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Kategorien > Satire > Skuriles

Genesis 0.9_Beta Version

von paperbackwriter

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Bevor Gott die Erde aus der Taufe hob, sinnierte er lange über die Gestaltung der Form des Planeten. Nach reiflicher Überlegung entschied er sich für die Kugel. In seinen Gedankenspielen platzierte er diese geradeso am Firmament, dass jede Hälf-te für die gleiche Dauer im Schein der Sonne stünde.
In der praktischen Umsetzung allerdings stellte ihn sein Unterfangen vor größere Herausforderungen als zunächst gedacht. Wie er die Erde auch drehte und wende-te, die runde Form wollte ihm nicht recht gelingen. An einigen Stellen bildeten sich Dellen, die mal über den Rand hinaus ragten, mal Vertiefungen bildeten.
‚Nobody is perfect’, tröstete sich Gott, obwohl er zu dieser Zeit die englische Sprache noch nicht beherrschte.
Letztlich kam er zu dem Entschluss, eine große Sintflut zur Erde hinab zu schicken und seine motorische Unfertigkeit mit großen Wassermassen zu kaschieren. Er war noch nicht sehr geübt in Sintfluten, und so schüttete er eine so riesige Wassermen-ge aus, dass den Engeln im Himmel beinahe die Wolken ausgingen, auf denen sie gerne saßen und die Flügel hängen ließen.
Gott war der Überzeugung, dass diese Faulenzer zumeist sowieso nichts von Belang taten, sondern lediglich warteten, dass ihm endlich ein Einfall käme – ein göttlicher Einfall sozusagen -, um in diesen trostlosen, langweiligen Himmel etwas Action zu bringen.
Nach Gottes Wille und Plan wurde die Erde somit geflutet, Basta!, die Vertiefungen füllten sich mit kristallklarem Wasser, das im Schein der Sonne grünlich und bläu-lich schimmerte. Mit großer Zufriedenheit betrachtete Gott sein Werk und weidete sich mit einem euphorischen ‚Well done!’ an der herrlichen Landschaft, obwohl er sich der Bedeutung dieses Ausrufs nicht bewusst war.

Die Schönheit der Meere und Seen inspirierte ihn zur Erschaffung von Tieren, de-ren Lebensraum ausschließlich auf das Wasser begrenzt sein sollte. So schuf er die Fische und stattete sie mit einer Haut aus Schuppen aus. Er gab ihnen Namen wie Goretex oder – einer besonders farbenfrohen Art – Sympatex. Aber den Fischen sag-ten die Namen nicht recht zu, die Gott erdacht hatte. Stattdessen nannten sie sich untereinander lieber Dorsch oder Makrele oder was ihnen sonst gerade in den we-nig fantasievollen Sinn kam.
Mit der Zeit erkannte Gott, dass die Fische auf der Stelle verharrten, sich blöde an-glotzten, und, wenn die Langeweile gar zu groß wurde, sogar gegenseitig auffraßen. In einem ruhigen Moment, als er sinnierend die Engel betrachtete, die dicht ge-drängt auf den wenigen Wolken saßen, die Gott ihnen nach der Sintflut gelassen hatte, kam ihm ein Gedanke.
Zu beiden Seiten des Körpers erhielten die Fische Flügel, mit denen sie sich unter Wasser fortbewegen konnten. Gleichzeitig sorgte er für ihre Nahrung und erschuf in einem Anfall kreativer Schöpfungsfreude noch weitere Meerestiere und Unterwas-serpflanzen.
Die Engel trauten ihren Augen kaum. In allen erdenklichen Farben und Größen schwammen merkwürdige, faszinierende Lebewesen inmitten der großen Wasser der Erde. An der prächtigen Kulisse konnten sie sich gar nicht satt sehen und ver-gaßen darüber sogar, ihrem Ärger über die mangelhafte Ausstattung an Wolken Luft zu machen.
„Wow!“, riefen sie staunend im Chor, obwohl ihnen Gott eingebläut hatte, in Mo-menten ergriffener Freude ausschließlich ein dreifaches ‚Halleluja’ anzustimmen. War er bei bester Laune, ließ er auch ein gut abgesungenes ‚Hosianna’ gelten. Aber niemals ein ‚Wow’.
Gott war jedoch mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Er hatte Blut geleckt. Kugeln konnte er zwar keine formen, aber Tiere in die Welt setzen, das war sein Ding. So ließ er seiner Phantasie freien Lauf und schuf die schönsten, farbenprächtigsten und größten Tiere, die sich so ein Gott vorstellen konnte. Im Überschwang der Be-geisterung übertrieb er es ein bisschen, denn die Dinosaurier gerieten ihm ein we-nig zu spektakulär.
Den Engeln aber gefiel es. Sie schlugen Purzelbäume vor Freude, auch wenn man-cher Flügel dabei ramponiert wurde. Aber was ein richtiger Engel war, der ließ sich nicht so leicht unterkriegen. So beobachteten sie voller Bezauberung und Ehrfurcht das bunte Treiben auf der Erde.

