Franks Idee
von
Glory Halleluja
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sie ungebetene Gäste empfangen hätten? Egal. Sie kamen im Erdgeschoss an, der Lichtstrahl fiel sofort auf eine riesige Flügeltür, prächtig geschmückt mit Ornamenten und Engelskindern, deren Hände als Türgriffe dienten. „ Jaaaaaa, Jackpot, Baby!“ Kalle klatschte in die Hände und lachte leise. “ Das ist es Jungs! In diesem Raum“ er drückte die Engelshände nach unten, „ finden wir unser Glück! Hier wartet unser Schicksal, eine Zukunft in saus und Braus!“ Silas führte einen kleinen Freudentanz auf, auf Zehenspitzen natürlich, bis ihm Leonard in die Arme fiel. Frank spähte auf die sich bereitwillig öffnende Tür. Fast erwartete er, schon Gold und Silber blinken zu sehen; Münzen würden aus überquellenden Kisten klimpern oder im gesamten Raum würden Münzen schwenken wie in Dagobert Ducks Geldspeicher. Aber nein. Das Büro, das sich hinter der Tür auftat, war ordentlich aufgeräumt und wartete auf seinen Herren Auf dem wuchtigen Marmorschreibtisch jedoch standen, fein säuberlich aufgereiht, fünf Aktenkoffer. „ Diese Koffer“, erklärte Kalle, während er so vorsichtig und unsicher den Raum betrat, als könne er sein Glück kaum fassen, „ beinhalte eine beträchtliche Bargeldsumme, die der werte Herr des Hauses morgen der hiesigen Aktiengesellschaft zur Verfügung stellen wird…wollte.“ Er streichelte zärtlich über den Griff des ersten Koffers, schon fast ehrfürchtig fuhr er über die Schnallen und sah seine drei Kumpanen an.“ Was steht ihr da noch herum? Greift zu! Los, los!“ Und schon drückte er Leonard den ersten Koffer in die Hand. Als Frank an der Reihe war, beschlich ihn ein mulmiges Gefühl. War das Glück wirklich so leicht greifbar? Meinte es das Schicksal diesmal wirklich gut mit ihm? Oder gab es einen Haken? Nein, diesmal musste alles gut gehen. Bilder tauchten wieder vor seinem Gesicht auf: Lotti. Lachend. Steckte sich Scheine in den Ausschnitt ihrer Bluse. Drehte sich in einem glitzerndem Goldregen. Und da- zwei Kinder, wohlgenährt und unbeschwert, tanzten um sie herum und zwitscherten vergnügt ein Lied…
Frank packte mit festem Griff zwei Koffer, einen links, einen rechts, hätte fast aufgelacht mit dem Gefühl, das Glück in den Händen zu halten.
Und plötzlich, urplötzlich, hörte er Schritte.
„ Nein“, stammelte er. „ Da ist nichts! Da kann nichts sein!“ Doch die Schritte waren wirklicher als alles andere in diesem Moment, laut und deutlich polterten sie die Treppe hinunter; es mochten sechs oder sieben Personen sein, aber sie näherten sich rasend schnell. Und dann kam das Hundebellen, so laut und hallend, dass es nur aus besonders lauten und großen Hundekehlen entstammen konnten.
Kalles Gesicht entwich jegliche Farbe. „ Das Handy!“, presste er hervor. „Leonard, dein Handy war tatsächlich aus! DAS WAR DIE ARLARMANLAGE!“ Er heulte enttäuscht auf und fegte eine kleine Lampe vom Schreibtisch. Unruhige Blicke flogen umher. Wenn selbst Kalle verzweifelte, waren sie so gut wie tot.
