Fensterblick
von
kathi669
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Fensterblick
Ihr Blick folgte dem Tropfen Blut, der sich seinen Weg auf ihrem Handrücken sucht. Fasziniert betrachtet sie auch die Spur, die die rote Flüssigkeit zurücklässt.
Erst als der erste Tropfen auf den Boden prallt löst sich ihre Aufmerksamkeit von dem Blut und richtet sich schlagartig auf den kleinen Spiegel, der in der Ecke über der Kommode hängt.
Bin das wirklich ich?
Sie sieht wie sich ihr Spiegelbild fragend und vorsichtig das Gesicht betastet. Verquollen und blutig ist es.
Sie sucht ein Taschentuch. Es dauert lange bis ihre Nase aufhört zu bluten.
Wie konnte es nur soweit kommen?
Sie nimmt ihren Stoffhasen und setzt sich auf die Fensterbank.
Oft hat ihre Mutter gefragt, ob sie den Hasen wegschmeissen soll. Nein, er war das einzige was ihr von ihrem alten Leben geblieben war.
Ihr Blick gleitet hinab, runter zu den Straßen, auf denen sich das Leben so viele Meter unter ihr abspielt.
Im Nebenzimmer schreit das Baby. Seit es da ist, ist alles noch schlimmer geworden.
Unten auf der Straße hupt ein Auto und eine Gruppe von Kindern überquert die Straße, um zu dem Spielplatz zu kommen.
Wann hatte er sie zum ersten mal geschlagen?
Zwischen dem Autolärm suchte sich Kinderlachen den Weg in ihre Ohren.
Seit wann war alles kaputt??
Ihr Blick fängt sich am Spielplatz, ein buntes Wirrwarr lachender Kinder.
Es wurde immer schlimmer. Sie fühlte sich wertlos, nutzlos, ungeliebt.
„Jetzt stell dich nicht wieder so an und mach den Abwasch! Er hat es bestimmt nicht so gemeint!“ – Ihre Mutter.
Sie reagiert nicht. Ihr Blick folgt gebannt einem kleinen Mädchen. Es lacht, wirkt vergnügt.
Sie öffnet das Fenster, unter ihr geht es viele Meter hinab.
Das Mädchen steht jetzt auf dem Balancierbalken.
Wie im Trance beobachtet sie es. Es rutscht ab.
Sie beugt sich aus dem Fenster, um besser sehen zu können.
Das Mädchen gibt nicht auf, klopft sich den Sand aus den Anziehsachen und versucht erneut über den Balken zu laufen.
Langsam löst sich ihre Hand von dem Fensterrahmen, die andere umklammert ihren Stoffhasen fester.
Sie nimmt wahr, dass das Mädchen nach dem 2. gescheitertem Versuch doch aufgibt und zu den anderen Kindern läuft.
Gedanken rasen ihr durch den Kopf.
Ihr Stoffhase landet nur wenige Meter von ihr entfernt auf dem Boden.
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Kommentare
Kathi669 schrieb am 2007-03-19 21:40:56:
Danke Nina, freut mich, dass dir meine Geschichte gefällt!
lg Kathi
Nina schrieb am 2007-03-19 16:16:08:
Nach meinem persoenlichen Empfinden, ist ein Text erst dann richtig gutgeschrieben, wenn ich waehrend des Lesens schon ein Bild von der jeweiligen Situation vor Augen haben. Desto laenger mir dieses Bild in Erinnerung bleibt umso treffender wurde es beschrieben.
Dir ist dies gelungen. Sehr gut.
Gruss
Nina
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