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Kategorien > Horror > Fantastisches

Geschichten aus Lurruken, Teil V: Flucht nach Magg

von Andre Schuchardt

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die anderen Gäste herum. Heute waren sie hier der Mittelpunkt. Die Musik spielte nur für sie beide. Ob später zwischen ihnen beiden noch mehr entstehen könnte? Aufgeregt...
...versteckte er sich in der Ecke. Würde sie ihn hier finden? Er musste sich zusammenreißen, sich nicht schon durch seinen Atem zu verraten. Da! - ihr kopfloser Schatten erschien an der Wand ihm gegenüber. Niráce erstarrte vor Schreck. Das Messer schob sich langsam um die Ecke.
„Wie wäre es mit noch etwas Wein?“ fragte Niráce höflich.
„Aber, ich hatte schon genug – oder wollt ihr mich betrunken machen?“ fragte Annous erheitert und wohlgemut.
„Aber niemals!“ empörte sich Niráce, doch lächelnd.
Er trat ihr auf den Arm. Dann rannte er los, bloß fort von ihr, doch stieß dabei hart an seinen Tisch, den er nicht gesehen hatte. Aufschreiend vor Schmerz fiel er hinten über, hinein in den harten, kalten Stuhl. Seinen Kopf sich schwer am Pfeiler stoßend, wurde er bewusstlos.

