Fay Jayden
von
Sadako
Man wird geboren um zu sterben!
Nun ist es na der Zeit den Kreislauf zu schließen, die Fehler zu begleichen, um von Neuem zu beginnen.
Düster. Schwarz. Einsam.
Wie sollte ich mein Dasein anders beschreiben? Wiedergeboren in eine Welt voller Abschaum und Intrigen. Voller Misstrauen, übler Machenschaften und voller Kälte. Wiedergeboren als ewig durstiges Monster, welches sich selbst verachtet! Und doch.wiedergeboren mit Fähigkeiten, wie nur wir sie besitzen können, mit Sinnen so hell, so wachsam, fähig Andere wie Marionetten an den Fäden zu halten und sie nach meinen Regeln tanzen zu lassen. Ich wandere auf einem schmalen Grat zwischen Wesen , die lauernd in ihren dunklen Ecken sitzen, jederzeit bereit, mir hinterrücks ihre Klauen in den Körper zu schlagen. Ich traue niemanden- nicht einmal mir selbst. Und so spiele ich die dunklen Spiele mit, jederzeit bereit, des Anderen dunkle Seele auszulöschen- ehe mir das gleiche widerfährt.
Es war nicht immer so.
Als ich 1976 zum ersten Mal geboren wurde- in diese nackte, kalte Welt, bedachte man mich mit dem wohlklingenden Namen Fayara Jayden. Da lag ich nun, hilflos, strampelt in meinem kleinen Bettchen, noch völlig ahnungslos, weich und duftend- wie nur kleine Kinder sein können. Meine Mutter- ein Schatz. Mein Vater-ewig lächelnd. Ich fühlte mich so geborgen. Ich genoss die Zeit in meinem kleinen weißen Bett- entdeckte nach und nach meine Welt mit rosa Blümchentapete und weichem Teddy. Ich wurde älter und als ich über den Bettrand hinausschauen konnte, entdeckte ich Dinge an meiner kleinen heilen Welt, die mir nicht behagten. Waren es zuerst nur der heißgeliebte Teddy- dem ja eigentlich ein Auge fehlte und der wohl schon etliches mitgemacht haben musste (seines abgewetzten Fells zufolge), auch die schöne Tapete hing wohl nicht erst ein paar Jahre in diesem Raum. Mein Name wurde von meinen Eltern auch nur noch auf das wesentlichste beschränkt: Fay- das war kurz und einfach. Mit 6 Jahren kam ich in die Schule- traf das erste Mal auf andere Kinder und stellte mit langsam kriechenden Unwohlsein fest, das meine kleine Welt immer mehr zu bröckeln begann. Die anderen Kinder hänselten mich, nun ja, in Anbetracht meiner abgerissenen Kleidung und meines schmuddeligen Aussehens war es ihnen nicht einmal zu verübeln. Ich sah Eltern, die ihre Kinder von der Schule abholten, wie sie liebevoll umarmt wurden und ihnen dann zu Hause ein warmes Mittagessen serviert wurde. Wo waren meine Eltern? Meine Mutter besaß einen kleinen Esoterikladen, wie ich im Laufe meines Heranwachsens bemerkte, in dem sie fast jede freie Minute zubrachte. Unsere "Wohnung" (ein kleines schmuddeliges Loch in einem von diesen Hochhäusern in dem 50 Familien Platz finden müssen), besaß zwar gerade mal Tisch, Stühle und Betten, war aber mit okkulten und spirituellen Dingen vollgestopft- Um die bösen Geister und Energien fernzuhalten. (Hören Sie den Sarkasmus in meiner Stimme mitschwingen?!)Mein Vater blieb was er war- ein ewig lächelnder Mensch. Meine schlechten Noten, meine Zankereien.ihn konnte nichts wirklich verärgern. Ich bewunderte ihn.bis ich im Alter von 12 Jahren zusehen durfte, wie er sich das weiße Pulver, das einem Flügel verleiht, in seine Nase zog. Meine kleine Welt lag mittlerweile in Trümmern. Meine Mutter eine durchgeknallte Spirituelle, mein Vater vollgestopft und benebelt mit Drogen und Ich? - Ein Außenseiter ohne Freunde, denn man vermied den Umgang mit mir. Ich ging mittlerweile auf die Hauptschule, nicht das ich dumm war- oh nein, die Aufgaben fielen mir mehr als leicht, doch wozu sollte ich mich bemühen? Wer sollte denn stolz auf mich sein?
