Gelber Sonntag
von
Dominique
Die Sonne kitzelt meine Nasenspitze, eine angenehme Wärme durchfährt meinen Körper und ich merke, wie ich langsam aufwache – so beginnen meistens die allerschönsten Sommerferientage.
Heute kann ich so lange schlafen, wie ich will. Heute habe ich keinerlei Verpflichtungen und keinerlei Verabredungen.
Solche Tage gibt es nicht oft, jedenfalls nicht in meinem Leben, Tage, an denen man ganz frei sein darf. Solche Tage, die höchst entspannend sein können, höchst erholsam oder aber stocklangweilig, Tage, an denen man sich noch einsamer fühlt als an manch anderen Tagen.
Ich kann nicht sagen, dass ich Tage, an denen Menschen stets um mich sind, mehr mag als jene, die man einsam verlebt, denn diese haben auch ihren Vorteil: entspannt in der Badewanne ein unterhaltendes Buch lesen, zusehen wie die Fingerkuppen von Zeit zu Zeit immer schrumpliger werden oder einfach auf der Couch herum zu lungern.
Langsam wird mir zu warm und nach fünf Minuten habe ich mich dazu durchgerungen aufzustehen.
Das Telefon klingelt, es ist Florens, der sofort einen Ablauf für den heutigen Tag vorschlägt: Mit dem Fahrrad zu unserem Molkenberger Rapsfeld fahren um dort auf unserem Rosskastanienbaum Zeit zu schlemmen.
Ich willigte ein, zumal wir uns seit einer halben Ewigkeit nicht mehr gesehen haben, da er vor einem Jahr die Schule gewechselt hat.
Schon in meine Wohlfühl- Sachen geschlüpft, vertilge ich auch schon ein paar Cornflakes.
Mein Kater Peter hat einen sonnigen Platz auf der Balkonbrüstung gefunden, seine Ohren stehen aufrecht, seine Pfoten sind eingeknickt. Er erwidert meinen Blick und als ich ihm als Guten- Morgen- Gruß über den Kopf streichele, streckt er seinen Kopf zu meiner Hand empor und bittet auf diese Weise um Fortführen der Liebkosung.
Aber ein Klingeln an der Haustür hält mich davon ab. Schnell noch den Proviant in meinem Rucksack verstaut und Peter doch noch einmal getätschelt, bin ich auch schon auf dem Weg zu unserem Schuppen, um mein Fahrrad zu holen.
Wir pflegen uns mit einer Umarmung zu begrüßen. Ich denke daran, wie lange die letzte doch schon zurückliegt.
Er hat sich verändert: was mir neben der Statur auffällt, sind seine lockigen Haare, er hat sie sich kinnlang wachsen lassen, außerdem ist seine Stimme herangereift und er trägt keine Zahnspange mehr- gut sieht er aus.
Wir finden leicht einen Anfang unseres Gesprächs. Wir reden über ihn und wie es ihm an seiner Schule ergeht, über seine Bruder und über seine Ex-Freundin, über die er ungehemmt und lange erzählt.
Ich lausche ihm ohne ein Wort zu verpassen und sogar als wir den Molkenberg hoch radeln, erzählt er ohne Unterbrechung weiter.
Ein unendliches Panorama gelben Rapses liegt vor unseren Füßen.
Es überströmt uns ein überwältigendes Gelb. Ein Gelb, wie ich noch nie eines gesehen habe. Ein Gelb, das mich blinzeln lässt. Ein Gelb, wie ich noch nie eines wahrgenommen habe. Ein Gelb, das einem das Gefühl gibt sich in Trance zu befinden. Das Gelb unseres Molkenberger Rapsfeldes.
Wir schließen unsere Fahrräder an einen Kirschbaum am Straßenrand und sehen uns an, Worte wären jetzt überflüssig, Zustimmung verraten die Blicke. Unsere Hände treffen sich und wir rennen los, soweit wie möglich auseinander, aber doch zusammen, ein Arm waagerecht ausgestreckt, als ob wir ein Flugzeug formen, das kurz davor ist den Erdboden unter sich zu lassen. Wir rennen mit geschlossenen Augen so schnell wir können mit der Hoffnung vielleicht irgendwann abzuheben, landen jedoch letztendlich im Raps. Atmen tief ein und aus, ein und aus.
Unser Rosskastanienbaum steht in voller weißer Blüte. Er strahlt beruhigenden Frieden und eine ungemeine Freundlichkeit aus, sein Holz schmiegt sich an mich wie ein Kissen und ich bilde mir ein, seine Äste würden sich bewegen, um mir das Erklimmen zu erleichtern.
An meinem Stammplatz angekommen beobachte ich Florens, seine Tollpatschigkeit lässt ein liebenswertes Bild erscheinen. Er bittet mich einmal zu ihm zu kommen, seine Augen leuchten, wie die eines Kindes, das etwas Neues entdeckt hat.
Mit dem Zeigefinger überstreicht er unsere viele Jahre alte Einritzung. Dort ist Nila + Flo = Forever Friends in eine Sternform in den Stamm geschnitzt. Er streicht mit seinem Zeigefinger über die Einkerbung der Rinde. Erinnerungen steigen auf.
Der Sonntag verfliegt, wie einst in meinen Träumen: Wir liegen im Rapsfeld und sprechen darüber, wieso es Raps gibt, wieso er gelb ist und ob das Feld nur in unserer Welt existiert. Wir beobachten, wie ein Schmetterling auf Florens Hand verweilt, wie Schwalben das Feld überfliegen. Wir testen, wie sehr ein Grashalm auf nackter Haut kitzeln kann und prüfen noch einmal, ob wir nicht doch fliegen können.
Die Sonne kitzelt meine Nasenspitze.
Ein unverhofftes Leichtigkeitsgefühl durchflutet meinen Körper.
Ich habe mich an diesem Sonntag ungewollt in einen Freund verliebt.
Kommentare
Maggi schrieb am 2008-05-23 13:30:10:
die geschichte ist einer der besten sie ich je gelesen hab erhlich!!!!
Mach weiter so du kommst sicher mal ganz groß raus!!!!
Larissa schrieb am 2007-10-31 18:50:07:
Die Geschichte ist in einem echt tollen Stil geschrieben, ich konnte mich gut hinein versetzten und sogar richtig den total gelben Raps sehen. Ein echt gutes Werk!
benni schrieb am 2006-09-06 17:11:51:
daraus könnte mal was werden! echt sehr gute geschichte!!!!!!!
Tiegerente schrieb:
Die Geschichte ist sehr schön geschrieben. Gefällt mir gut!!
Kitty schrieb:
Die Story ist super!! Mir ist es vor einiger Zeit gleich ergangen. Doch mein bester Freund war nicht in mich verliebt. War hart für mich.
hexemadlen@web.de schrieb:
Mir ging es genauso wie Kitty! Deine Geschichte ist sehr gut.
Iltschi2@aol.com schrieb:
Die Geschichte ist toll, ich bin auch in meinen besten Freund verliebt, kann mich also auch gut damit identifizieren.
loveman@web.de schrieb:
das ist keine kuszgeschichte ihr seid des wannsinns
amanita schrieb:
wow, eine wirklich gute geschichte. ist auch unheimlich schön geschrieben! *respect*
monthida_chon84@yahoo.de schrieb:
tolle story, hab mir wirklich den gelben raps vorgestellt.
Lothar.Haegele@t-online.de schrieb:
..Die Geschichte ist schön erzählt,
ist angenehm zu lesen,sehr lebensnah,
vielleicht würde als Titel für die
Geschichte auch sehr gut.:"Ein Tag wie kein anderer"..passen...
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