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Kategorien > Gewalt und Mord > Rache

Free From Suffering

von Lucifer

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[Hintergrund: Dieser kleine Ausschnitt meiner (durchaus längeren) Geschichte handelt von der 16-jährigen 'Hammertänzerin' Kerry Kinsaw. Ihr Vater hat sie oft missbraucht, was ihre Mutter Kerry nicht glaubt. Diese ist Wirtin einer Herberge und deshalb selten zuhause.]

Es fing langsam an zu dämmern. In ein paar Minuten würde ihr Vater nach Hause kommen. Zum letzten Mal.
Kerry saß im Dunkeln auf der Treppe. Sie hatte die Sicherungen heraus genommen.
Ihr Gesicht war entspannt. Sie fühlte etwas, dass sie in dieser Form noch nie zuvor gespürt hatte. Dieses Gefühl näher zu definieren, „Lust“ und „Vorfreude“.
Ja, sie freute sich. Viel zu lange musste sie leiden. Viel zu lange wurde sie unterdrückt.
Die Narben auf ihrem Körper sind bis zum tiefsten Grund der Seele durchgesickert. Endlich werden die Qualen ein Ende haben. Das hätte sie schon früher tun müssen.
Plötzlich hörte sie, wie sich der Schlüssel im Schloss umdrehte. Er trat ein. Der Mann, dem ihre Mutter mehr glaubte, als ihr. Ihr Vater. Er betätigte den Lichtschalter.
Kein Licht. Showtime.
„Verdammte Scheiße…“, fluchte er und lief die Kellertreppe hinunter. Zum Aggregat.
Kerry folgte ihm lautlos. Sie hatte einen Vorschlaghammer in der Hand.
Vincent näherte sich dem Sicherungskasten. Seine Tochter schlich ihm hinterher.
In dem Moment, als er die Hand zum Kasten führte, schlug sie zu.
Ein dumpfes Geräusch erklang, als der Hammer seinen Schädel traf. Mit einem Schrei ging er zu Boden.
Kerry fühlte sich schon sicher. Sie schloss die Augen und lehnte sich an die Wand.
Doch es war noch nicht vorbei.
Ihr Vater stand langsam wankend auf und fasste sich an die Stirn. Er betrachtete die blutige Hand. Dann ging er auf seine Tochter zu. Kerry öffnete die Augen wieder und fuhr zusammen. Rasch holte sie zu einem erneuten Schlag aus, doch Vincent packte ihren Arm. Er schlug ihr den Hammer aus der Hand und warf sie auf den Boden.
Er kniete sich zu ihr. „Schlampe! Was hast du Dir dabei gedacht?!“, schrie er und schlug ihr ins Gesicht. Kerry fühlte den Schmerz schon gar nicht mehr.
Vergeblich streckte sie ihren Arm aus. Der Hammer lag zu weit weg. „Bastard“, zischte sie.
Da begann er sie zu würgen. Seine rauen Holzfäller-Hände umschlangen fest ihren Hals.
Sie krallte mit ihren spitzen Fingernägeln in seine Hände und versuchte sich zu befreien, doch es half nichts. Er war einfach zu stark.
Speichel lief ihr aus dem Mund. Ihre Sicht verschwamm. Für einem kurzen Augenblick der Ohnmacht sah sie nur Schwarz. Doch Kerrys Überlebenswille riss sie zurück ins Bewusstsein.
Sie biss sich auf die Lippen und streckte ihren Arm nach Vincent aus. Sie kratzte sie ihm das linke Auge aus. Er ließ sich zur Seite fallen und fasste stöhnend in die leere Augenhöhle.
Kerry wich zurück und zog sich an der Wand hoch. Schweißperlen wanderten über ihre Wangen.
Sie atmete tief durch.
Dann griff sie nach dem Hammer. Ihr Vater hatte sich gerade aufgerichtet, da schlug sie wieder zu. Doch diesmal war es mit einem Schlag nicht getan. Sie schlug auf ihn ein. Wieder und wieder. Ein ums andere Mal. Blut spritzte in ihr Gesicht. Sie warf für einen Moment den Kopf in den Nacken und genoss den Lebenssaft ihres Peinigers. Kerrys Augen waren weit aufgerissen und ihre Mundwinkel angespannt.
Als er sich nicht mehr rührte, stieg etwas in ihr auf. Ließe sie es nicht heraus, würde sie ersticken. Es fühlte sich an, als müsste sie kotzen. Doch es war kein Würgereiz.
Kerrys Mund formte sich zu einem dunklen Grinsen. Sie brach in geisteskrankes Gelächter aus.
Sie lachte und konnte nicht mehr aufhören. Das Blut an ihren Händen bedeutete Freiheit.

Nachdem Kerry sich beruhigt hatte, schleifte sie die deformierte Leiche ihres Vaters die Treppen hinauf, den Flur entlang, hinaus aus dem Haus. Nebenbei malte sie unbeabsichtigt eine tiefrote Straße.
Sie richtete den Blick gen Himmel.
Das Abendrot überschattete die Landschaft. Es war Herbst.
Kerry zog den toten Leib hinter sich her, durch den Wald. Zum klischeehaften Morast.
Sie grinste immer noch. Nichts konnte ihr die Laune verderben.
Nicht mehr weit. Gleich hinter der Lichtung war der Fenn, der bodenlos zu sein schien.
Mit den Worten „Viel Spaß in der Hölle“ ließ Kerry ihren eigenen Vater auf den Grund des Sumpfes sinken.
Kerry war glücklich.
Als sie den Heimweg antrat und schließlich zuhause ankam, war es bereits dunkel.
Ihre Mutter war noch immer in der Herberge. Das war die Perfektion.
Fröhlich und verheißungsvoll ein Lied pfeifend, wischte sie das Blut im Keller auf.
Auch den Vorschlaghammer reinigte sie. Es stimmte sie fast schon traurig, ihre Hände
zu waschen, wo doch das schöne Blut daran klebte.

Ihrer Mutter erzählte Kerry, ihr Vater sei nie von der Arbeit zurückgekommen.
Bis heute wird Vincent Kinsaw als vermisst gemeldet.
Kerry hatte für ihre Tat nie auch nur einen Hauch Reue verspürt.

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