Fremde Welt
von
D. Babic
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Es ist nur zwei U-Bahn Stationen von mir entfernt. Der nächste Stadtteil...Der auf mich aber wie eine Parallelwelt wirkt. Diese Farben. Diese Gerüche. Diese Leute. Dieses Gerede. Als Deutscher ist man hier tatsächlich der Ausländer im eigenen Land. Kopftuchträgerinnen und Männer mit Gebetskränzen. Schwarzköpfe und Schnurbärte. Sie waren einst Gäste. Nun sind sie Staatsbürger. Sie sind das, was die Algerier in Frankreich sind. Sie sind das, was die Schwarzen in Harlem sind. Einst Ausgebeutete, nun Ausbeuter. Eine Parallelgesellschaft, die sich aus tausenden von Unterdrückten gebildet hat und nun die Deutschen zu dem machen, was die Indianer in den USA sind. Sie haben ihre Läden überall. Ihre Restaurants. Ihre Kulturvereine. Ihre Gebetsstätten. Über den Gebäuden liest man die ungewöhnlichen, aber erstaunlichen Kaligrafien und Schriften. Auf den Straßen hört man fremde, aber wohklingende Sprachen. Sie sind alle unter sich. Sie haben hier, was sie in der Heimat haben. Oder ist dies ihre Heimat? Haben sie es tatsächlich geschafft, sich ihre kleine Welt zu bauen? Sie kaufen ihre Ware bei ihren Leuten. Sie lassen sich die Haare schneiden von ihren Leuten. Sie gehen essen bei ihren Leuten und mit ihren Leuten. Die Straßen sind voll. Alle kennen sich. Sie lachen. Sie grüßen respektvoll mit der Hand aufs Herz. Wo ist dieser Respekt bei den Deutschen zu finden? Etwa bei den ständigen und vorurteilsvollen Nörgeleien? Moschee und Plattenbau sind vereint. Die Deutschen haben es alles erlaubt und nun beschweren sie sich. Die kommen nie zur Ruhe. Kein innerer und äußerer Frieden. Doch hier ist er zu finden. In meinem Land. Obwohl ich nur ein paar Straßen von zu Hause entfernt bin, komme ich mir vor wie in der Ferne. Ich bin auf dem Weg mir meine leckere Salami zu kaufen. Beim Deutschen kannst du so etwas genussvolles nicht bekommen. Die deutsche Küche ist nicht so variabel. In den naheliegenden Schulen behandeln sie türkische Literatur. Während auf meiner Schule immer der selbe Müll durchgekaut wird. Sie sorgen sich um ihre Töchter. Während die Deutschen ihre rauswerfen, sobald sie volljährig sind. Sie sind alle vereint. Sie feiern sich gegenseitig. Sie sind in ihrer Welt. Wo alles stimmt, um den richtigen Weg im Leben zu erreichen. Ob sie hier noch Platz für mich haben...?
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