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Kategorien > Historisches > Liebe

Fremdes Land 1

von Lilly

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Der Wind wehte durch ihr feuerrotes Haar und lies ihre langen Locken tanzen. Sie spürte die Spur einer Träne, klebend auf ihrer mit wenigen hellen Sommersprosen gesprießten Wange.
Was Tat sie hier nur? Warum war sie nur auf dieses Schiff gegangen und entfernte sich immer weiter von ihrem Zuhause? Wie konnte sie dies nur mit sich machen lassen? Warum hatte sie sich nicht mehr gewehrt?
Sie hätte sich gegen ihren Vater und dessen Entscheidung stellen müssen. Noch nie gab sie so schnell auf wie in diesem Moment. Sie erinnerte sich noch, wie sie geläutert am Tisch saß und seinem Urteil folgte, als wäre es von Gott selbst. Sie spürte wie ihr Herz aussetzte, ihre Seele zu bluten begann und sie wusste, das es keinen Sinn machte sich dagegen zu wehren. Wie in der Ferne hallte seine Stimme in ihr Bewusstsein und obwohl sie seine Worte hörte, realisierte sie alles und die darauf folgenden Auswirkungen erst wenige Stunden später.
Sie hatte nicht die Kraft sich zu wehren und das bereute sie nun zutiefst.
Frierend schloss sie ihre Arme um ihren schlanken Körper und atmete tief durch.
Oliver … was tat er jetzt nur? Vermisste er sie schon, oder war er erleichtert, sie doch nicht heiraten zu müssen? Schnell schob sie diesen absurden Gedanken wieder von sich und hoffte, dass der Schmerz in ihrem Herzen bald nachlassen würde und dass auch er darüber hinweg kommen würde.
„Madame?“
Erschrocken wandte sie sich der dünnen Stimme zu und erkannte den Schiffsjungen, der hinter ihr stand. Er wirkte auf sie irgendwie nervös und verloren.
„Ihr …“, stotterte er:“ Ihr solltet unter Deck gehen, es … es wird gleich beginnen zu regnen.“
Ohne sofort zu gehorchen, blickte sie wieder auf das endlos wirkende Meer. Es war noch keine Wolke am Himmel zu sehen, nur der Wind nahm stetig zu und die Wellen schlugen immer lauter gegen den Rumpf des Schiffes. Etwas unbeholfen strich sie sich eine Strähne aus ihren langen Wimpern und seufzte leise. Dann nickte sie, wenn auch etwas zögerlich und atmete noch einmal tief durch. Sie sog die schwere salzige Luft in ihre Lungen, hielt diese für einen Augenblick darin gefangen und ging. Der Junge sah ihr verträumt nach.


