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Kategorien > Fantasy > Abenteuer

Frei und wild

von Zahra Kritar

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2.Kapitel

Angewidert stocherte Tyra in dem Essen herum. Die Soße hatte die Farbe von minzgrün, das Kartoffelpüree zerlief von seiner Konsistenz über den ganzen Teller und der panierte Hering war kaum noch mit ein Stück Fisch zu vergleichen, sondern ehr mit einem Häufchen Kohle. Helener hatte alle Hände voll zu tun die aufgestapelten Pfannen abzuwaschen. Mit geschickter Bewegung beförderte Tyra den Inhalt des Tellers in den Müll. Ihr Vater kam meist spät nach Hause(was mit den Kochkünsten ihrer Stiefmutter zu tun haben könnte)und ließ sich vor 9 Uhr nicht blicken. Helener war das egal, sie liebte ihren Vater und gab sich alle mühe eine gute Mutter für Tyra zu sein. Am Anfang, als sich Helene in ihrem Vater-Tochter Leben drängte war sie alles andere als erfreut darüber. Tyra ertappte sich sogar dabei, mit dem Wunsch Helener würde beim nächsten Einkaufen von einem Lastwagen überfahren. Mittlerweile duldete sie ihre Stiefmutter, begegnete ihr jedoch immer noch mit Abstand der sich nicht so leicht verkleinern wird. Keine Frau auf der Welt wird jemals den Platz ihrer leiblichen Mutter einnehmen können. Als sie klein war fragte Tyra oft nach ihrer Mutter und ihr Vater antwortete jedes Mal „ Aber Ty, das habe ich dir doch schon so oft erzählt.“
„Dann tu es noch mal!“ das war immer die Antwort mit der sie ihren Vater nervte, bis er sich hinsetzte, sie auf den Schoß nahm und ihr traurig in die Augen blickte. „Du kamst damals sehr schwach auf die Welt Ty, die Ärzte kämpften um dein Leben und hätten es fast verloren. Deine Mutter war schon damals, als ich sie das erste Mal sah etwas ganz besonderes, wie du.
Nach deiner Geburt erholte sie sich nur schwer und in ihren Augen lag immer eine Sehnsucht die ich nicht verstand. Eines Nachts sagte sie zu mir, es muss so sein und schrie mich so lange an, bis ich einwilligte und sie zum Krankenhaus fuhr. Sie stürzte in dein Zimmer wo du kleines Würmchen an den Maschinen geklebt warst, die dich am Leben hielten. Es piepte, summte und gluckerte und du warst so hartnäckig und wolltest einfach leben. Deine Mutter schob mich aus dem Raum und drückte mir ein Päckchen in die Hand, mit der Bitte es dir eines Tages zu geben. Was dort drin war, weißt du ja, ich selbst traute mich nie es zu öffnen. Jedenfalls schloss sie die Tür ab und ich hörte wie sie die Kabel von dir entfernte. Ich schrie und hämmerte gegen die Tür, hilflos und entsetzt darüber, dass sie so dumm war und das vernichtete was dich retten sollte. Auf einmal fühlte ich eine wärme in mir, wie nach einem schönen Frühlingstag. Ich wusste, dass nichts passieren würde. Die Nachtschwestern hatten mich natürlich gehört und eilten herbei, doch ich beruhigte sie und wusste selbst nicht warum. Die ganze Nacht verharrte ich vor deinem Zimmer und am Morgen wachte ich durch ein leises klicken auf. Die Tür stand einen kleinen Spalt offen. Ich ging hinein und nahm dich in meine Hände und du Ty, fingst an zu weinen, wie ein ganz normales und gesundes Baby. Du schlugst die Augen zum ersten Mal auf und schautest mich an, mit denselben Augen deiner Mutter. Da erst, viel mir auf das sie weg war. Du solltest sie nie kennen lernen.“ Mit tränen in den Augen ihres Vaters endete die Geschichte und da Tyra damals, wie heute es nicht ertragen konnte, wenn ihr Vater weinte umarmte sie ihn und flüsterte ihm ins Ohr“ Aber ich habe doch dich.“
„Meine Kochkünste werden immer besser.“ Tyra schreckte aus ihren Erinnerungen hoch.
„Was?“
„Ich sagte, dass meine Kochkünste sich verbessern.“ Helener schaute zufrieden auf den leeren Teller, der vor ihr stand. Wenn du bloß wüsstest, fügte Tyra in Gedanken hinzu.
„Willst du Nachschlag?“
„ Also, “ sie versuchte eine Nachdenkliche Miene auf zu setzen „eigentlich bin ich satt.“
Notlügen waren meist die beste Variante die Gefühle eines anderen nicht zu verletzen und selbst heil daraus zu kommen. Ihre Schauspielerkünste waren noch nie besonders und als gute Lügnerin wollte sie sich erst recht nicht bezeichnen, doch Helener viel das nicht auf, nicht, wenn sie glücklich ist.
„ Dann hebe ich dir eine Portion für Morgen auf, wenn du aus der Schule kommst.“


