leider ist meine Zeit in letzter Zeit sehr knapp bemessen.
Ich danke dir, dass du endlich meine stillen Gebete erhört hast unter diesen Text einen Kommentar zu setzen.
Nun fühle ich mich beruhigt.

Mit freundlichsten Grüßen,
Dr.Soltberg
sina franke schrieb am 2007-08-29 18:36:50:
ich bekomme bei jeder deiner absulut fantastischen geschichten eine geansehaut aber das hier ist unuebertrefflich. einfach genial, der wahnsinn. unglaublich!!!
deine wortwahl war es, die mich verfuehrte deine texte zu lesen und es wird immer besser. einfach nur genial. ich versinke bei denen geschichten immer in diese welt...
und doch habe ich noch eine bitte, ich wuerde mich freuen wenn du meinen text -wenn traume nur treaume sind- kritisieren wuerdest und moechte mich noch einmal bei dir fuer die kritik unter der letzten geschichte bedanken und hoffe du list meine erleuterung dazu...
hochachtungsvoll
sina

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