Steile Stufen waren der Weg in den dunklen Bauch des Schiffes. Sie musste sich beim herabsteigen gut festhalten, denn es schwankte bedächtig. Sie hasste diese Dunkelheit, diese Lustlosigkeit und dann dieser absonderlich Gestank, der sich unglaublich schwer auf ihre Zunge legte.
„Wo warst du nur schon wieder, Fiona?“
Die ungeduldig klingende Stimme ihrer Cousine Mia ließ sie vom feuchten Boden aufblicken. Sie hatte auf dem Schiffsdeck fast vergessen wie erdrückend dunkel es dort unten war. So brauchte sie einige Sekunden um sich an das Schwarz ihrer Behausung zu gewöhnen und sie auszumachen.
In dem Raum unter Deck, befanden sich noch sieben weitere Frauen. Sie lagen auf ihren Betten, sahen krank aus oder unterhielten sich laut schnatternd. Die Luft wurde von Tag zu Tag immer schlechter und der Wellengang machte ihnen allen sehr zu schaffen. Es roch nach erbrochenen, Exkrementen aller Art und nach ungewaschenen Körpern. Sie ging schweigend zum Fass mit dem Trinkwasser und schöpfte sich etwas davon heraus. Dieser Gestank legte sich jedoch schnell wieder wie ein undurchdringbarer Pelz auf ihre trockene Zunge.
„Du sollst doch nicht alleine nach oben gehen.“
Ermahnte Mia sie noch einmal, als diese auf ihre Frage hin nicht reagierte. Immer noch stumm, setzte Fiona sich auf die Kante ihres Schlafplatzes und starrte auf ihre Hände, die sittsam in ihrem Schoss lagen. Mia erkannte schnell, dass mit ihrer Cousine etwas nicht stimme und ging vor ihr in die Hocke. Zärtlich umfasste sie ihre gefalteten Hände und fragte besorgt:“ Fiona, du bist doch sonst nicht so schweigsam, ist etwas geschehen?“
Gequält sah sie über den Kopf von Mia hinweg und kämpfte gegen das ständige, für sie ungewohnte Schwachsein an.
„Ich will wieder nach Hause … ich will wieder zurück zu Oliver!“
„Oh kleines, das geht nicht.“
Mias Mitleid stieg.
„Aber ich liebe ihn doch.“
Zärtlich streichelte sie über Fionas ausgekühlte Wange und brachte sie somit dazu ihre Fassung wieder zu verlieren. Hemmungslos liefen die Tränen über ihre geröteten Wangen.
„Ich weiß und deine Eltern wissen das auch, doch haben wir in Irland keine Zukunft. Fiona, wir verhungern dort.“
„Aber er hätte für mich sorgen können, das hat er immer wieder gesagt, selbst Vater war gewillt ihm zu glauben.“
Mia atmete tief durch und küsste zärtlich die kalten Hände von Fiona.
„Ich wünschte wirklich, ich könnte es glauben, doch leider sieht unser Leben anders aus und das bedeutet nun mal, dass man von der Liebe nicht satt wird.“
„Oh Gott …“, stöhnte Fiona:“ Das weiß ich doch.“
„Dann verhalte dich auch dementsprechend“, Mia erhob sich und richtete ihre Röcke, bevor sie belehrend weiter sprach:“ Du bist doch normalerweise nicht so. Du bist doch immer die, die glaubt, dass alles was einem geschieht, geschehen muss! Also reis dich jetzt zusammen! Es ist zu spät, wir fahren zu unserer Tante und bekommen somit vielleicht die Möglichkeit ein gutes Leben zu führen. Wir können uns glücklich schätzen, das sie so freundlich ist und uns bei sich aufnimmt, schließlich hat sie selbst drei erwachsene Kinder die sie schon ernährt hat.“
„Bei Gott, du hörst dich an wie Mutter.“
Abschätzend blickte Fiona ihre Cousine an und seufzte schwer.
„Hm“, stöhnte sie achselzuckend:“ Das liegt vielleicht logischer weise daran, dass unsere Mütter dieselben Eltern hatten.“
Jetzt lachten beide, verhalten, aber sie lachten.
Noch in derselben Nacht lag sie wach und starrte die Decke an, über die sie ab und zu jemanden laufen hörte. Es hatte wirklich geregnet und etwas gestürmt, doch nun war das Meer wieder ruhig. Morgen würden sie ankommen. Morgen würde ihr neues Leben beginnen. Morgen müsse sie beginnen ihn zu vergessen. Morgen würde sie alles vergessen, damit ihr Herz nicht weiterhin so schwer ist. Sie würde lernen damit zu Leben und sie würde ihren Eltern keine Schande bereiten.
Und doch hatte sie Angst, dass sie es nicht schaffte, weil sie es nicht so ganz verstehen konnte. Denn man schickte sie von einer Insel die hungerte, auf eine, die sich grausam bekriegte.

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Kommentare

Lilly schrieb am 2009-09-23 12:29:36:
Hallo JoSch,
danke für deinen tollen Kommentar und du hast auch in deiner Kritik vollkommen recht. Die Rechtschreibung ist oftmals ein wirkliches Problem, war es schon immer, hat sich aber auch schon gebessert (du müsstest mal eine meiner Geschichten aus frühester Jugend lesen :-))
Bei Word gibt es ein mehr oder weinger gutes Rechtschreibprogramm das mir schon sehr gut hilft, aber auch nicht immer, wie du ja siehst. Das ich manchmal die Namen vertausche tut mir wirklich leid, aber das liegt daran, das ich immer an mehreren Geschichten gleichzeitig schreibe - und obwohl ich es nach einer Weile dann immer noch mal lese, übersehe ich das dann trotzdem.
Ich entschuldige mich dafür und versuche es besser zu machen - will ich doch, dass ihr/du weiter eure Freude habt.

