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Kategorien > Horror > Fantastisches

Geschichten aus Lurruken, Teil V: Flucht nach Magg

von Andre Schuchardt

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dass Niráce immer wieder von Laqualle und Journas sprach, bis Umean ihn irgendwann überreden konnte, dass es besser sei zu schweigen, geschah an diesem Tag sonst nichts weiter.
Auch die folgende Nacht blieb ruhig und ebenso der Tag darauf und die Nacht danach. Einen weiteren Tag später sollten alle es bereits wieder fast vergessen haben. Selbst Niráce verhielt sich fast normal und nahm wieder an den Plänen teil, Begót zurück zu erobern. Auch mit mir sprach er wieder normal und als sei nichts geschehen. An diesem Tag begleitete ich ihn abends zu seinen Gemächern. Vor seiner Tür blieb ich stehen.
„Herr, ich wünsche euch eine geruhsame Nacht“, sprach ich und verabschiedete mich.
Doch Niráce betrat seine Gemächer, taumelte zu seinem Bett und ließ sich fallen. Eine seltsame Schwere hatte sich seiner bemächtigt. Fast augenblicklich und gänzlich bekleidet schlief er ein.
„Niráce Jardgeault, erhebt euch!“ weckte ihn später in der Nacht eine grausig blubbernde Stimme, als gurgele sie seinen Namen.
Und Niráce öffnete die Augen und sah in die eines Mannes, bartlos und in seinen besten Jahren. Schreiend vor Grauen sprang er auf, als ihm gewahr wurde, dass diese Augen zu einem Kopf gehörten, doch der Kopf ohne Körper war. Der Kopf lag auf seinem Bett, Blut sickerte noch aus dem Halsstumpf auf sein Laken; ebenso kam das blubbernde Geräusch von dem Blut, welches aus dem Munde triff, sobald er ihn öffnete um zu sprechen. Und das tat er auch.
„Niráce. Seht mich an! Wisst ihr, wer ich bin?“ blubberte der Kopf.
Niráce war bleich und panisch vor Schreck, doch beruhigten ihn die Worte auch auf eine seltsame Art und es gelang ihm, zitternd zu antworten.
„Seid ihr... - General Merchánis?“ fragte er starr.
Der blutige Schädel grinste ihn vergilbt an.
„Ja, genau der bin ich. Und wisst ihr auch, warum man mir dies angetan hat?“ blubberte der Kopf.
„Ihr ward hauptverantwortlich für den ersten Bürgerkrieg!“ Ihr wolltet den Thron an euch reißen! Ihr habt erhalten, was ihr verdient!“ schaffte es Niráce trotz seiner Angst, Verachtung in seine Stimme zu legen.
„Nein! - Ich wollte den Thron verteidigen! - Vor all diesen falschen Söhnen und Töchtern! - Doch wisst ihr auch, warum ich hier bin?“ blubberte der Kopf.
Niráce schüttelte nur den Kopf.
„Er hat kläglich versagt! - Und so leider auch ich“, sprach da eine düstere Stimme bedauernd.
Niráce blickte erschrocken nach links, wo er neben dem Bett eine Gestalt ausmachte. Ein großer Mann, aschgrau gewandet, das Gesicht fürchterlich wie von Flammen entstellt.
„Wer seid ihr?“ fragte Niráce, nun auch voll von Ekel ob dieses Anblicks, nur noch flüchten wollend.
„Baránoux nannte man mich einst. Ich nutzte die Gelegenheit, als dieser rückgratlose Schuft hier den Krieg anzettelte, um meine Heimat gegen die Banditen zu verteidigen – und auch, um selber Macht zu erlangen. Doch es sollte nicht sein“, sprach er mit einer knisternden Stimme wie ein Lagerfeuer und trat näher ans Bett, nahm den Kopf und hob ihn hoch, drückte ihn an sich, während Blut auf den Boden tropfte.
„Was wollt ihr von mir? Ich habe euch nichts getan!“ sprach Niráce mit aufgeregter Stimme, erhob sich und trat bis zur Wand zurück, doch der Mann mit dem tropfenden Kopf folgte ihm.
„Wir haben versagt bei dem, was wir taten und so tatest auch du. - Nun ist es Zeit für dich, uns zu begleiten. Für das Versagen ist in dieser Welt kein Platz. - Du gehörst zu uns!“ sprachen die beiden wie aus einem Munde und kamen auf ihn zu.
„Nein!“ schrie da Niráce und hob abwehrend die Hände.
Doch da trat wie aus dem Nichts eine ältere, große und kräftige Frau dazwischen.
„Ich strafte euch beide doch schon einmal, und so werde ich auch heute! Ihr habt hier nichts verloren“, sprach sie.
Und Baránoux wich vor ihr zurück wie vor dem Feuer.
„Jáneur – dieser Mann gehört zu uns! Wir werden ihn uns holen, und auch du wirst das nicht verhindern können“, blubberte da der Kopf von General Merchánis.
„Wir kommen wieder!“ sprach auch Baránoux.
Und damit verschwanden sie.
Jáneur - Anführerin der Geschwister, Siegerin des ersten Bürgerkrieges, Bewahrerin des Reiches und Rächerin ihres ermordeten Vorgängers Sináque – sah Niráce nur enttäuscht an und sagte nichts. Dieser hatte das Gefühl, dass ihr Blick bis in das Innere seines Seins schaute und schauderte mehr als die Tage zuvor. Er fühlte sich schuldig. Bewusstlos fiel er um.

