Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Satire > Anderes

Geiz ist geil

von Juuulie

1

Geiz ist geil

Eines Tages beschloss ich, mir ein neues Handy anzuschaffen, da der Vorgänger bei weitem nicht mehr besonders funktionstüchtig war und ich mich durchaus nach ein wenig „High Tech“ bei meiner Person sehnte.
Also wälzte ich duzende Prospekte verschiedener Fachverkäufer und Elektromärkte, als mir auf einmal folgernder fette Schriftzug ins Auge stieß: „Geiz ist geil!“, stand dort geschrieben, was an sich schon eine Unglaublichkeit war, da den Händlern doch immer vorgeworfen wird, ihren Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wenn sie nun seit neustem ihren Kunden zum Geiz auffordern, wäre das doch genau das Gegenteil.
Gesagt, getan: Diesen Laden musste ich finden.
Hochmotiviert begann ich sogleich, einem scheinbar nicht ganz so motivierten Fachverkäufer das Ohr abzukauen, dieser lotste mich aber weiter in eine andere Abteilung. Während ich so durch den Markt wandelte, wurde ich immer faszinierter. An jeder Ecke hing mindestens ein Schild mit der magischen Aufschrift: „Geiz ist geil!“
Ja, dachte ich, Geiz ist geil, und dabei fühlte ich mich auch schon ein wenig geil.
Endlich die Handys erreicht, zog mich die moderne Technik sofort in ihren Bann und meine Finger wurden auf magische Weise von den Mobiltelefonen angezogen.
Da kam auch schon ein geschulter Fachverkäufer des Weges, um mich ungefragterweise zu beraten. An seinem Hemd klebte eine Plakette: „Geiz ist geil!“
Hocherfreut schüttelte ich ihm die Hand. „Ich bin ganz genau Ihrer Meinung. Geiz ist geil!“, verkündete ich mit einem Strahlen.
Der Fachverkäufer wirkte etwas verwirrt und räusperte sich: „Kann ich Ihnen behilflich sein?“
Ich meinerseits räusperte mich auch ein wenig bevor ich dem Fachverkäufer meine ersönliche Lage erklärte: „Wissen Sie, ich bin wie sie. Ich bin so, wie sie es sich wünschen. Ich bin geizig.“
Der Fachverkäufer versuchte ein Lächeln: „Oh. Schön, sehr schön. Was suchen sie denn?“
„Nun, ich suche ein Mobiltelefon, ein Stück moderne Technik, nun, sie wissen schon.“
Der Fachverkäufer wusste Bescheid: „Ein Handy meinen sie! Da hätten wir dieses Produkt für 499€, wozu dann letztendlich nur noch die Anschlusskosten kommen, die Kosten für den Vertragsabschluss, die Vertragskosten, die aber deutlich gering bei 49€ im Monat liegen und eine Versicherung wäre bei einem solch hochwertigen Gerät auch nicht verkehrt. Nun denn, ein Handy suchen sie also.“
„Richtig, sehr richtig. Und um das mit meinem Geiz zu kombinieren natürlich möglichst keine Kosten.“
„Keine Kosten?“ Der Fachverkäufer erstarrte. „Wie stellen sie sich das denn vor? Ich hätte folgendes Angebot: Dieses fast topaktuelle Model für nur 299€ inklusive Jembo Sparabo, damit würden sie sicherlich viel Freude haben! Aber kostenlos? Wie bitteschön stellen sie sich das vor?“
„Ich stelle mir das folgendermaßen vor: Ich bekomme ein Handy von Ihnen. Und ich zahle Ihnen nichts, da ich geizig bin. Sie verstehen mich, da sie auch geizig sind.“
De Fachverkäufer hielt das wohl alles für einen einzigen Witz und versuchte, zu Schmunzeln. Das sah sehr geschult aus. „Ich glaube, da haben wir uns etwas missverstanden. „Geiz ist geil“ bedeutet doch nicht, dass sie hier etwas umsonst bekommen! Sie könnten dieses Gerät in klassischem, edlen Design erhalten und mit Abschluss eines XL-Vertrags würde ich Ihnen eventuell ein Sonderangebot um die 300€ machen, sagen wir 399.“
„Nicht umsonst?“, fragte ich fassungslos. „Aber was heißt es denn dann, das Motto „Geiz ist geil!“? Ich habe das immer so verstanden, dass geizige Leute möglichst wenig Geld ausgeben möchten. Möglichst wenig Geld ist gar kein Geld. Ich bin geizig, was demnach bedeutet, dass ich kein Geld ausgeben möchte. Sie sagen ‚Ja, das finde ich richtig so: Geiz ist geil!‘ und motivieren mich so noch viel mehr, kein Geld auszugeben. Also wäre es doch naheliegend, dass sie mir ein Handy kostenlos verkaufen. Oder ist es ihre Intuition, mich ohne eines Ihrer Produkte wieder aus dem Laden zu entlassen?“
Der Fachverkäufer schaute mich mit merkwürdigem Blick an und räusperte sich erst einmal um Zeit zu sparen. „Sie werden hier mit Preisen komfrontiert, die günstig sind. Sie zeugen von Geiz.“
Ich nahm eines der Mobiltelefone in die Hand. „Glauben Sie denn wirklich, dass ein Geizkragen wie ich sich ein Mobiltelefon für 599€ kaufen würde? Oh nein! Ein Geizkragen wie ich bezahlt nicht mal einen Bruchteil davon. Ein Geizkragen wie ich bezahlt gar nichts.“
In diesem Moment, in dem der Fachverkäufer mich voller Unverständnis anschwieg, ging mir ein Licht auf. Der Slogan „Geiz ist geil!“ bekam auf einmal eine ganz neue Bedeutung.
Ich wandte mich wieder meinem Gesprächspartner zu: „Ich verstehe. Ich bin geizig, Sie sind geizig und wir sind Gegner. Das bedeutet, dass ich Ihnen die Produkte aus der Tasche ziehen will und sie mir das Geld aus der Taschen wollen. Aber vergessen Sie es, ich trage mein Geld nie in der Tasche, Sie Geizkragen!“
Mit diesen Worten verließ ich den geizigen Markt schnellen Schrittes und dachte mir dabei, dass es doch zu respektieren ist, dass manche Händler noch zu ihrem Geiz stehen.




Das soll kein Angriff auf eine bestimmte Ladenkette sein...
Mehr ist dazu nicht zu sagen. Denkt euch euren Teil und schreibt ihn mir als Kommentar!

1

Kommentare

Sam Chaucer schrieb am 2007-04-10 00:21:15:
Den Text fand ich genial! Du bringst es super auf den Punkt, wie immer wieder versucht wird, möglichst viel abzukassieren für irgendetwas, das im Grunde kein Mensch braucht, und den Leuten dann auch noch weiszumachen, sie hätten ein gutes Geschäft gemacht. Weiter so!!!!

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.