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Fynn-Kapitel 11

von Yve

1

Mit schnellen Schritten lief sie durch den dunklen Park, der nur einige Laternen besaß, die ihn beleuchteten. Auf einmal huschte eine Gestalt an ihr vorbei. Irritiert sah sie sich um. Was war das gewesen? Eine Halluzination?
Hier konnte eindeutig etwas nicht stimmen. Jetzt bereute Anna es, dass sie John weggeschickt hatte. Aber das war ja nun nicht mehr zu ändern. Vielleicht hatte sie sich das ja eben wirklich nur eingebildet. Also ging sie weiter, den Blick stur geradeaus gerichtet. Wieder schien es so als würde etwas blitzschnell an ihr vorbei schießen.
„John?“
Das war einfach lächerlich befand Anna und ging weiter. Spätestens als sie von irgendetwas in die Dunkelheit am Rand des Parks gestoßen wurde und auf dem harten Boden aufschlug.
„Aua.“
Anna sog scharf die Luft ein. Allerdings wusste sie nicht was genau sie in das Gestrüpp katapultiert hatte. Vielleicht war dieser jemand ja gefährlich. Jemand packte sie am Arm und riss sie ziemlich unsanft auf die Beine. Die Gestalt drückte sie gegen einen Baum.
„Das tut weh!“
Keine Antwort war zu hören, noch nicht mal eine Entschuldigung. Anna sah ihrem Angreifer ins Gesicht, welches kaum zu sehen war. Lange schwarze Haare verhüllten es größtenteils. Aber es musste ein Mann sein, was Anna von der Stimme her schließen konnte.
„Wo ist er?!“
„Ich weiß nicht wen Sie meinen.“
Er lachte amüsiert, um kurz darauf wieder vollkommen ernst aufzutreten.
„Lüg mich nicht an!“
„Ich weiß wirklich nicht wen Sie meinen.“
Anna wusste, dass er niemand anderen als Fynn meinen konnte. Was war er für ein Wesen? Ein Mensch bestimmt nicht. Also konnte er nur ein Alb oder ein Vampir sein.
„Sag es mir.“
Ein Auge blitze auf, als er sie wütend ansah. Metallene schwarze Augen, ohne Pupillen, ohne Iris. Seine Augen sahen aus, wie schwarze Löcher. Anna erschrak, was den Alb nur noch wütender machte.
„Du bist nutzlos!“
Anna schloss erschrocken die Augen und wartete auf irgendetwas, was ihr Schmerzen, furchtbare Schmerzen beifügen würde, doch es geschah nichts. Als sie ein Ohrenbetäubendes, schrilles Kreischen hören konnte, öffnete sie wieder ihre Augen. Der Alb war nicht mehr da, John war aufgetaucht und war nun in einen Kampf mit ihm verwickelt. Zunächst sah es so aus, als würde John verlieren, doch dann stach John seinem Gegenüber einen langen, spitzen Dolch in den Unterleib. Das Blut, welches aus der Wunde strömte war pechschwarz. Anna wurde schlecht bei dem Anblick. Als der Alb wieder eines dieser unerträglichen Laute ausstieß, musste Anna sich die Ohren zu halten, um das Gehör nicht zu verlieren, so glaubte sie zumindest. John stand auf einmal vor ihr, nahm sie abermals auf seine Arme und sprintete in unmenschlicher Geschwindigkeit zurück zu ihrem Haus. In ihrem Zimmer, musste Anna sich erst einmal setzen, um den Schock zu überwinden.
Sie wollte nie wieder einem Alb begegnen. John stand besorgt vor ihr.
„Ist er tot John? Bitte sag mir, dass er nicht mehr am Leben ist.“
John seufzte.
„Da muss ich dich leider enttäuschen. Er lebt noch. Er konnte in eine Welt flüchten, die zwischen unserer und dem Jenseits liegt.“
„Was bedeutet?“
„Das bedeutet, dass er wieder kommen wird.“
Anna stieß einen hoffnungslosen Laut aus. Warum immer sie? Warum?
„Ich habe aber keine Lust kurzfristig zu sterben oder gequält zu werden.“
John zuckte mit den Schultern.
„Da wirst du wohl nicht drum rum kommen, es sei denn…“
Er lächelte Anna freundlich zu.
„Es sei denn was?“
„Es sei denn du kommst uns regelmäßig besuchen, da ich tagsüber nicht hier sein kann.“