So sollte ich ihn dann auch am nächsten Morgen finden: auf dem Boden unfern seines Bettes liegend, dieses noch völlig unberührt und sauber, er völlig bekleidet. Vorsichtig weckte ich ihn.
„Herr – was ist passiert? Geht es euch gut?“ fragte ich besorgt.
Langsam wachte er auf. Und wie schon drei Tage zuvor wich sein verschlafener Blick sofort dem Schrecken. Erregt sprang er auf, mich kaum beachtend, und eilte hinüber zum Bett. Dort wurde er noch aufgebrachter, als er nicht fand, was er suchte, denn das Bett war unberührt und jungfräulich rein. Er drehte sich im Kreis und suchte den Raum ab – ach, dieser arme kranke Mann!
„Herr, was sucht ihr?“ fragte ich, leichte Furcht aufgrund seines ungewöhnlichen Verhaltens verspürend.
„Sie waren hier!“ rief er nur, „Sie waren hier, doch wo – wo sind sie jetzt?“
Verzweifelt deutete er auf sein Bett.
„Es war voller Blut! Voller Blut!“ rief er verzerrt.
Ich konnte ihn nur noch bedauernd ansehen.
„Herr, ihr scheint wieder schlecht geträumt zu haben“, sprach ich.
Da wandte er seinen Blick mir zu. Wilder Wahn leuchtete aus seinen Augen.
Tiefste Angst schlich sich in mein Herz – habt ihr so etwas schon einmal erlebt? - es ist nicht beschreibbar! Ich versuche es deshalb erst gar nicht.
„Nein! Nein! NEIN! Es ist geschehen! Sie waren hier!“ schrie er mich an.
„Ich hole Umean!“ sprach ich da und machte mich so schnell ich nur konnte aus dem Raum – draußen rannte ich dann.
Nach diesem Vorfall ging ich Niráce möglichst aus dem Weg. Er war es also nicht, der mir seine Sicht der Geschichte schilderte. Auch Umean wollte mir dieses Mal nichts erzählen, schien sie doch selber wie erstarrt. Ich erfuhr alles erst Tage später, nach all diesen Ereignissen. Doch da sollte es mich kaum noch beeindrucken. Niráce hatte mir Angst gemacht, wie nie jemand zuvor, und es sollte nicht das letzte Mal bleiben. Sein Wahn steigerte sich in den nächsten Tagen nur noch mehr.
Diesen gesamten Tag aber kam er nicht mehr aus seinen Gemächern. Umean musste bei ihm bleiben und ihn überzeugen, dass alles nur ein Traum und völlig in Ordnung sei – es schien eine schwere Aufgabe. Doch tatsächlich zeigte er sich später noch einmal kurz außerhalb seiner Räume.
Am nächsten Tag war er mit dem Herrn Aurís und anderen im Palast eigenen Park spielen. Als Aurís ihn versehentlich mit dem Ball am Kopf traf, rastete Niráce völlig aus. Kreischend bis schreiend beschuldigte er Aurís, ihn umbringen zu wollen. Irgendwann nahm er seinen Stab und ging damit auf Aurís los, schlug auf ihn ein, als wolle er ihn umbringen. Dieser konnte sich gerade noch wehren, bis die anderen Mitspieler

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