Folge ihr
von
Schattenwort
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Ich war eingesperrt Tage, Wochen, Monate,
Tage ohne ein menschliches Gesicht zu sehen,
Wochen mit Beruhigungsmitteln gesättigt,
Monate, ohne dass mich die Stimmen verließen,
sondern nur noch lauter schrieen:
Tu’s ihr gleich, folge ihr!
Mein Leiden war unklassifizierbar;
sie machten mich leise, still, müde,
holten mich fern und nah im Geiste,
wollten mich chemisch erfreuen.
Doch ist das menschliche Gemüt kein Labor.
Tu’s ihr gleich, folge ihr!
Es half doch alles irgendwie – ein wenig.
Ich zerstörte mich nicht mehr stückweise,
hatte am kleinen Leid jede Lust verloren,
denn es reicht ein Sprung hinüber,
lässt man nur das herausschleichen.
Tu’s ihr gleich, folge ihr!
Ich kannte nur drei Besucher, Arzt und Stimmen...
doch da war noch sie, die einmal kam.
Sagte wäre die Freundin einer Freundin.
Sprach mir Mut zu, hielt die Hand,
die sonst nur Nachrichten ins Fleisch schnitt.
Tu’s ihr gleich, folge ihr!
Ihre Nähe ließ mich das vergessen,
was die Drogen mir nicht nehmen wollten.
Sah ich nun doch Licht am Ende des Tunnels,
ohne mit der Vergangenheit ein Grab zu teilen,
denn es gab nur den Blick nach vorn.
Tu’s ihr gleich, folge ihr!
Atmen, Luft, Sonnenlicht, Fernblick.
Man ließ mich gehen, folgte ich nun ihr,
ließ die Vergangenheit ruhen, folgte der Zukunft.
Ging zu meinem Besucher als ein Vertrauter fast.
Wir reichten uns die Hände und küssten einander.
Tu’s ihr gleich, folge ihr!
War ich doch nun wieder unter Lebenden,
wollte doch nun auch ich genießen,
lernte jene kennen, die meine Vergangenheit teilt
und nun ebenso das Leben genießen will,
auch reichte ich ihr die Hand und wir küssten uns.
Tu’s ihr gleich, folge ihr!
Doch war ich nur betäubt im Rausch des Lebens;
wollte vieles nachholen, das undenkbare;
wies sie zurück für bereits vertraute,
so dass sie unserer Vergangenheit verfiel
und mit meiner wiedererweckten Seele starb.
Tu’s ihr gleich, folge ihr!
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