Gedanken einer Jugendlichen
von
Franziska Lopatic
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,,Wenn du heute nicht dein Zimmer aufräumst, bringst du deinen Bruder nächste Woche jeden Tag zum Sport!".
Ja ja, das sagt meine Mutter immer und immer wieder. Und doch brachte sie ihn zum Sport, da ich selber immer zu spät kam.
Heute ist ein "ganz besonderer Tag", mein kleiner Bruder, Jordan, hat Geburtstag. Er wird 12.
Die ganze Familie kommt, Oma und Opa reisen extra aus New York an.
,,Vielleicht sollte ich wirklich ein wenig aufräumen!", dachte ich.
Also fing ich gleich nach dem Fernsehen an, meine tausend Klamotten in meinen Schrank zu stopfen und meine Schulsachen unter mein Bett zu schieben, fertig.
Meinem Bruder schenkte ich ein Skateboard, nicht besonders einfallsreich, aber ich habe wenigstens an ihn gedacht, und gefreut hat er sich auch.
Es ist 13:30 Uhr, meine Großeltern erwarten wir um 16:00 Uhr.
Da ich viel Wert auf mein Äußeres lege, plante ich, dass ich mich um spätestens 15:20 Uhr anfange, hübsch zu machen.
Besonders wichtig ist heute die Kette, die meine Oma mir damals zum 8. Geburtstag vor 8 Jahren schenkte, die darf ich nicht vergessen.
Die trage ich immer, wenn sie kommt. Oma freut sich dann immer sehr und nimmt mich ganz fest in den Arm.
,,Traaaaaaaaaaacy!", schrie mein Bruder laut und kam in mein Zimmer gerannt. ,,Papa hat mir eine Karte zum Geburtstag geschickt!", sagte er überrascht.
Mein Vater lebte ebenfalls in New York, wir haben aber leider keinen Kontakt zu ihm, da meine Eltern sich noch vor Jordans Geburt getrennt hatten.
Ich fand es nicht besonders schlimm, er war die ganzen Jahre nicht da, also brauchte ich ihn jetzt auch nicht.
Manchmal wünschte ich mir trotzdem, dass ich ihn mal sehen und mit ihm sprechen kann, dass wir einfach eine normale Familie sind.
Ich kenne ihn leider nur von Fotos.
Dass ich ihm ähnlich sehe, weiß ich, sogar ähnlicher als meiner Mutter.
Ich schnappte meinem Bruder die Karte aus der Hand und las sie ganz aufgeregt durch.
Drin stand, dass er Jordan alles Gute zum Geburtstag und einen schönen Tag wünscht, mehr nicht. Meeeeeeeehr nicht!
,,Wieso steht da nichts über mich? Und wieso schrieb er mir keine Karte? Ich hatte doch vor genau 3 Wochen Geburtstag?", zickte ich meinen Bruder an. Er guckte nur doof.
Meine Großeltern kamen auch nur zu seinem Geburtstag, wir feierten meinen dann immer mit.
Das fand ich doof, ich habe mich aus dem Grund schon immer vernachlässigt gefühlt, denn mein Geburtstag ist doch auch etwas Besonderes.
Immer wenn meine Großeltern hier sind, erzählen sie ganz viel von meinem Vater, auch dass er uns unbedingt mal treffen möchte und immer nach uns fragt.
,,Aber wieso setzte er dies dann nie in die Tat um und kam zusammen mit meinen Großeltern nach Deutschland?", fragte ich mich.
Meine Mami sprach nicht über ihn, sie war wohl zu enttäuscht, dass er sich einfach so von ihr getrennt hatte und wieder nach New York zog.
Sie sagte immer nur, dass er ein sehr liebe- und humorvoller Mann war und ein sehr toller Vater gewesen wäre und dass wir nicht schlecht über ihn denken sollten.
Meine Mami heißt Klara, sie ist 38 Jahre alt und hat keinen Freund.
Schon öfters habe ich darüber nachgedacht, ihr einen zu suchen, aber irgendwie denke ich dann doch, dass sie das selbst machen und entscheiden sollte.
,,Maus, kannst du mir einen Gefallen tun und kurz zum Kiosk gehen? Ich brauch noch Milch und heute ist doch Sonntag. Find ich übrigens gut, dass du endlich mal den Saustall hier aufgeräumt hast!", platzte sie in mein Zimmer.