Mein Leben nahm eine bedeutende Wendung, als eines Tages ein neuer Schüler das Klassenzimmer betrat. Er stellte sich vor als Elias Klacher und war an sich schon eine imposante Erscheinung, die mich aufblicken ließ. Seine Kleidung war schwarz und extravagant, sein Haar ebenso schwarz und lang, seine Augen geschminkt. Ich bemerkte wie meine Klassenkameraden ihm abwertende Blicke schenkten- und ich fühlte, einen Verbündeten bekommen zu haben. Wie es der Zufall wollte bekam er seinen Platz neben mir zugewiesen- dort hatte sowieso noch nie jemand gesessen. Er schaute mich an: "Sind hier nur solche Spießer in der Klasse?" Zerknirscht nickte ich: "Ja.bis jetzt." Wieder musterte er mich: "Du scheinst aber nicht dazuzugehören- wie?!" Energisch schüttelte ich den Kopf:" Nein bestimmt nicht!" Er grinste mir zu und widmete dann seine Aufmerksamkeit dem Klassenlehrer. Nach der Schule gingen wir erstmal gemeinsam zur Bushaltestelle. Elias erzählte mir, das er und seine Familie von Köln hierher gezogen waren und wie schrecklich er es hier fände. Überall Spießer- wie er immer wieder betonte. Ich musste lächeln .Es war, als ob endlich jemand da wäre, der mich verstand. Es dauerte nicht lange und wir wurden unzertrennlich. Elias war der erste Mensch dem ich ein wenig von mir erzählte. Wir verbrachten sogar unendliche Stunden in dem mir früher so verhassten kleinen Laden meiner Mutter, denn Elias interessierte sich auch sehr für diesen ganzen okkulten Schnick-Schnack .Er zeigte mir, wie man Karten legte, das Pendel befragte, er erklärte mir Reiki, wie man seine Wohnung nach Feng Shui einrichtet und vor allem zeigte er mir, welche Bedeutungen und Wirkungen Kräuter, Blüten und Gräser haben können. Langsam bekam ich Gefallen daran und hielt plötzlich nicht mehr alles für totalen Humbug. Ich erkannte mich selbst nicht mehr wieder. Ich führte sogar Gespräche mit meiner Mutter, die von mir auch mehr als überrascht war. So ging wieder die Zeit ins Land, mein Schulabschluß rückte näher und als es endlich soweit war, begann ich tatsächlich im Laden meiner Mutter zu arbeiten. Mein Vater dämmerte zu Hause vor sich hin und ich bekam einen immer größeren Ekel vor ihm. Mittlerweile verstand ich , warum meine Mutter soviel Zeit in ihrem Laden verbrachte. Und auch ich bekam immer mehr Gefallen daran, mich mit den Kunden zu unterhalten, sie an meinem Wissen teilhaben zu lassen. Ich las etliche Bücher, besuchte Seminare, sammelte Kräuter, um aus ihnen Heilmittel und Tees herzustellen und behängte mich mit Talismanen. Mein Leben schien einen Sinn zu bekommen- ich hatte endlich eine Aufgabe .An meinem 18.Geburtstag lud mich Elias abends zur Feier des Tages in eine Discothek ein, in der er sich in letzter Zeit häufig aufhielt und die ich nun unbedingt auch einmal kennenlernen sollte. So fuhren wir also ins "Last Night" .Stickig warme Luft schlug uns entgegen als wir durch die Tür hineinkamen. Die "Disco" war ein kleiner, dunkler, enger Raum in dem sich die sonderlichsten Gestalten aufhielten .Sie waren fast alle in schwarz gekleidet und sahen zum Teil noch wüster aus als Elias an seinen besten Tagen." Und gefällt es dir?" fragte mich Elias. Ich konnte nur nicken- auch wenn man hier kaum atmen konnte, war dies doch ein Ort an dem sich die trafen, die anders waren. Anders.wie ich. Elias hatte hier mittlerweile