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Kategorien > Horror > Fantastisches

Geschichten aus Lurruken, Teil V: Flucht nach Magg

von Andre Schuchardt

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halten, nicht angesteckt zu werden – sollte ich denn damals damit überhaupt Erfolg gehabt haben.
„Das ist mir egal. Lasst das eure Sorge sein! Und bereitet mir eine Kutsche vor, ich will heute noch abreisen“, sprach er, und es sollte geschehen.
Niráce reiste lediglich mit zwei selbst ausgesuchten Wächtern und wenig Gepäck ab. Umean handelte die nächsten Tage, wie von ihm angeordnet. Natürlich sprachen sich die Edlen gegen seine Anweisung aus. Viele wollten Niráce schon lange abgesetzt sehen, allen voran der Herr Fonouille und die Herrin Goulís. Doch Umean konnte sich durchsetzen. Bald schon begannen die Vorbereitungen, den Palast nach Maggir umzusiedeln. Maggir war auf so etwas wie diesen unerwarteten Ansturm der Edlen sogar vorbereitet. Sámeidan und vor allem seine Tochter Amoujain hatten damals den alten Familienpalast von Jáneur weiter ausgebaut und sich dort oftmals aufgehalten. Dieser nun sollte unser neuer Palast werden. Aus dem Palast des Wahnsinns von Lían also in den Palast des Wahnsinns in Maggir. Die Zeichen waren viel versprechend.
Niráce selbst kam derweil unbehelligt auf dem Landgut seiner Familie an, ein paar Stunden nur außerhalb von Lían. Seine Eltern waren beide vor langem gestorben, zuletzt der Vater vor Begót, Geschwister hatte er keine mehr, so stand das Gut nun größtenteils leer und ihm allein zur Verfügung und niemand außer ein paar Dienern sowie der Haushälterin Mauce konnten ihn hier stören. Und so schien es, als würde er sich tatsächlich erholen, wirkte auf Mauce fast wieder so froh und normal wie damals als Kind. Seine frühere Hebamme war auch außerordentlich erfreut, ihn wieder zu sehen. Diese Meinung sollte sich noch ändern.
Niráce verbrachte die Tage wandernd in den Gärten seines Anwesens, die meiste Zeit nun allein, seltener auch zusammen mit Mauce. Doch weiterhin ließ er seine Wachen auf sich aufpassen, sogar der Koch selber musste seine eigenen Speisen vor den Augen von Niráce stets vorkosten. Aber es war trotzdem ruhiger und entspannter für Niráce als zuvor in Lían. Von Umean erhielt er Botschaften, die ihn über den Stand der Dinge auf dem Laufenden hielten; er selber sandte uns Nachrichten, dass es ihm besser gehen würde. Doch leider sollte dies nicht sehr lange anhalten.
Am Abend des dritten Tages nach seiner Ankunft auf dem Gut der Familie Jardgeault schien alles anfangs wie gewohnt. Niráce nahm mit Mauce sein Abendmahl ein, sprach mit ihr danach noch eine Weile über die letzten Ereignisse, bevor er sich schließlich verabschiedete und sich in seine Gemächer zurückzog. Diese bestanden hier aus einem Vorraum, einem Badezimmer, Haupt- und Schlafraum sowie dem Balkon.
Mitten in der Nacht erwachte Niráce von einem Geräusch. Es war ein Kratzen, und es kam von draußen, von dem Fenster zum Balkon. Niráce zögerte. Als das Kratzen sich jedoch fortsetzte, fasste er den Entschluss nun nach zu sehen, was ihn da störte. Er erhob sich aus seinem Bett – und in dem Moment öffnete sich die Balkontür. Niráce erstarrte, als er sah, wie ein Fuß die Schwelle zu seinem Zimmer übertrat. Es folgten das Bein und bald eine dunkle Gestalt.
„Wer seid ihr? Was wollt ihr?“ fragte Niráce in Angst.
Die Gestalt war männlich. Sie trug eine leichte Rüstung, ein Schwert auf den Rücken geschnallt – und sie trat weiter vor. Das Gesicht war bärtig, die Rüstung rostig, schmutzig. Seetang hing dem Mann von Schultern und Kopf. Mit jedem Schritt hinterließ er feuchte Fußspuren auf dem Boden und das lange Haar hing ihm nass in das Gesicht. Trotzdem erkannte Niráce natürlich, wer da kam – das war unmöglich!
„Warum hast du uns so unvorbereitet in den Krieg geschickt? Warum hast du uns dort allein gelassen? Die Seeräuber versenkten unsere Schiffe, eins nach dem anderen. Wie konntest du das gerade mir antun?“
Die Stimme seines Vaters war rau und brüchig, doch voll von Hass, Zorn und Anklage. Niráce' Herz raste und er befürchtete, es würde ihm im Leibe bersten. Seine Angst war unermesslich.
„Nein! Nein! Ich wusste es nicht! Es war niemals meine Absicht! Vater – bitte!“ flehte Niráce und Tränen der Verzweiflung kamen auf.
Doch sein Vater erhörte ihn nicht. Bald war er vor ihm, legte ihm die Hände um den Hals, drückte langsam und hasserfüllt zu – Niráce wehrte sich nicht und verlor bald das Bewusstsein.

