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Kategorien > Alltag > Ironie

Gammeltag

von Robinson

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Gammeltag

Ja, ja, so ist er.

Ein Kerl wie Samt und Seide.

Größe : 1,75 m
Gewicht : ca. 75,00 KG
Alter : ca. 35
Haarfarbe : undefinierbar dunkel, wohl gefärbt, mit Gel
Statur : leichter Bauchansatz, vielleicht auch etwas mehr
Uniform : schwarz

Ich könnte über sein Aussehen noch mehr berichten, aber, das ist nicht wesentlich.

Er hatte vor der Wende sehr viel Westfernsehen gesehen, obwohl er es nicht durfte. Da konnte man sich ja ruhig drüber hinwegsetzen. So etwas galt für ihn nicht. Er wollte schon zur damaligen Zeit zur Polizei und man muß ja informiert sein.

Er hatte den starken Drang zur Ordnungsmacht.

Macht! .

Macht über andere Menschen.

Und im Westfernsehen hat er am liebsten Miami Vice gesehen. Es war für ihn bewundernswert, wie Don Johnson und sein Kumpel jeden Fall gelöst hat.

Don Johnson mit sächsischem Dialekt?

Sexisch?

Sexistisch?

Sächsisch!

Die durften schießen und wer sich ihnen in den Weg gestellt hat der hat sein Leben schon im Ansatz verwirkt.

Bum, bum, bum - Knall!

So wollte er auch einmal werden. Das war sein Berufswunsch. Jeder muß vor ihm stramm stehen, gehorchen.

Die Bürger.

Gefälligst!

Er wollte so ein richtig geiler Typ sein. Nicht im weißen Anzug, nein, in schwarzer Uniform. Der Kämpfer für Recht und Ordnung. Der, der sich am Liebsten noch selber Gesetze machen würde. Das darf er aber nicht. Das hängt mit der Demokratie zusammen. Soviel hat erschon begriffen. Aber es fällt ihm halt schwer sich daran zu halten.

Wie beim Westfernsehen gucken.

Und die mit der schwarzen Uniform stehen ihm sowieso sehr nahe. Die gab es schon mal.


Aber, ich glaube, das ist mein Leiden, ich fange schon wieder nicht von vorne an.

Werner mein Kumpel und ich waren mal wieder segeln. Eine Beschäftigung die uns sehr liegt und die wir auch oft machen.

Sonne pur. 30° C

Sehr wenig Wind.

Eigentlich gar kein Wind.

Also fuhren wir, bei wenig Wind, an den Anfang eines Vogelschutzgebietes, das entsprechend durch Tonnen, rot, weiß, rot, gekennzeichnet ist. Diese Tonnen finde ich wunderbar, da sie eine Befestigungsmöglichkeit für Boote haben.

Ganz einfach gemacht, man hatte hier an jeder Seite einen Bügel drangeschweisst an denen man festmachen kann.

Eine wunderbare Lösung. Hier tut man wenigstens was für Sportbootfahrer! Aber eigentlich tut man für diese Spezies überall sehr viel. Hier freue ich mich aber besonders drüber, da es mich direkt betrifft und weil man im Binnenland, schon gar nicht in Sachsen, damit rechnet.

Welcher Beamte, der für solche Entscheidungen zuständig ist, versetzt sich denn in die Seele oder kennt die Bedürfnisse von Freizeitkapitänen?

Warum auch!

Ersten müßte er dann nachdenken und zweitens macht das Arbeit. Also machen diese Herrschaften doch in der Regel doch lieber nix.

Holen Sie sich etwa zusätzliche Arbeit, die sie nicht haben wollen?

Sehen sie! Ich auch nicht.

Ausnahmen machen hier nur die Finanzbehörden. Wenn die einen schikanieren können, dann fangen die sogar freiwillig an zu Arbeiten.

Allein schon aus Sozialneid.

Und dann auch nur bei den leichten Fällen und nur bei Leuten die sich nicht wehren können, da man die sowieso schon finanziell platt gemacht hat.

Können sie ihre Steuererklärung noch selber machen?

Sehen sie, ich auch nicht!

Also brauchen Sie einen Steuerberater.