Schwere Stiefel stampften gleich Trommelschlägen über sie hinweg, nur unterbrochen von scharfem Gebell und Knurren. Plötzlich trat Silas , dessen Hände so schweißnass waren, dass die Koffer hin- und herrutschten, trat einen Schritt vor. „ Kalle, der Haupteingang! Wenn sie von oben kommen, nehmen wir einfach den Haupteingang!“ Und schon war er weg, sah sich nicht um, aber das war nicht nötig, Frank folgte ihm auf dem Fuß genauso wie Kalle und Leonhard. Alle Geräusche klangen seltsam dumpf in Franks Ohren. Kalles antreibende Rufe hinter ihm, dicht gefolgt vom Klappern scharfer Hundekrallen auf mamornen Fließen, am deutlichsten jedoch hörte er seinen Puls rauschen und seine in heftigen Stößen hervorgepressten Atem. Er war noch nie so schnell gerannt. Links, rechts- Franks Schultern streiften Regale, Hals über Kopf stolperte er Treppenstufen hinab, schneller, immer schneller-
Urplötzlich stieß Silas vor ihm beide Beine in den Boden und sein Blick fegte orientierungslos durch den Raum. „ Wohin?“, kreischte er panisch. „ WEITER!“, brüllte Frank und versuchte ihn wegzuschubsen. Aber erst als Kalle und Leonard an ihnen vorbeisprinteten, setzte er sich in Bewegung.
Zu spät.
Ein triumphales Bellen war das einzige, was Frank mitbekam- dann drückte ihn ein Berg aus Fell und Tatzen zu Boden und nadelspitze Zähne bohrten sich in sein Bein. Frank schnappte nach Luft. Die Koffer entglitten seinen Fingern und Sternchen tanzten vor seinen Augen. Der Hund, zwischen dessen speicheltriefenden Fängen sein Bein eingezwickt lag, zwang ihn mit seinem gesamten Körpergewicht in die waagrechte Lage, schwere Schritte polterten heran es war aus, alles aus-
Frank ballte die Fäuste. Nein…nein…Dotti!
Ihm war. Als würde sein nächster Herzschlag einen neuen Energieschub durch seinen Körper pumpen. Als ob es einen eigenen Willen entwickelt hätte, trat sein freies Bein mit voller Wucht zu. Der Hund japste; beinahe klang er menschlich, und wich winselnd zurück. Mit fliegenden Fingern tastete Frank über den Boden. Die Koffer, die Koffer…einen erhaschte er, umschloss ihn mit festem Griff und rappelte sich auf. Hinter ihm schälte sich der umriss eines Polizisten aus der Dunkelheit, aber da war er schon auf den Beinen, rannte, rannte, ohne zu wissen, wohin, nur raus. Sein Herz schlug wie die Flügel eines verängstigten Vogels, seine Rippen schmerzten, aber er flog davon, stieß die Tür auf und sprang in die kalte Nachtluft. Kies unter den Füßen. Weiter. Ein gleißend helles Mondgesicht. Weiter. Und dann. Der Lieferwagen.
Kalle saß bereits am Steuer und startete, sobald Frank in Sichtweite war. Dieser übersprang die letzten Schritte und kletterte auf die Ladefläche. Kaum hatten sie die Türen zugeklappt, quietschten die Bremsen und sie ließen die Villa samt Sicherheitspersonal Meter für Meter zurück.
„ Haben wir ein Schwein!“, flüsterte Silas heiser. Er und Leonard knieten vor ihren Koffern, immer noch zitternd, aber erleichtert. Frank setzte sich ebenfalls und zog sich stöhnend sein linkes Hosenbein nach oben. Rot, alles rot. Gequält winkelte er das Bein ab und zog stattdessen seinen Koffer auf den Schoß.
Jetzt. Jetzt war es so weit. Dafür mussten sich alle Schmerzen und Mühen gelohnt haben. Schon morgen würden er und Dotti das Geld auf ihrem Esstisch ausbreiten wie sie es sonst nur mit bunten Weihnachtskärtchen zu tun pflegten.
Frank klappte die silbernen Schnallen auf. Kurz ruhten seine Hände noch auf dem schwarzen Lederdeckel. Ohne zu wissen, warum , schmeckte er Misstrauen auf der Zunge . Dann schlug er den Koffer auf.
Er war leer.
Neben ihm erklang ein schmerzliches Aufheulen, und auch Frank wimmerte, lehnte sich an die Wände des Lieferwagens und starrte hinaus in die schwarze Nacht.
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