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Kategorien > Nachdenkliches > Glück

Geburtstagsfeier

von Kalliope

1

(Das ist eine rein FIKTIVE Gechichte.)

Da saßen wir nun. Soweit von einander entfernt, dass wir uns nur noch unter dem Tisch hätten
berühren können - obwohl ich bezweifelte, dass dieser Versuch bei der Enge, in der wir uns an die festlich gedeckte Tafel gequetscht hatten, unbemerkt geblieben wäre. Irgendwie hatte ich nichts dagegen tun können, dass man uns getrennt hatte. Wie in der Grundschule. Ich hatte Mühe, den Impuls zu unterdrücken, aufzuspringen, und zu dir zu laufen, um dich zu küssen. Ich wusste, du würdest in dem Moment das Selbe tun.
Aber ich wollte ja niemanden hier als schuldig bezeichnen. Es war überhaupt ein Wunder, dass wir hier zusammen sitzen konnten, dass sie dich einfach als selbstverständlich hingenommen hatten - obwohl dass bei deiner beiläufigen, aber doch bestimmten Art, mit Fremdem umzugehen, eigentlich kein Kunststück war. Diese Art, die ich so an dir liebte.
Das war eine meiner größten Sorgen gewesen, denn ich durfte die einzige Person in diesem Raum sein, die dich nicht als selbstverständlich hinnehmenden würde. Doch anscheinend konnten sie es nachvollziehen - schließlich waren sie auch alle mal jung, auch wenn das schwer vorstellbar war.
Nun ja, die Leute waren alle meinetwegen gekommen - ich musste das zu schätzen wissen,
eigentlich. Doch der einzige Mensch, dessen Anwesenheit mir wirklich etwas bedeutete, das warst natürlich du. Ich hatte, ehrlich gesagt, nicht einmal ein schlechtes Gewissen bei dem Gedanken. Ich stellte mir vor, wie nur wir beide in einem leeren Raum saßen. Wir beide, das wäre genug. Eine Einrichtung bräuchten wir nicht.
Doch leider war es nicht so, und wir konnten nichts weiter tun, als uns Blicke zuzuwerfen.
Natürlich beschäftigten diese uns genug, sodass wir nicht auf die belanglose Unterhaltung meiner Verwandten hören mussten. Du sahst mich auf diese ganz besondere Weise an, wie nur du es konntest. Ein bisschen schräg von der Seite, mit einem spöttischen, und doch unergründlichen Lächeln, dass auf deinen Lippen ebenso wie in deinen hellen Augen lag. Dir missfiel dieser Nachmittag genauso wie mir insgeheim - und darum hattest du mir auch keine Vorwürfe wegen meiner abfälligen Bemerkungen gemacht, du kanntest die Situation. Und doch hattest du nicht verstehen können, warum ich sie alle am Tag meines Geburtstages hatte einladen müssen. “Lass uns doch zusammen wegfahren - nur du und ich!” Hattest du ernsthaft gesagt. Deine Ungeduld. Die ich vielleicht mehr liebte, als alles andere zusammen. Natürlich - es hatte gedauert, bis ich wirklich glauben konnte, dass du mich wolltest, unter allen Umständen. Ich hatte es einfach nicht begreifen können, und im Grunde war ich immer noch dabei.
Auch jetzt lag diese Ungeduld in deinem Blick, neben den anderen Dingen. Er war so intensiv, so
vieldeutig, und doch klar. Was machen wir hier - Das ist nicht deine Welt - Lass uns gehen. Lass
uns hoch gehen. Wir zogen uns fast aus mit Blicken, verstohlenen Gesten und Kopfnicken. Für
einen Außenstehenden hätte es amüsant ausgesehen. Solange nur die Gespräche nicht verstummten, war alles okay.
Ich liebe dich. Bitte gedulde dich. Gab ich ihm zu verstehen. Ich hatte lange auf das Glück warten
müssen - sehr, sehr lange. Jetzt konnte es ruhig mal auf mich warten. Und mit diesem
hoffnungsvollen Gedanken begriff ich erstmals, was es bedeutete, rundherum glücklich zu ein, und nicht mehr nur darauf warten zu müssen., dieses Gefühl überhaupt jemals spüren zu können.

By Kalliope 07 2006

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Kommentare

Kalliope schrieb am 2006-07-06 17:19:44:
Danke schön! (Endlich kommentiert mal jemand mein Werk.)
Ich denke, Beobachten ist eins der wichtigsten Dinge, die ein Autor tun muss. Oder generell ein Künstler, das schließt andere Gebiete mit ein. Darüber habe ich mich auch schon mit einer Freundin unterhalten. Deine Beschreibung ist zutreffend. Es passiert ja auch nichts, alles wickelt sich in Gedanken ab.
Weißt du, es gibt oft Missverständnisse, die zu peinlichen Situationen führen können, vor allem, wenn einige Leute, die man persönlich kennt, seine Texte lesen. Darum der erste Satz. Aber das Potential dazu ist auf jeden Fall vorhanden *grins*
LG Kalli
alex schrieb am 2006-07-06 02:14:42:
Auch wenn dies ein seltsames Kompliment ist, ich mag deinen Satzbau! Da erkennt man einen guten Beobachter und einen sehr guten Schreibstil. Den Inhalt der Geschichte finde ich auch interessant, ich würde es als Gedicht im epischen Stil beschreiben, da zwar keine wirkliche Handlung da ist, aber wohl auch mehr Gedanken und Gefühle im Mittelpunkt stehen (daher wohl auch Kategorie Nachdenkliches). Ich würd nur den ersten Satz weglassen. Lass die Leser doch im Unklaren, ob es fiktiv ist oder nicht ;-). Da kommt dann zusätzlicher Reiz in die Story.

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