Und der kostet Geld.

Und wenn sie kein Geld mehr haben, dann sind sie wehrlos. Da steckt System hinter. Sie werden erst platt gemacht und dann prügelt man auf ihnen rum.

Kapiert?

Ich habe da so meine Erfahrungen und dadurch eine sehr schlechte Meinung von dieser Berufsgruppe.

Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden. Steuern sind wichtig. Ich zahle sie sogar sehr gerne, sichern sie mir doch ein phantastisches Gemeinwesen zu, das in der Welt seines Gleichen sucht.

Ausserdem steht das schon in der Bibel! Gib dem König was dem König ist............

Wie haben zwar keinen König mehr, trotzdem sind Steuern wichtig. So wird z. B. auch unsere Polizei davon bezahlt.

Don Johnson auf sächsisch! Hi, hi.

Ich störe mich auch nur daran, wie man mit dem Bürger bei diesen Behörden umgeht.

So bekommt das Wort Freiwild für mich eine ganz neue Bedeutung.

Hilfe dürfen sie von einer deutschen Behörde nicht erwarten.

Nur Bussgelder.

Im Verwaltungsverfahrensgesetz steht zwar etwas anderes, aber das gilt doch nicht für eine deutsche Behörde. Die machen sich ihre Gesetzte durch Verordnungen und Dienstanweisungen selber. Ausserdem ist der jeweilige Bussgeldkatalog verständlicher als das Gesetz.

Da nehmen wir doch das Einfachere. Das macht auch erheblich weniger Arbeit. Und wenn sich der Bürger nicht wehrt, dass tut er in den meisten Fällen nicht, weil es sich nicht lohnt oder weil man ihn vorher pleite gemacht hat, so dass er sich nicht mehr wehren kann, hat man in seinem Leistungsnachweis gleich wieder ein Bienchen und der Chef freut sich, weil seine Abteilung dadurch ganz weit vorne ist.

Gut. Ich habe zu Behörden ein sehr gestörtes Verhältnis. Und das liegt bestimmt nicht nur alleine an mir!

Aber das wollte ich nun gar nicht berichten.

Also. Wir haben ganz gemütlich an der Tonne festgemacht. Der Wind, dass was an Wind vorhanden ist, blies uns in die Richtung aus dem Sperrgebiet heraus. Es war also alles in Ordnung.

Das erste Bier wurde aufgemacht, das zweite hinterher, und es gab auch eine Kleinigkeit zu essen. Ja, wir haben uns unser Leben ganz nett eingeteilt.

Italienische Mortadella, Baguette, Salami und gekochten Schinken. Keinen Wein dazu, da wir auf dem Boot nur Bier trinken.

Das ist bei so heißem Wetter für uns auch bekömmlicher.

Ich genieße immer wieder diese friedliche Stimmung mit meinem Freund Werner, wenn wir beide auf dem Boot sind. Eigentlich sind wir dann fernab von der Wirklichkeit. Kein Motorenlärm und keine Idioten die einem sonst noch auf die Nerven gehen.

Gegenüber von unserem Liegeplatz, ca. 1,5 sm entfernt, gab es eine Fete. Das alljährliche Wasserfest.

Es ist mit der Entfernungsangabe die nautische Meile gemeint und nicht die sächsische Meile. Die hat man hier noch nicht eingeführt. Darum kümmert man sich dann später. Noch gibt es andere Probleme.

Das Wasserfest ist eine tolle Veranstaltung mit Drachenbootrennen, Live Musik, Bratwurst und andere Leckereien und vieles mehr. Ach ja! Natürlich auch ganz besonders viel Alkohol. Da ist immer richtig was los.

Saufereien, Schlägereien und viele, viele ganz nette Menschen.

Auch Politiker.

Die lassen sich dann immer auf die Schulter schlagen, dafür was für ein schönes Fest sie organisiert haben.

Ganz leise, von Weitem, konnten wir diese Aktivitäten hören.

Prima, sagten wir uns, die Menschen haben ihren Spaß und wir unsere Ruhe und unser Bierchen.

Wir haben uns für die anderen mitgefreut und uns störte das überhaupt nicht, das war weit genug weg. Also sollen doch alle

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