Seite 4
Da war es schon wieder, was Tyra so sehr haste. Helener versucht eine gute Mutter zu sein, aber eine Mutter wird sie nie für Tyra werden, nicht Morgen und auch nicht in 20 Jahren.
Sie war durch Heleners miserablen Kochkünsten nun schon Stammkunde beim Becker. Zur Verwunderung ihrer Mitschüler, was zu neuen Hänseleien führte, aber die kümmerten sie wenig. Ausdruckslos antwortete sie „tu das. „ Und schon wuselte ihre Stiefmutter in der Küche herum(in der es Aussah, als hätte eine Bombe eingeschlagen) und suchte Behälter für den weit entfernten Begriff, Essen, was sich nicht einmal annährend so beschreiben ließ. Tyra verließ mit finsterem Blick die Küche. Wutentbrannt schleuderte sie ihre schwarzen Tanzschuhe in den Turnbeutel und die restliche Sportsachen gnadenlos mit hinzu. „Sag nichts, “ versuchte Tyra sich einzureden, „sie will nur eine gute Mutter sein, bei einem Kind das sie nie akzeptieren wird.“
Tyra zog sich ihre dicke Ski-Jacke an, weiche Lederhandschuhe und braun, weiße Stiefel, die ihr zu groß waren. Sie schmiss sich die schwere Sporttasche um die Schultern und legte die Hand auf die Haustürklinke, doch zu spät, das, vor was sie eigentlich fliehen wollte, meldete sich nun zu Wort. „Tyra ?“ Sie hielt in der Bewegung inne und verzog das Gesicht. Konnte man nicht einfach in Ruhe gelassen werden? „Soll ich dich zum Tanzen fahren?“ fragte Helener.
Schreien, brüllen, heulen, lachen und weinen. Danach wäre Tyra jetzt zumute, und zwar zu kreischen, GEH, VERSCHWINDE AUS MEINEM LEBEN!!!
Das konnte sie nicht, dazu hatte sie den Mut nicht und später würde es ihr Leid tun. Tyra biss sich auf die Lippen und schluckte die Worte, die ihr auf der Zunge lagen herunter. Murmelnd brachte sie heraus, es sei schon in Ordnung, schließlich war es nur ein paar Straßen weiter, damit schloss sie die Tür und hinterließ eine fassungslose Frau, die die Welt nicht mehr verstand.


Es war kalt. Eis hatte sich auf den Straßen und Gehwegen gebildet und behinderte das Gehen.
In der Luft hing der süßliche Geruch von gebrannten Mandeln, mit Karamell überzogene Äpfel, Weihnachtssterne und köstlich duftende Lebkuchenherzen. Kinder jauchzen vor Freude auf das baldige Fest und wälzten sich im dreckig braun-grauen Schnee herum, der überall am Straßenrand lag. Erwachsen dagegen rannten hektisch von einem Geschäft zum nächsten die letzten Wünsche und Vorbereitungen zu besorgen. Aus allen Schaufenstern sahen Tyra runde Weihnachtsmänner, Renntiere und Schneemänner an. Lachten und riefen beim vorübergehen,
„ Frohe Weihnachten !“
Plasiktannen, künstlicher Schnee und Sterne aus glitzerndem Papier vollendeten die dargestellte Landschaft in den Läden.

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Kommentare

Sturmkind schrieb am 2007-06-17 21:18:36:
Kleiner Tipp: Es ist immer gut, wenn man schon im Titel erwähnt, welches Kapitel es ist [z.B. Frei und wild (1) - eben für Kapitel eins und dann Frei und wild (2) etc.) Da muss man dann nicht immer nachsehen, welcher Teil denn jetzt wo stand =)

Ansonsten fand ich es ganz gut zu lesen. Besser als das erste Kapitel von den Fehlerchen her, finde ich. Die oben bereits genannten Fehler sind mir auch aufgefallen. Wobei das mit dem "viel" das macht man manchmal falsch, wenn man schneller schreibt, als denkt. Passiert mir auch manchmal ;-) Sollte man dann einfach nochmal durchlesen und vielleicht fällts auf.

Jedenfalls: Mach weiter so. Aus Kritik lernt man. Keiner von uns meint es böse =)
Anariel schrieb am 2007-06-14 00:57:57:
Hi,
wieder ein sehr schöner Auftakt, läßt auf mehr hoffen.
Aaaber...du springst wieder mal zwischen den Zeiten umher, also schreibst manches mal in Vergangenheit und dann haust du einige Sätze in Gegenwart rein, vor allem am Anfang.
Und ich bin über ein,zwei Rechtverschreiber gestolpert:..............."doch Helener viel das nicht auf" ....das viel schreibt sich mit f nicht mit v . Kommt von ´fallen´.
und:....... "ihre ein zigste Erinnerung..."....ihre einzige Erinnerung meintest du wohl.;)
Aber solche Verschreiber passieren schon mal, auch mir.
Ich schlage dir vor, die Geschichten bevor du sie einsendest nochmals durchzulesen, am besten ein zwei Stunden nachdem du sie geschrieben hast. Da fallen einem doch noch viele Fehlerchen auf.

Laß dich aber von meiner Kritik ja nicht abhalten weiter zu schreiben. Deine Ideen sind toll, der Stil an und für sich flüssig und bis auf das Zeitspringen auch angenehm zu lesen.
Also mit deinen dreizehn Jahren kannst du wirklich stolz darauf sein.

Mit liebem Gruße
Anariel

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