Gott aber erkannte, dass seine Schöpfung aus den Fugen geriet, denn wiederum hatte er nicht bedacht, dass die kleinen von den großen Tieren gefressen wurden, da es keine andere Nahrung für sie gab. Und ein zoologischer Garten war nicht in Gottes Schöpfungsplan vorgesehen.
„Damné! Quel malheur!“ knurrte er, da er den weichen und angenehmen Klang der französischen Schimpfwörter liebte.
Sein schönes Werk, das er unter großen Anstrengungen hervorgebracht hatte, drohte zu scheitern, bevor es richtig begonnen hatte. Doch die rettende Idee war rasch zur Hand.
Eine neue Spezies der Lebewesen wurde geboren: die Pflanzen. Ihnen war es gleich-gültig, ob und wie oft sie gefressen wurden. Sie vermehrten sich wie die Karnickel – obwohl sich diese Tierart erst später aus dem bis dato unbekannten Feldhasen entwickeln sollte, weiß Gott wie! – und bildeten immer wieder neue Triebe, Wurzeln und Samen. Mit der Zeit akzeptierten die Tiere die neue Futterquelle. Insbesondere die gefräßigsten unter ihnen erfreuten sich an der Unerschöpflichkeit zarter Blätter und Zweige.
„Me encanta“, rief Gott freudig aus, und alle Engel drehten sich zu ihm um, weil ihnen die Worte spanisch erschienen. Erleichtert, von der Arbeit erschöpft, ließ Gott sich auf seine Stammwolke fallen und fiel in einen erholsamen Schlaf.

Als er nach einer Spanne erwachte, für die es zu jener Zeit keine Maßeinheit gab, blickte er voller Schrecken auf ein Stück brauner, reizloser Erde, die er schlicht und ergreifend übersehen hatte. Es war von so unaussprechlicher Unvollkommen-heit und Hässlichkeit, dass er beinahe von der Wolke gefallen wäre.
„Per carità“, schimpfte er, obwohl ihn die Engel ermahnt hatten, das Italienische zu meiden, da gottesfürchtige Menschen zukünftig niemals diese Sprache erlernen würden.
Nachdem er sich vom ersten Schock erholt hatte, begann er, das Versäumte nach-zuholen. Alle Feinheiten und Finessen, die er sich im Laufe der Schöpfung angeeig-net hatte, konzentrierte er nun auf diesen Flecken seiner geliebten Erde. Schroffe Bergkuppen wechselten mit sanften Hügellandschaften, weite Flusstäler mit fla-chen, offenen Ebenen ab. Er stattete das Land mit vielfältigen Lebewesen aus, ver-mied es jedoch, zu große und zu viele Arten darin unterzubringen.
Als er sein Werk beendet hatte, gratulierten ihm die Engel voller Begeisterung und ließen ihn hochleben. Sie feierten ein rauschendes Fest, und Gott spendierte zur Feier des Tages ein paar nigelnagelneue Wolken.
In diesem Stadium ausgelassener, geradezu euphemistischer Freude kam ihm eine neue, eine kühne Idee in den Sinn: die Erschaffung eines einzigartigen, besonderen Lebewesens. Klug, intelligent, von schöner Gestalt. Ganz nach seinem Bilde eben.
Die Kühnheit seines Plans ließ ihn jedoch am Gelingen zweifeln. Er entschloss sich, fürs Erste zwei

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