„Herr? Wo bleibt ihr?“ Alle warten auf euch“, sprach ich, als ich vorsichtig seine Gemächer betrat, um ihn zu holen.
Doch ich fand ihn schlafend an seinem Schreibtisch vor, über alte Bücher drapiert. Zwar in seinem Festgewand, doch endlich wieder schlafend.
„Herr?“ sprach ich erneut und schüttelte ihn an seiner Schulter, um ihn aufzuwecken.
Doch er antwortete nicht, schnarchte nur weiter. Ich kam mit Umean überein, ihn dabei zu belassen, und hievte ihn zusammen mit Sarroux hinüber in sein Bett, ihn so schlafend lassend, seines eigenen Friedens willen.
Morgens dann war er nicht einmal erbost darüber, den Ball verpasst zu haben. Er schien vergessen zu haben, dass er stattgefunden hatte. Er murmelte nur etwas von Puppen und der Herrin Annous und schien ständig zwischen Grauen und Frohsinn zu schwanken. Als wir uns schließlich erkundigten, was geschehen sei, erzählte er seinen Traum mit aller Überzeugung, dass er wahr gewesen sei. Ich erinnere mich gut, wie erschreckend er von der Nacht sprach, doch keiner von uns wagte eine weitere Erkundigung oder gar ihn davon zu überzeugen, dass dies nicht stattgefunden hätte.
„Die ersten sind bereits fort“, antwortete Umean ihm, als er bald fragte, wie der Stand der Dinge nun sei.
„Schon? Ich hatte gehofft, sie würden nach diesem Abend noch mit Kopfschmerzen in ihren Betten liegen, so wie es mir ging“, spottete er und Umean lachte nur schwach.
„Ja, manche tun das sicher auch“, bestätigte sie.
Wir waren gerade zu dritt in seinen Gemächern, welche er sich immer noch weigerte zu verlassen. Es klingelte die Türglocke und zwei Diener betraten unaufgefordert den Raum.
„Herr, wir bringen euer Essen“, sprach Laufé, der Vorkoster - und auch Koch.
„Stellt es dort ab“, sprach Umean für Niráce und deutete auf den Arbeitstisch. Laufé und der andere Mann kamen dieser Anweisung geschwind nach. Es war nicht viel, was sie dort brachten, und die beiden hatten keine Mühe gehabt, es selber aus der Küche in die Gemächer zu tragen. Als sie fertig waren, schickte sich Laufé an, einen Löffel zu nehmen, um wie gewohnt vor den Augen von Niráce vom Essen zu kosten.
„Hört auf“, unterbrach ihn Niráce dabei, „ich weiß bereits, wer mein Leben will. Das könnt ihr auch nicht mehr verhindern. - Aber es wird alles gut sein, sobald wir in Maggir sind.“
Doch alle sahen ihn nun nur verwundert an. Besserte sich sein Zustand etwa noch? Nein, dagegen sprach die Bemerkung vom drohenden Tode.
Am nächsten Tag sah man Niráce oft alleine durch den Palast wandern. Er hielt bei Edlen, die gerade ihr Gepäck verladen ließen und ging ohne ein Wort weiter. Er wanderte durch den Palastgarten und besah sich die Blumen, besuchte gar die palasteigene Küche und sah Laufé beim Schaffen zu. Tags darauf knüpfte er an diese Tätigkeiten an und verabschiedete sich förmlich bei der Herrin Goulís, welche gerade abreiste – und ihn nur hochnäsig ansah. So langsam wurde es aber ruhiger im Palast. Sogar einige der nun nicht mehr genutzten Möbel wurde versandt. Niráce schien zufrieden, doch drängte auch weiter, sprach davon, man müsse diesen Platz endlich verlassen. Seine Angst war offenbar.
Den Abend verbrachte er in seinen Gemächern. Er wollte möglichst viel über seine Vorfahren herausfinden, so sprach er, und ließ sich dazu so manch altes Buch bringen. Jedoch kam er nicht weit, war gerade an einer Stelle von Schilderungen über Raís Verrat und Tod angelangt und stand in seinem Lesewahn kurz vor der letzten Schlacht zwischen Tól und Omé und Silön und ihrem sonderbaren Verschwinden von dieser Welt. Da klopfte es an der Tür. Niráce blickte auf.
„Wer da?“ rief er.
Doch statt zu antworten klopfte es erneut. Niráce wurde unruhig.
„Wenn ihr euch nicht zu erkennen gebt, bleibt lieber draußen!“ rief er, etwas zittrig.
Es klopfte ein drittes Mal – und Niráce schwieg ängstlich.
Nachdem dann eine Weile nichts geschah, nahm Niráce seine Lektüre wieder auf. Doch gut eine Stunde später öffnete sich plötzlich die Tür zu seinem Schlafgemach. Erschrocken sprang Niráce auf. Vor sich erblickte er einen blonden, großgewachsenen, gutaussehenden und kräftigen Mann in Rüstung, das Schwert auf den Rücken geschnallt.
„Wer seid ihr? - Wachen!“ rief Niráce, doch niemand erhörte ihn.
„Ach, seid bloß still“, sprach der Jüngling, „ihr solltet doch mittlerweile wissen, dass euch keiner hören wird.“
Ohne Hast noch Zögern näherte er sich und lehnte sich aufreizend an die Wand.
„Niráce Jardgeault, ich mache es kurz. Ihr erkennt mich vermutlich nicht. Von mir wurde in diesen Ländern nie ein Bild gemalt. - Wie dem auch sei, mein Name ist Raí. Tól und Omé waren meine Eltern, Lían meine Schwester“, sprach er locker, doch Niráce schauderte.
Raí nahm ein Buch aus dem Regal und betrachtete es oberflächlich.
„Wisst ihr, ich dachte Zeit meines Lebens, meine Eltern hätten mich verlassen und verraten und nur Silön spräche die Wahrheit. Heute weiß ich, alle haben mich angelogen. Doch sie verließen mich, sie gingen einfach und ließen mich hier vollkommen allein zurück. Auf ewig werde ich verdammt sein! Ruhend oberhalb der Stadt Lían und deshalb niemals wirklich Ruhe findend. - Ja, niemals auch nur ein Sohn wird Ruhe finden!“ sprach er und sein Gesicht wurde eine Maske des Schmerzes, ..Wisst ihr, wie es ist, ohne Unterlass das Geheul der wahnsinnigen Amoujain zu hören? Wie grauenvoll die Anklagen der anderen sind? Wie vorwurfsvoll? Auch ihr werdet das bald wissen, dann liegt auch ihr dort! Und nichts könnt ihr tun, das zu verhindern! Egal wie sehr ihr es auch versucht, alles wird ohne Sinn und Hoffnung sein. Ihr seid ein Sohn der Verräter Tól und Omé, denen unser Leben gleichgültig ist. Und niemals wird ein Sohn ein Schicksal des Glücks haben! Aber gut, zumindest ich werde in euch dann ein neues Spielzeug haben. Ach, die Ewigkeit ist so langweilig.“
Grimmig zog er sein Schwert und kam bedrohlich auf Niráce zu.
„Nein“, sprach dieser schon fast ohne Leben und hob doch seine Hände, dieses abzuwehren.
Doch Raí lachte nur und war damit verschwunden.
„Wir sehen uns bereits sehr bald!“

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