,,Ja, klar, mach ich.", antwortete ich.
Obwohl ich gaaaar keine Lust hatte, ging ich los.
Es war ein ganz schön weiter Weg von meinem Haus in einem kleinen Dorf bis zum Kiosk in der Stadt.
Auf dem Weg dorthin dachte ich über das Leben nach.
Das mache ich irgendwie immer, wenn ich alleine draußen bin.
Wenn ich zu lange darüber nachdenke, warum es die Welt gibt und Menschen, die auf der Welt leben, machte ich mir selbst Angst.
Ich denke mir dann immer meine eigenen Erklärungen dazu aus.
Zum Beispiel habe ich vor 3 Jahren mal in mein Tagebuch geschrieben, dass jeder Mensch eine bestimmte Aufgabe erfüllen muss und wenn er sie erfüllt hat, stirbt er.
Voll blöd, wenn ich jetzt so darüber nachdenke.
Denn nach dieser Aufgabe müsste man doch eher eine Belohnung bekommen, oder war der Tod eine Belohnung?
Was ist mit den Babys, die gleich nach der Geburt sterben? Was für eine Aufgabe haben die erfüllt? Die Vorfreude der Mutter?
Man weiß ja nicht, wie es ist zu sterben und was danach passiert.
Lebt man dann weiter? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Oder spürt man dann gar nichts mehr?
Ist dann einfach alles weg?
Naja, die Angst taucht schon wieder auf.
Andere Gedanken.
Hmm, Liebe!
Bis vor 2 Monaten war ich noch mit meinem allerersten Freund zusammen, Freddy.
Freddy ist 17 und der beliebteste Junge aus der Klasse.
Wir waren seit der 5. Klasse immer wieder zusammen, bis vor 2 Monaten ging das so.
Zusammen, auseinander, zusammen, auseinander und so weiter.
Wenn man die Pausen nicht mitzählt, waren wir mindestens 3 Jahre zusammen.
Auch wenn anfangs alles noch sehr kindlich war.
Weil ich mich nicht bereit gefühlt habe, mit ihm zu schlafen, tat er es mit einer anderen.
Seine ganzen Freunde wussten davon, nur ich nicht.
Als ich es dann erfahren habe, war ich total am Ende, das hätte ich nie von ihm erwartet.
Ich habe mich so hintergangen gefühlt, als wären alle gegen mich.
Natürlich war dann Schluss, leider nur für einen Monat.
Denn er lief mir hinterher wie ein Straßenköter einem Mann, der Fleisch in der Hand hat.
Ich wurde schwach und gab ihm noch eine Chance.
Das ging dann total schief, ich spürte nur noch Hass, wenn ich ihn ansah, konnte nicht über seine Witze lachen, irgendetwas blockierte mich.
Ich hatte keine positiven Gefühle mehr für ihn.
Also beendete ich das Ganze.
Heute bereue ich, dass ich ihm noch eine Chance gab, denn er hat durch diesen Scheiß mein ganzes Leben verändert.
Vorher war ich ein selbstbewusstes Mädchen, dass ihr Meinung sagte, witzig und aufgeschlossen gegenüber fremden Menschen war.
Heute muss ich jeden Satz wiederholen, weil ich so "nuschele", wie alle sagen und traue mich nicht mal mehr ungeschminkt in die Öffentlichkeit.
Ich denke, dass es daran liegt, dass Freddy so mit mir umging.
Bei ihm habe ich mich so besonders und sicher gefühlt, doch jetzt hat er mir bewiesen, dass es anders war.
Jetzt habe ich irgendwie das Gefühl, mich nie wieder verknallen zu dürfen, weil ich doch eh wieder enttäuscht werde, aber so ist das nicht, und das weiß ich.
Gefühle sind schon was Komisches.
Dass meine Gefühle meistens auf Taten anderer Menschen basierten, machte mir Angst.
Wie kann sich ein eigenständiger Mensch so an jemanden binden, dass man sich dann durch den anderen verändert?
Verändert man sich immer durch andere?
Kann ich mich eigentlich auch durch mich selbst verändern?
Ok, verwirrt.
Jetzt bin ich über ihn hinweg und sehr stolz darauf.
Beim Kiosk angekommen, kaufte ich die Milch und eine
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