einige Leute kennengelernt- denen ich dann auch direkt vorgestellt wurde. Freundlich wurde ich von ihnen aufgenommen. So kam es dazu, das ich nun regelmäßig hier verkehrte .Meine Kleidung wurde bald ebenso schwarz wie die der anderen, ich begann mich ausgefallen zu schminken Durch mein mittlerweile sehr breitgefächertes Wissen von übernatürlichen Dingen bekam ich dort viele Kontakte und wurde in diesen Kreisen immer bekannter. Viele ließen sich von mir die Karten legen oder wollten einen meiner selbstgemachten Tees. Eines Abends hing ein Zettel im "Last Night" aus, worauf stand, das eine neue Kellnerin gesucht wurde. Elias beredete mich den ganzen Abend, ob das nicht etwas für mich sei- so könnte ich mir doch nebenher noch etwas Geld verdienen, da das Gehalt von meiner Mutter nun wirklich ein Familientarif war. So wurde ich zur Kellnerin. Es machte mir unheimlichen Spaß. Ich redete mit den unterschiedlichsten Leuten, hörte die unglaublichsten Sachen. Ich schien etwas an mir zu haben, das die Menschen dazu brachte, mir ihr Herz zu offenbaren, sie fragten mich um Rat und ich half ihnen so gut es ging- durch Edelsteine, Handauflegen oder ähnliches.
Mittlerweile kannte ich so gut wie jeden der hier verkehrte.
Doch dann kam der Abend der alles veränderte.
Ich hatte ihn schon oft bemerkt; er kam fast jeden Abend-elegant gekleidet ohne affektiert zu wirken, seine Haut so rein und weiß wie Alabaster, seine stahlblauen Augen, die mich immer wieder aufs neue mit soviel Scharfsinn und Neugier musterten. Doch blieb er mir fern. Wie ein Raubtier, das ruhelos seine Beute umkreist .Etwas an ihm zog mich fast magisch zu ihm hin. Es war wie ein prickelndes Spiel zwischen uns beiden, wenn sich unsere Blicke trafen, über unsere Körper wanderten um einen Augenschlag später wieder auf etwas völlig anderem zu ruhen. So ging es eine unzählig lange Zeit. Bis das Raubtier sich an seine Beute heranwagte: Die Gäste waren so gut wie alle gegangen, die restliche bezahlten gerade noch an der Kasse. Ich räumte die letzten Gläser weg- als er plötzlich wie aus dem Nichts vor mir auftauchte. Ich zuckte leicht zusammen- woraufhin er mit schneller und gleichzeitig so schmeichelnder Bewegung meine Hand erfasste und einen leichten Kuss darauf hauchte:" Verzeiht mir, Schönheit der Nacht- ich wollte euch nicht ängstigen."Lauernd und neugierig ruhten seine Augen auf mir und ich hatte das Gefühl, als ob er bis in mich hineinschaute, selbst den tiefsten Teil meiner Seele erhaschte und ausleuchtete. Ich erschauderte, unfähig auch nur meine Hand aus der seinen zu ziehen. Seine Haut war so kalt wie Eis. Wieder sprach er mit sanfter Stimme zu mir: "Ihr scheint hier sehr bekannt zu sein.die Menschen mögen euch. Sie vertrauen euch. Euren "Fähigkeiten". Etwas verlegen wich ich seinem Blick aus: "Meine Fähigkeiten? Sie meinen die Teezubereitung und das Kartenlegen? Das ist doch nichts Besonderes."Er packte meine Hand fester: "Nein- das ist wahrlich noch nichts Besonderes;" erwiderte er leicht spöttisch; "aber bereits ein guter Anfang." - "Guter Anfang?" Ich sah ihn erstaunt an: "Anfang wovon?" Mit einer schnelle Bewegung hatte er mich plötzlich so dicht an sich herangezogen, das ich die Kälte seines Körpers deutlich spüren konnte. Er flüsterte mir sanft und schmeichelnd die Worte in mein Ohr, die alles ändern sollten: "Jeden Abend die Sorgen dieser Menschen anhören- wer hört deine Sorgen? Jeden Abend diese Menschen aufzubauen- wer baut dich auf? Ist es DAS was du wirklich willst- ein Lebenlang für Andere da zu sein? Wer war für dich da? Wärst du nicht auch einmal gern der, der entscheidet- einer, von denen die hier das Sagen haben? Nicht immer nur die kleine schwarze Maus hinter der Theke, in dem kleinen Laden- in deinem gesamten Leben?? Was wäre mit wirklichen Kräften? Du hast sehr viel Wissen.ich kann dir zeigen- wie du es richtig einsetzten könntest! Ich kann dir Dinge zeigen, die dich mächtig machen, die dich schlau machen, Dinge, von denen du nicht einmal zu träumen wagst." Er verharrte an meinem Ohr- abwartend. In meinem Kopf rauschte es, seine Worte schienen mich auf sonderbare Art und Weise betört zu haben. "Wozu brauchst du mich?" fragte ich ihn. "Brauchen?" Die Frage schien ihn zu belustigen. "Oh bitte- versteh mich nicht falsch- ich brauche dich überhaupt nicht! Du könntest mir nur sehr nützlich sein- ebenso wie ich dir nützlich sein könnte." Wieder verharrte er abwartend an meinem Ohr. Ich fühlte mich wie in einem Trancezustand. Er sprach von Macht, von wirklichen Kräften. Was meinte er damit? Wollte ich das? Ich ließ mein Leben Revue passieren, sah mich als ewige Außenseiterin, als Gehilfin meiner Mutter, als Kellnerin, die sich die Sorgen anderer anhörte, sah meinen Vater, der mich so anwiderte, sah Elias meinen einzigen Freund, der aber auch gut allein durchs Leben kam. Im Grunde war ich immer noch ein Niemand- vielleicht ein bekannter- aber nichtsdestotrotz ein Niemand. Die Worte von ihm klangen zu verlockend.einmal wirkliches Ansehen haben, einmal das Sagen zu haben- jemand zu sein- zu dem andere aufschauen. "Also schön, was ist der Preis dafür?" fragte ich ihn mit heiserer Stimme. Er schaute mich lange und durchdringend an ."Der Preis ist hoch- doch bekommst du dafür eine Menge!" Er packte mich mit festem Griff am Arm und zog mich in die hinteren Räume. Er drückte mich an die Wand und begann sanft mit seinen Lippen meinen Hals zu liebkosen. Ich merke wie mein Blut durch meine Adern rauschte- mir vollends meine Sinne vernebelte. Plötzlich spürte ich einen scharfen stechenden Schmerz an meinem Hals, der mir durch den gesamten Körper jagte. Ich wollte schreien, fühlte mich im nächsten Moment jedoch in völliger Ekstase. Ich spürte, wie er sich an meinem Hals festgebissen hatte und in gierigen Schlucken mein warmes Blut hinunterschlang. Ich spürte wie es über meine Kleidung floss- warm- rot. Mir war zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich bewusst, was da genau passierte, allzu sehr war ich in dem Rausch gefangen. Ich merkte, wie mein Körper schwächer wurde- schließlich hielt er inne, wandte mir sein Gesicht zu...seine Augen leuchteten rot und aus seinem Mund ragten zwei lange Eckzähne. "Noch kannst du entscheiden, willst du sterben oder ewig mächtig sein?" krächzte er.".Mächtig sein." sprach ich mit letzter Kraft- ohne zu wissen worauf ich mich einließ .Er schlitze seine Pulsadern auf und ließ das Blut in meinen Mund laufen. "Trink" befahl er, "trink". Und ich trank den verdorbenen Saft der Nacht, trank die Bosheit geradewegs in mich hinein.
Und dann starb ich- mein Körper auf schmerzvolle, schreckliche Art, meine Seele auf langsam schleichenden Wegen.