Mauce sollte ihn am nächsten Tag auf dem Boden vor seinem Bett liegend vorfinden.
„Herr!“ entfuhr es ihr und besorgt lief sie zu ihm.
Doch Niráce lebte noch. Er musste wohl des Nächtens aus dem Bett gefallen sein. So dachte jedenfalls Mauce, denn das, was Niráce ihr später erzählte und was sie uns wenige Wochen später schildern sollte, konnte ja niemand mit Vernunft und Verstand wirklich glauben.
„Wo ist er? Wo ist mein Vater?“ fragte er als erstes, als er aufwachte.
„Herr? ...euer Vater ist tot und wurde nie gefunden... - das wisst ihr doch“, sprach Mauce zögernd.
„Aber – aber, er war hier! Er hat Spuren hinterlassen, das wird es beweisen!“ sprach Niráce und suchte eifrigst den Boden ab – doch dieser war sauber und unberührt. Nun musste Mauce die undankbare Aufgabe übernehmen, die zuvor Umean inne hatte: Niráce beruhigen und einem gewöhnlichen Leben wieder zugänglich machen. Doch hatte sie es nicht ganz so schwer, da er bei ihr alles tat, was ihm gesagt wurde. Dumpf und leer starrten seine Blicke ins Nichts, doch aß er und ließ sich waschen, alles bar jeglicher Leidenschaft. Mauce sollte sich immer mehr Sorgen um ihn machen müssen – und war bald selbst der Verzweiflung nahe.
Ticqaille, einer seiner beiden Wächter, übernahm für Mauce alsbald die Aufgabe, ihn zu beschäftigen. Ticqaille ging dazu über, mit Niráce in den Garten zu gehen, um sich mit ihm dort im Kampfe zu üben. Nach anfänglicher Lustlosigkeit taute Niráce dann auch bald auf und machte anschließend sogar mit – gar mit Leidenschaft, als die nächsten Nächte wieder ruhiger blieben. Doch dann, am dritten Tage, da geschah es erneut.
Niráce hatte gar nicht erst geschlafen. Grübelnd und fröstelnd saß er draußen auf dem Balkon. Zumindest solange, bis er im Zimmer hinter sich etwas hören sollte.
„Niráce, mein Lieber. Komm herein zu mir, du erkältest dich noch!“
Dieser erkannte die Stimme der Frau, die da zu ihm sprach nicht, doch wusste er, dass ihn da drinnen sicher nichts Gutes erwarten würde. Schnell sprang er auf und schloss die Tür, sich selber damit aussperrend. Entsetzt über die Geschehnisse, trat er einen Schritt zurück. Er wollte von hier fliehen, soweit es nur ging, doch er hielt sich damit zurück, einfach vom Balkon zu springen, um dies alles endlich zu beenden. - Da stieß er hinter sich plötzlich gegen etwas.
„Aber mein Junge, wer wird denn so ungezogen sein“, tadelte ihn die Frauenstimme leicht amüsiert.
Erschrocken wirbelte Niráce herum und drückte sich nun an die Balkontür. Dicht vor ihm stand sie, eine schöne junge Frau, gekleidet nur im Nachthemd. Sie lächelte ihm zu, doch mit einem vorwurfsvollen Blick. Er kannte sie nicht. Oder doch? - Ihm kam ein Gemälde im Haus in den Sinn.
„Wer

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