Annas Augen weiteten sich.
„Nein, John, ich komme nicht zu euch, das tue ich nicht. Ich will Fynn nicht mehr wieder sehen, ich habe Angst vor ihm.“
John seufzte resigniert.
„Na gut, dann eben nicht, dann wünsche ich dir jetzt schon eine angenehme Nacht, wahrscheinlich wird es deine letzte sein.“
„Ich werde sie schon überleben.“
Dieses Mädchen war eindeutig verrückt, befand John. Aber na gut er würde schon sehen, ob sie diese Nacht wirklich überstand. Natürlich würde er auf sie aufpassen, aber davon brauchte sie ja nichts mitzubekommen.
„Gut, dann geh ich jetzt. Angenehme Träume.“
John lachte noch einmal kurz auf, dann verschwand er.
Anna kratzte sich ratlos am Kopf.
„Warum hat er gelacht?“
Sie zuckte mit den Schultern und ging ins Badezimmer, um sich fertig zum Schlafen gehen zu machen. Als sie sich ins Bett legte und das Licht ausschaltete, kam sie sich schon komisch vor. Alles war so dunkel. Verängstigt sah sie sich in ihrem Zimmer um und da war auch nichts.
„Mach dich hier jetzt nicht lächerlich Anna“, sprach sie zu sich selbst, „Es wird dir schon nichts zustoßen, der Alb ist verletzt.“
Anna atmete langsam aus, um sich anschließend entspannt in die Kissen sinken zu lassen und die Augen zu schließen. Langsam glitt sie in einen Traum. Aber wie sich bald herausstellen sollte, war es ein Albtraum. Da waren diese pechschwarzen, kalten Augen, die sie aus einer Furchterregenden Fratze anstarrten. Anna schloss ihre Augen im Traum, doch sie konnte das Gesicht immer noch sehen. Der Alb griff nach ihr und dann stieß er zu, in ihren Bauch… Langsam sah sie an sich hinunter, das Blut quoll aus der Wunde, ein nicht enden wollender Strom und erst die Schmerzen! Anna hätte niemals für wahr gehalten, dass man Schmerzen in einem Traum haben konnte, aber da hatte sie sich wohl geirrt. Es sei denn, dies hier war kein echter Traum. Anna öffnete den Mund um zu schreien, doch es kam kein einziger Ton heraus. Langsam wurden ihre Glieder schwer. Sie konnte sich nicht mehr bewegen und der Alb, er entblößte eine Reihe spitzer, hässlicher Zähne, die sich in ihr Bein gruben, Anna schrie noch mehr auf.
Verzweifelt versuchte Annas Vater seine Tochter unter Kontrolle zu bekommen. Das Mädchen schrie und zappelte und wollte anscheinend nicht so bald damit aufhören.
„Anna!! Beruhig dich!“
Verzweifelt versuchte ihr Vater sie in die Kissen zu drücken, aber sie beruhigte sich nicht. Ihre Augen waren zwar geöffnet, aber man sah an der trübe, dass Anna nicht wach war. Ich Vater sah keine andere Möglichkeit mehr, als ihr eine Ohrfeige zu geben. Anna beruhigte sich langsam, ihre Augen wurden klarer und dann sah sie ihren Vater, dessen Gesicht von Sorge gezeichnet war, an. Tränen sammelten sich in ihren Augen und dann fiel sie ihrem Vater in die Arme. Dieser war ganz überrascht, da Anna ihn schon lange nicht mehr umarmt hatte.
„Danke.“
„Wofür?“
„Schon gut, ach ja und Papa? Ich werde ab heute zur Nachhilfe gehen, bei einer Mitschülerin von mir, ich möchte mich in der Schule verbessern.“
John saß unten im Gras und als er diesen Satz vernahm, musste er ein Lachen unterdrücken. Ein dämlicher Satz war ihr nicht eingefallen? Verständnislos schüttelte er mit dem Kopf. Und das Timing war ja wohl auch völlig daneben und jeden Tag bei der Nachhilfe? John glaubte, da noch nachhelfen zu müssen… Aber Fynn, der würde sich freuen.

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Kommentare

andrea schrieb am 2008-05-09 14:22:15:
freue mich schon auf den nächsten teil. lg andrea

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