Als ich wieder zu mir kam, war nichts mehr wie es war.
Stille. Dunkelheit. Nacht.
Wo war ich? Was war geschehen? Ich versuchte meine Gedanken zu ordnen, doch fühlte sich mein Kopf an, als ob er jeden Moment platzen würde. Stöhnend drehte ich meinen Kopf langsam zur Seite. Was war nur mit meinen Ohren los? Ich hörte hunderte von Geräuschen, hatte das Gefühl als ob mein Trommelfell zum Zerreißen gespannt wäre. Hob meine Hände, um damit meine Ohren zu verschließen. Wurde mir langsam meiner Lage bewusst, ich schien auf einem kalten, harten Boden zu liegen. Doch wie lange schon? Langsam öffnete ich die Augen. Und erstarrte. Ich lag in einem dunklen Raum, vielleicht ein Keller, doch durchbrachen meine Augen diese Schwärze auf seltsame und faszinierende Weise. Ich sah die Steine in der Wand mit ihren unzähligen feinen Rissen und Unebenheiten, sah den Staub in den Ecken, die Nässe in den Wänden. Plötzlich nahm ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung war. Ich schaute und entdeckte ein Spinnennetz, in dem sich gerade ein Käfer verfangen hatte. Faszinierend betrachtete ich Netz und Käfer. Ich erkannte die Struktur jedes einzelnen Fadens, sah deren Feinheit- sah den kleinen Käfer, der sich hilflos verfangen hatte, sah ihn hektisch atmen, seinen kleinen Körper pulsieren. Und dann kam sie blitzschnell aus ihrer Lauerhaltung angeschossen. Mit ihren langen, beharrten Beinen umfing sie ihn, stieß ihre Klauen tief in den harten Körper des Käfers, spritze ihr Gift mitten in ihn hinein. Unfähig meinen Blick abzuwenden, nahm ich langsam die Hände von meine Ohren. Als sie begann den gelähmten Körper zu umwickeln, hörte ich dieses leise Rascheln, mit dem sie ihre Fäden um ihn webte, spürte ihre Gier- seine Furcht. Die Panik stieg in mir hoch, es war, als ob sie mir direkt ins Gesicht schaute, während sie langsam und genussvoll den Körper durch ihre Fäden erstickte. Angewidert und abgestoßen durch die schreckliche Intensität dieses Schauspiels sprang ich auf, begann zu schreien, schlug um mich, wollte nur noch raus aus diesem Raum.
Plötzlich wurde ich sanft gefasst: "Still,still." Jemand strich mir übers Haar, beruhigend, tröstend. Ohne mich umzudrehen, wusste ich, das er es war. "Du wirst durstig sein."sagte er leise zu mir. Ich drehte mich zu ihm um, und ja, da war es, ein Gefühl, als ob ich vertrocknen würde. Wortlos schnitt er sich mit einem kleinen Messer flink die Pulsadern auf, und ließ die dunkelrote Flüssigkeit in einen seltsam verzierten Kelch hineinfließen. Leise hörte ich ihn einige seltsame Worte murmeln, bevor er mir das Gefäß an meine Lippen setzte. Und ich trank. Ich trank erneut, und obwohl es mich abstieß, fühlte ich das Blut, wie es sich genussvoll in meinem Körper ausbreitete. Wie es mich durchfloss, mich erwärmte. Er nahm den Kelch von meinem Mund und ich taumelte zurück. Es war, als ob ich endlich klar denken konnte, mein Kopf fühlte sich so frei an. Mein Sehen, mein Fühlen, Hören, Riechen, Schmecken- meine Sinne schienen bis ins Letzte perfekt zu sein. Es stürzte eine Flut von Eindrücken auf mich herein, die mich erneut zum taumeln brachten. Und plötzlich fühlte ich einen unsäglichen Schmerz an meinem Körper, ich schaute auf meine Finger, wo bereits mein lebloses Fleisch anfing zu verdampfen und zwar genau dort, wo sich meine silbernen Ringe befanden. Ich schrie, und riss sie mir förmlich von den Händen. Ungläubig starrte ich auf mein verbranntes Fleisch. "Bei manchen zeigt sich eine hohe Unverträglichkeit von Silber;" wurde mir plötzlich wieder sanft ins Ohr geflüstert. Ich sah ihn an. "Was hast du aus mir gemacht?" schrie ich ihn an. Seine funkelnden Augen starrten mich an: "Ich habe dich zu einem von uns gemacht. Einem Kind der Nacht .Einem Kainskind- einem Vampir." Ich schluckte, im ersten Moment wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Das war doch nicht möglich. Ich setzte mich auf den Boden, nicht in der Lage etwas zu sagen.
