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Kategorien > Humor > Begegnungen

Geh und töte den Zwerg!

von Dogan I

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lag lose daneben.
Ich setzte mich auf einen weichen Sessel, schlug die Beine übereinander und der Zwerg brachte uns jeweils ein Glas Cognac und eine dicke Zigarre. Es war herrlich. Dieser kleine Mann wusste wie man lebt. Er hatte sich von seiner Größe nicht unterkriegen lassen und hatte das Beste aus seinem Leben gemacht.
Wir pafften die Zigarren, wir tranken den Cognac und wir unterhielten uns sehr lange. Er erzählte mir davon, dass er Schriftsteller war. Dass er mehrere Bücher geschrieben und auch erfolgreich verkauft hatte. Er erzählte mir von seiner Einsamkeit, dann wieder lustige Anekdoten aus seinem Leben. Er war ein wunderbarer Unterhalter.
Ich erzählte ihm aus meinem Leben im Dorf und bauschte meine Geschichten etwas auf, um neben ihm nicht klein zu wirken. Ich erzählte ihm von den Problemen und von den Totgeburten der Frauen, die das Dorf beschäftigten. Dass man mich geschickt hatte, um ihn zu töten, sagte ich natürlich nicht.
Der Zwerg hörte sehr interessiert zu, entschuldigte sich kurz, stieg eine Leiter hinauf und kam mit einem riesigen Buch runter.
„Die medizinische Wissenschaft schreitet täglich mit großen Schritten voran. Die Art wie eure Hebamme die Kinder auf die Welt bringt ist völlig überholt. Auch die Behandlung der schwangeren Frauen vor der Entbindung ist in diesem Falle sehr wichtig, damit sie ein gesundes Kind gebären.“ Dann warf er mit paar Fremdwörter umher, erklärte, wie man solche Totgeburten mit kleinen Mitteln vorbeugen konnte und ich verstand gar nichts. Ich schaute ihn mit großen Augen an, nickte zustimmend und als er laut auflachte, packte ich den Apfel vom Tisch und rammte ihn in seinen Mund.
„Geh und töte den Zwerg!“
Der Kleine schaute mich an und strampelte mit seinen winzigen Armen und Beinen, während ich den Apfel tief in seinen Mund schob.
„Warum?“, las ich aus seinen Augen. „Warum tust du mir das an? Wir sind doch Freunde.“
Ich drückte meine Knie auf seinen Bauch und hielt ihm die Nase zu. Wir waren keine Freunde. Ich war hier, um ihn zu töten. Er war vielleicht ein toller Koch, ein hervorragender Gastgeber, er war witzig, feinfühlig und hochintelligent, aber trotzdem war er anders als wir. Er war ein Zwerg, ein Aussätziger, einer mit dem Niemand etwas zu tun haben wollte.
Sein Todeskampf dauerte mehrere Minuten, aber am Ende verlor er ihn.
Ich zog meine Sachen an, steckte das Messer in den Gürtel und machte mich auf den Heimweg.
Die Dorfbewohner freuten sich, als ich wieder unter ihnen war und meine Heldentat erzählte. Dass mit dem Wolf und der Ohnmacht ließ ich natürlich weg und die nächsten Tage war ich der Held. Man grüßte mich, man nickte mir lächelnd zu, man klopfte mir auf die Schulter. Ich war glücklich. Endlich hatte ich es geschafft, ihre Anerkennung zu bekommen.
Zwei Wochen später wurden die Begrüßungen weniger, das Schulterklopfen seltener und einige Tage später ignorierte man mich wieder völlig.
Ein Jahr verging und die Totgeburten wurden nicht weniger und wieder hatte Jemand eine glorreiche Idee, wer schuld daran sein könnte. Der Bucklige aus dem alten Kloster!
Streitereien, Diskussionen, Abstimmungen und wieder machte ich mich auf den Weg und stapfte durch den Schnee in meinem Fellkostüm. Mit dem Messer am Gürtel und einem roten glänzenden Apfel als Proviant.
„Geh und töte den Buckligen!“


ENDE


(c) 2005 Dogan I.

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Kommentare

NAZ schrieb am 2006-02-21 10:55:32:
Geh unt töte den Zwerg! Geh und töte den Zwerg! Absolut lesenswert, anspruchsvoll, unterhaltsam. Einfach genial!
Geh und töte den Zwerg!
Mythoswolf schrieb am 2006-02-20 14:48:13:
Herrlich.
Deinb Stil ist echt klasse, und das Gebet deines Prots ist der Hammer xD
Und ist es nicht immer so? Sobald man einmal tut, was die mehrheit verlangt, wird man auf ewig ausgenutzt ;)
. schrieb am 2006-02-19 13:08:32:
niiicht schlecht! zwar etwas lang geraten, aber gaaar nicht übel

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