Fünfundzwanzig Jahre
von
Stephanie P.
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Fünfundzwanzig Jahre
Meine Schulzeit lag nun fünfundzwanzig Jahre her. Seit dem hatte sich so einiges in meinem Leben geändert. Und darüber war ich natürlich stolz. Ich saß nun bei einem bekannten Modemagazin im Chefsessel und mein Büro wurde von einem berühmten Pariser Designer ausgestattet. Hinter mir befand sich ein Panorama Blick auf die Skyline von Frankfurt. Mein Schreibtisch bestand aus Glas und mein Schreibtischstuhl aus echtem Leder. Ich war glücklich, aber ich musste mir alles hart erarbeiten. In meiner Schulzeit hatte ich viele Neider, die über mich redeten, aufgrund meiner guten Noten. Aber auch ein paar sehr gute Freunde und bei meinem Abschluss war ich Jahrgangsbeste. Nun saß ich hier, hatte eigentlich nicht viel zu tun, allerdings wusste, dass ich meine alten Schulkameraden irgendwann wieder sah. Denn wie ein altes Sprichwort sagt: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Meine Sekretärin klopfte an meine Glastür: ,, Entschuldigen Sie, Miss, hier ist jemand, der Sie sprechen möchte.´´ Ich schloss meine Augen und atmete tief ein, denn ich wusste wer es war. Sie hatte ihre Bewerbungsunterlagen schon vorher zu mir geschickt. Es war meine alte beste Freundin. Eine sehr alte beste Freundin. Erst waren wir sehr gut befreundet, bis sie nur noch über mich schlecht redete und mein Vertrauen zu ihr geschwächt wurde, und ich den Kontakt abbrach. Ich redete in der Schule nicht mehr mit ihr. Da ich jedem Vergebe, habe auch ich ihr vergeben. Aber ich wusste nicht, dass sie wirklich so gemein war. Ich versuchte mich langsam wieder mit ihr anzufreunden, doch irgendwie wollte sie es nicht. Schließlich gab ich es auf. Nach meinem Abschluss erfuhr ich, dass jedem erzählte, wie sehr ich mich immer bei den Lehrern bemüht hatte beliebt zu werden. Und jetzt meldete sie sich wieder. Nach fünfundzwanzig Jahren. ,, Schicken Sie Sie rein´´, befahl ich laut. Schon hörte ich laute Absätze und einen regelmäßigen Gang in die Richtung meines Büros kommen. Das war sie. Sie, diejenige die von Grund auf Böse ist. Als sie die Tür öffnete, stand ich auf. Ich lachte. ,, Du meine Güte, Johanna, wie lange ist das jetzt her?´´ Ich lief ihr fröhlich in die Arme. ,, Du siehst so gut aus´´ , sagte Johanna. ,, Schau dich an, Schau dein Büro an, ein Traum. Ich beneide dich. Du hast es wirklich zu etwas gebracht. ´´,, Danke, setz dich doch´´, entgegnete ich ihr. Sie hatte Falten bekommen, sie sah alt aus. Alt und hässlich. Sie musste ganz schön was durchgemacht haben. Ihre Augen waren müde. ,, Nun, ich habe mir gründlich deine Unterlagen durchgelesen. Aber wieso möchtest du gerade hier arbeiten? ´´ fragte ich sie. ,, Ich liebe Mode, ja du weißt ja, früher… Ich liebe sie einfach. Und dein Unternehmen ist so toll ´´, erklärte sie nervös. Ich lächelte immer noch. Ich genoss die Situation in der Hand zu haben. Ich verachtete sie, nach fünfundzwanzig Jahren spürte ich immer noch Schmerzen. Ich stand auf und schaute auf die Skyline, dabei hielt ich ihre Mappe in der Hand. Es fühlte sich gut an. So gut. ,, Gefällt dir der Ausblick?´´ ,, Ja, sehr´´ , sagte Johanna. , ,Ich liebe ihn, erinnert mich an die schönen Seiten meines Lebens. Nur leider wirst du so etwas niemals haben. Weil du nichts kannst. Sieh dich an. Du bist alt. ´´ Sie blickte mich erschrocken an, in der Hoffnung, dass ich nur Spaß gemacht hatte. Nach einer Pause, in der ich sie immer noch mit Hass anblickte, verzog sie das Gesicht. ,, Was?´´ ,, Du hast schon richtig gehört.´´ Ich öffnete das Fenster atmete tief ein und schloss die Augen. Dann schmiss ich ihre Mappe nach draußen und die Blätter flogen durch die Luft. ,, Was soll das?´´ fragte sie. Sie war nun auch aufgestanden, aber wusste sich nicht zu wehren. Ich lächelte wieder. ,, Du kannst gehen.´´ Meine Sekretärin kam herein und bat Johanna nach draußen. ,, Ach und Johanna, lieber würde ich alle Arbeitslosen Menschen der Welt einstellen, als mit dir zusammenzuarbeiten.´´ Sie konnte nichts sagen. Sie wusste nichts zu sagen. Sie drehte sich um, und schüttelte den Kopf. Ich lachte. Ich setzte mich an meinen Schreibtisch und genoss meinen Triumph, meinen Sieg über die Person, der ich vertraut hatte und die mich schamlos ausgenutzt hatte. Als ich meine Augen wieder aufschlug, stand sie vor mir, als wäre nichts gewesen. Ich lächelte. Ein paar Monate später fing sie an bei mir zu arbeiten. Sie hatte zwar einen Menschen in ihrem Leben sehr enttäuscht, aber ein Monster war ich noch lange nicht. Nein, nicht nach fünfundzwanzig Jahren.
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Kommentare
Stephanie P. schrieb am 2010-10-27 16:34:18:
Vielen Dank für dein positives Kommentar, Ozeane Zeiss.
Leider muss ich Dich enttäuschen, die Kurzgeschichte ist nicht wirklich passiert.
Es passiert häufiger, dass ich über etwas Nachdenke und einfach los schreibe. So wie bei dieser Geschichte.
Ich hoffe du hattest Spass beim Lesen und sie hat dich zum Nachdenken angeregt.
Isabell schrieb am 2010-10-26 19:17:10:
Tolle Kurzgeschichte, Du hast wirklich Talent.
Ozeane Zeiss schrieb am 2010-10-25 20:52:09:
Ich hoffe sehr, das ist in echt geschehen. Schönes Handeln der Protagonistin und ein sehr überraschender Wendepunkt, genauer gesagt zwei.
Ich freue mich über mehr! Weiter so,
liebe Grüße
Ozeane Zeiss
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