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Kategorien > Spannung > Horror

Gefangene im Pappkarton

von Wölfchen

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Lina und Dennis saßen wie jeden Sonntagabend eingekuschelt auf der schwarzen Lederchouch ihrer Wohnung und schauten fern. Dennis spielte an den hellbraunen Haaren seiner Verlobten herum und sie genoss es, doch verfolgte aufmerksam ihrer beider Lieblingssendung, die von einem Polizeiteam handelte, das überaus spannende Fälle zu lösen hatte. Meist entwickelte sich die Sache so, dass aus einem Mord eine zweite Geschichte hervor ging und ein anderer Kriminalfall. Gemeinsam rätselte das Paar, wer alles involviert und wer alles Mörder war. Sie hatten immer viel Spaß dabei und entspannten sich dann stets noch einmal richtig, bevor der Montag sie wieder ins harte Arbeitsleben rief.
Gegen 23:00 Uhr gingen sie schlafen und sprachen nur kurz über die vergangene Woche. Es war nichts aufregendes passiert und Lina berichtete, dass sie am nächsten Morgen einen wichtigen Kunden erwartete. Sie war Angestellte der Bank in der Stadt. Dennis redete ihr gut zu und machte ihr Mut.

Der folgende Morgen verlief wie gewohnt: Lina stand etwa eine halbe Stunde eher auf als ihr Verlobter, der sich noch einmal im Bett herumdrehte, ehe er dann endgültig aufstand. Die Frau verzichtete heute darauf, zu frühstücken, da sie so aufgeregt war. Daher musste Dennis allein sein Brot essen und verabschiedete dann Lina. Sie hatte sich heute besonders schick gemacht und ihr Verlobter machte ihr ein schönes Kompliment. Danach beeilte er sich, sich fertig für die Arbeit als Ingenieur im Bauunternehmen „Werbau“ zu machen und fuhr dann kopflos in seinem Auto los.

Lina bezog ihr Büro mit gemischten Gefühlen. Sie musste den Kunden so gut es ging beraten und ihn ebenso für ihre Bank gewinnen. Es war ein regnerischer Tag und sie sah einige Minuten sehnsüchtig nach draußen, ehe sie schließlich alles vorbereitete.
Der Mann war auffällig und betrat Linas Büro Schlag 10:00 Uhr. Sofort fiel der Frau die seltsame Bekleidung auf. Am schlimmsten, so fand sie, waren die Stahlschuhe, die einige Kilogramm wiegen mussten. Den nachtschwarzen, knöchellangen Mantel, den er bis zu Hals zugeknöpft hatte, zog er nicht aus, obwohl es sehr warm war in den Räumlichkeiten der Bank. Eine Kapuze hatte er tief in sein Gesicht gezogen und trotz der ausgeprägten Beleuchtung in den Büros konnte Lina nicht ein Stück seines Gesichts erkennen.
Höflich fragte: „Möchten Sie den Mantel nicht ausziehen? Es ist sehr warm hier drinnen und das Gespräch kann eine Weile dauern!“ Sie deutete an, sich zur Hilfe zu erheben, doch der Fremde erhob gemächlich eine Hand und bewegte den Kopf genauso langsam hin und her.
Seine Stimme alt und kratzig und Lina befürchtete, er könnte sie jeden Moment verlieren. Er räusperte sich erstaunlicherweise nicht einmal, als er erwiderte: „Nein, danke. Ich bin nur geschäftlich hier. Mir sind Temperaturen relativ egal. Sie sollten sich Sorgen um Ihre eigene Zukunft machen.“ Er legte seine langen, knochigen Finger in den Schoß und Lina sank wieder in ihren großen Drehstuhl zurück. Ihr ohnehin schlechtes Gefühl bei diesem Mann wuchs und bereitete ihr eine Gänsehaut. Sie versuchte sich zu beruhigen, denn der arme Mann konnte wahrscheinlich nichts für seine Erscheinung. Sie hatte schon viele komische Vögel zu Gesicht bekommen und daher ermahnte sie sich, professionell und neutral zu bleiben.
„So, Herr Wachmann. Womit sollen wir anfangen? Wie kann Ihnen helfen?“ Sie legte ihre gefalteten Hände auf den Eichenholztisch und fühlte sich schon ein bisschen sicherer. „Sie haben mir am Telefon nur gesagt, dass es um Leben und Tod ginge! Nun haben wir genug Zeit, Ihre Probleme zu besprechen und zu lösen.“ Herr Wachmann saß geduldig da und wartete höflich, bis Lina zu Ende geredet hatte. Nun sah sie den Fremden freundlich an und erwartete eine klärende Antwort.
„Ich habe Sie ausgewählt“, seine Stimme war ihr sehr unheimlich, doch sie zeigte ihre Gefühle nicht, „weil Sie ein starkes Band voller Liebe zu ihrem Verlobten haben.“ Lina schaute ihr Gegenüber verwundert an. Was hatte Dennis mit einem Kunden zu tun? „Es tut mir Leid, dass ich Ihre Hilfe in Anspruch nehmen muss, doch es geht, wie Sie schon erwähnt haben, um Leben und Tod. Um genau zu sein, geht es um meinen Sohn, den ich nicht geplant hatte. Komm her, mein Sohn!“
Plötzlich tauchte ein etwa fünfjähriges Kind hinter dem Rücken des Mannes auf und stellte sich brav neben seinen Vater. Der blonde Schopf des Jungen war im altmodischen Topfschnitt geschnitten worden und mit seinem roten T-Shirt und der Latzhose sah er aus wie ein Frechdachs. Doch seine Miene wirkte kalt und leer. Vor dem Kind grauste es Lina fast noch mehr als vor ihrem Kunden.
Erst auf den zweiten Blick fiel der Frau der schlichte Schuhkarton auf, den das Kind in den Händen hielt. Die Augen des Jungens ruhten wie die eines Raubvogels auf Lina.
Nach einem Schweigemoment fragte die Angestellte vorsichtig: „Und wie kann ich Ihrem Jungen behilflich sein? Ich bin nur eine einfache Bänkerin - keine Ärztin.“ Sie zuckte hilflos mit den Schultern.
„Nimm sie dir, wenn du sie brauchst, mein Sohn!“ Daraufhin nahm der Junge den Deckel des Schuhkartons ab und hielt ihn Lina entgegen, die erschrocken aufgesprungen war. Dann wurde es schwarz um sie herum.