Ja ja, die Art dieser Geschichten liegen mir einfach ... auch wenn es langsam wahrscheinlich für euch etwas langweilig wird. Auch mir fällt es immer schwerer etwas neues einzubringen, ich will ja nicht von mir selbst kopieren. Doch leider ist es das, was ich am besten kann. So wie Iny Lorenz, denn ihre Geschichten handeln im eigentlichen Sinne auch immer von den selben Dingen.
Ich liebe Liebesgeschichten und die Gefühle die sich dadurch langsam aufbauen können und deshalb schreibe ich auch immer in der Vergangenheitsform, da in der vergangenen Zeit alles viel inentsiver war.

Aber noch mals Danke, das du alles trotzdem so fleißig liest, dass zeugt wenigstens von der Ehrlichkeit deines Lobes ..... DANKE

Ganz liebe Grüße
LIlly
JoSch schrieb am 2009-09-01 18:24:21:
Hallo Lilly,
Ich habe jetzt innerhalb kürzester Zeit alle Deine Geschichten gelesen. Ich muss sagen, Talent hast Du auf alle Fälle. Deine bildhafte Sprache macht jeden Text lebendig und mir wurde bei keiner Geschichte langweilig. Ich habe die beschriebenen Landschaften, Gesten und Gefühle oft vor mir gesehen.
Was dem Lesen etwas abträglich ist, sind die vielen Schreibfehler in den Texten. Nicht nur Rechtschreibfehler und Fehler in der Groß- und Kleinschreibung, sondern auch vergessene Wörter, doppelte Wörter oder ein Satzende, das nicht zum Anfang passt. Das stört manchmal sehr, da muss man dann den Satz mehrfach lesen, um ihn zu verstehen und kommt dabei aus dem Gedankenfluss heraus. Mein Tipp: Lass zumindest die Rechtschreibprüfung deines Schreibprogramms drüber laufen, auch wenn das die vielen Eigennamen (wie die schottischen Clan-Namen) anmeckert. Nimm sie einfach in das Wörterbuch auf, dann kann dir auch nicht mehr passieren, dass eine "Leonora" zur "Leonor" oder "Leona" wird, oder ein "MacMahon" plötzlich "McMahon" heißt. Auch musst du darauf achten, die Charaktere Deiner verschiedenen Geschichten nicht zu mischen (bei "Zwischen zwei Welten" taucht plötzlich Keyra auf).
Am Besten Du lässt nach dem schreiben noch einen oder zwei Tage vergehen, liest Dir den Text nochmals durch und stellst ihn dann erst online. Ich glaube, Deine Fans wären darüber nicht erbost. Ich zumindest warte lieber etwas länger auf einen neuen Teil, freu mich dann aber, dass er flüssiger zu lesen ist. Du hast Dich aber schon zum Besseren entwickelt. Die ersten Geschichten waren besonders schlimm.

Leider baut sich für mich in den bis jetzt noch nicht fertigen Geschichten keine richtige Spannung mehr auf. Deine Geschichten laufen fast alle nach dem gleichen Schema ab (starke, selbstbewusste Frau, starker Mann, können sich erst nicht richtig leiden und streiten nur, fühlen sich aber immer mehr zueinander hingezogen, wollen das erst nicht einsehen, verlieben sich, müssen sich trennen, finden am Ende doch noch zusammen und sind glücklich bis ans Ende ihrer Tage...)
Aber das ist wohl einfach das Genre, das Dir am Besten liegt. Es ist mir nur aufgefallen, weil ich alles hintereinander weg gelesen habe und nicht so sehr der Fan von Liebesgeschichten bin. Deine Texte lese ich trotzdem gern und warte jetzt auch auf die Fortsetzungen.

LG JoSch


mimi schrieb am 2009-07-23 17:21:29:
ich habe deine geschichten immer mitverfolgt und unglaublich gerne gelesen! jetzt hast du schon lange nur noch ganz wenig hier reingestellt. ich hoffe, dass die geschcihten bald weitergehen. ich bin immer schon ungeduldig und finde auch diesen anfang wunderbar!
liebe grüße und schreib weiter so schön
!!! schrieb am 2009-06-10 18:49:12:
Oh ich bn gespannt wie es weitergeht, hatte die story glatt übersehen!!!
Schreibst du noch an der story mit dem Amulett?
Würde mich jedenfalls freuen!!!
LG

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