Doch er erzählte:
Von den Kainskindern die unter uns leben. Von ihrem Fluch, ständig das warme Blut zu trinken, das durch die Körper fließt, niemals das Sonnenlicht zu sehen, nicht zu Essen, am Tag zu schlafen. Von der Camarilla, der Maskerade, unter der die Vampire leben und sich den Menschen nicht offenbaren. Vom Sabbat, dem die schrecklichsten der Kainskinder angehören. Von den Vampirclans die es gibt. Von unseren perfekten Sinnen, unserer Geistesstärke ,unseren Fähigkeiten, die sich bei jedem anders offenbaren .Er berichtete von Kain, dem ersten von uns und von Tremere, dessen Clan er- und nun auch ich, angehörten. Erzählte mir über die strengen Regeln unseres Clans, unsere außergewöhnlichen Fähigkeiten, unsere Gildenhäuser, unsere Vergangenheit .Benannte unsere Feinde und Möglichkeiten, sie zu beseitigen. Er erzählte vieles mehr, unendlich vieles .Am Ende nannte er mir seinen Namen: Vincent Schamir, mein Erzeuger.
Dies geschah nun vor etwa vier Jahren. Vincent war ein guter Lehrmeister, er zeigte mir was ich wissen musste, lehrte mich, formte mich. Ich besitze nun wirkliche Fähigkeiten, die mir Macht geben, doch bin ich trotz allem eine der untersten bei unserem Hierachat der Tremere, anderen meines Clans ergeben, doch es wird meine Zeit kommen, wo ich mich hocharbeiten werde, ich lege jetzt schon still und leise meine Weichen.
Ich bin zu allen freundlich, habe meine Ohren überall, tausche mit vielen nette Worte, lasse sie mir ihr Herz auch weiterhin auschütten. Denn wer weiß.im passenden Moment könnte es mir von Nutzen sein. Dadurch konnte ich mir bereits eine.nun ja vielleicht nicht ganz freiwillige "Herde" von Menschen schaffen.indem mir einige von ihnen zuviel Vertrauen entgegenbrachten und mir Dinge erzählten, die wirklich böse waren. Es wäre ,mir ein leichtes sie zu verraten, doch als Gegenleistung benutze ich dafür ihre weißen Hälse als Durstquelle.
Im Inneren verabscheue ich mich für das was ich tue. Ich verabscheue die meisten meiner Art.
Und so lebe ich hier also zwischen Menschen und den Kainskindern und behandele diese so, wie sie mich behandeln.
Ob wir irgendwann alle für unsere Sünden bestraft werden? Ich weiß es nicht, doch wäre es bereits jetzt zu spät um Vergebung zu bitten.
Kommentare
Corny schrieb am 2006-07-21 15:07:43:
Die schönste Vampirgeschichte die ich je gehört habe.
t_schoessler@yahoo.de schrieb:
Absolut Super!!! Schön geschrieben, mehr davon!!!
aimshyn@web.de schrieb:
leider viel zu früh aufgehört. meeeeeeeeeeeehr!!!! *bettel* wun-der-voll!
gaaaaanz tooooooll schrieb:
*schwärm*jubel*
nice text schrieb:
Wirklich sehr nett geschrieben ;) bitte weiter schreiben :D
Ines schrieb:
Wow. Super geschrieben!!! Ein großes Lob an dich. Könntest du bitte mehr schreiben?
Ich liebe solche Geschichten. :-)
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