Als Dennis nach Hause kam, war alles normal – bis auf eine Tatsache. Lina war nicht da. Sie war immer vor ihm da und wenn es nötig war, gingen dann abends noch gemeinsam einkaufen. Lina kaufte nicht gern alleine ein und Dennis auch nicht.
Unbehaglich rief er bei ihrer Bank an, doch die warfen ihr vor, einfach verschwunden zu sein, so wie ein Kunde, der zwar in die Bank gegangen, aber nicht mehr hinausgegangen war. Ihre Tasche mit den Wertsachen habe sie in ihrem Büro gelassen. Er bat die Frau am anderen Ende der Leitung abwesend darum, die Wertsachen über Nacht sicher zu verwahren und dann bedankte er sich und legte auf. Tausend schlimme Gedanken und kein guter schossen ihm wie ein wilder Vogelschwarm durch den Kopf und er bekam es mit der Angst zu tun.
Wieso sollte Lina einfach weglaufen? Noch dazu ohne ihre Wertsachen? Wenn sie ausbüchsen wollte, bräuchte sie doch zumindest Geld. Als Dennis den Hörer erneut abnahm, um bei der Polizei anzurufen, klingelte es an der Tür und er ließ den Hörer fallen. Aufgeregt lief er zur Tür und öffnete sie überstürzt.
„Lina, du…!“ Doch er wurde enttäuscht, denn vor ihm stand ein auffallend seltsam gekleideter Fremder. Neben ihm stand ein Junge mit einem Schuhkarton. „Wer sind Sie und was wollen Sie?“, fragte Dennis vorsichtig – bereit, die Tür zuzuschlagen.
„Wie ich merke, möchten Sie nicht von Ihrer Verlobten getrennt sein. Gut, dann werden auch Sie meinem Sohn helfen, zu leben und groß und stark zu werden!“ Noch ehe Dennis über die kratzigen Worte des Mannes im Mantel nachdenken konnte. Öffnete das Kind auch schon seinen Karton zum zweiten Mal an diesem Tag.

Als Dennis die Augen wieder aufmachte, erblickte er als erstes Lina, die seinen Kopf auf ihren Schoß gebettet hatte. Sie kniete hinter ihm und hatte wohl geweint. Er

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