Gewitterregen
von
The Ghostman
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Gewitterregen.
Es war an einem heißen Freitagmorgen im Juni als ich die voll bepackte Harley aus der
Garage schob. Für diese Uhrzeit, war es eigentlich schon viel zu warm, es war gerade mal
9 Uhr und wir hatten es schon 25 Grad warm. Aber das war am heutigen Tag egal, denn ich wollte endlich meinen lang ersehnten Urlaub antreten. Ich war gut gelaunt und hatte für ein verlängertes Wochenende, eine gemütliche Reise mit dem Motorrad, in den hohen Norden dieses Landes geplant. Ich hatte keine Eile und überprüfte nun noch einmal das Gepäck, das ich am Vorabend schon auf dem Bike fest verschnürt hatte. Es saß alles gut fest und ich war überzeugt an alles gedacht zu haben. Für meinen Kurzurlaub, bei dem ich noch einen kurzen Besuch bei einem Kollegen geplant hatte, brauchte ich außer etwas Kleidung zum wechseln, Waschzeug, Schlafsack, ein kleines Igluzelt und ein paar nebensächliche Utensilien nicht viel. Es passte alles wunderbar auf den Sozius und dem Heck der Harley. Auf dem Tank hatte ich in einer Schutzfolie eine detaillierte Skizze der
Fahrstrecke mit Wegbeschreibung angebracht. Nachdem ich die Garage abgeschlossen hatte konnte es nun losgehen. Auf Knopfdruck ertönte das dumpf bollernde Geräusch des
bulligen Zweizylinder Motors. Ich legte einen Gang ein und drehte dabei sachte am Gasgriff, nachdem ich die Kupplung gelöst hatte, setzte sich die Harley in Bewegung.
Während ich die Straße entlang in Richtung Ortsausgang fuhr, sangen die Kolben den
Sound von Freiheit und Abenteuer und die Vibrationen ließen sich jedes einzelne Haar auf meiner Haut aufrichten. Insgesamt waren 600 Kilometer zu bewältigen, trotzdem wollte ich nicht den ersten Tag meines Urlaubes in irgend einem Stau auf der Autobahn verbringen, deshalb hatte ich den größten Teil der Strecke, über die Landstraße gewählt.
So musste ich nicht unnötig rasen und konnte mir mit ruhigem Fahrstil, ein paar Augenblicke gönnen, wobei ich mir die Sehenswürdigkeiten, die so zahlreich an der Stecke lagen, genauer ansehen. Aus beruflichen Gründen war ich ja in letzter Zeit nicht allzu viel herumgekommen und mein Hobby blieb deshalb auf der Strecke. Der Harley und mir tat es gut, mal dem Alltagsstress zu entfliehen. Sonst war man aus dem Landkreis in dem ich seit einiger Zeit wohnte, kaum herausgekommen. Ich fuhr jetzt quer durch das
Hessenland in Richtung Norddeutschland und das Ziel war Hooksiel an der Norddeutschen Küste. Dort hatte ich auf einen der Campingplätze, einen Kurzaufenthalt gebucht. Mittlerweile war ich schon gute 4,5 Stunden mit einem kurzen Tankstop unterwegs, und musste mich im Vergleich zur Autobahn, etwa in Höhe von Dreieck Soltau befinden. Ich war der Meinung, dass es nun an der Zeit war, für eine ausgedehntere Ruhepause. Die letzten Ortschaften lagen schon eine Weile zurück, hier war so gut wie kaum Verkehr auf dieser Landstraße, deshalb steuerte ich eine größere Ausbuchtung am Straßenrand an. Ich stellte die Harley auf eine befestigte Stelle ab, hängte den Motorradhelm über einen der Spiegel und zog eine kühle Bierdose aus einer der Satteltaschen in der sich eine kleine Reisekühlbox befand. Bevor ich mich umsah, entledigte ich mich meiner schweren Lederjacke, aus der ich vorher noch eine Zigarette zog. Ich fand hier am Straßenrand ein gemütliches Plätzchen, das umrandet von ein paar hohen Birken auf einer kleinen Anhöhe gelegen war. Ringsherum war alles von hohen Büschen und Sträuchern umgeben und diese warfen reichlich Schatten, den Mittlerweile war es noch heißer geworden. Ich legte die Lederjacke ins Gras und breitete mich darüber aus. Es tat gut nach langer Fahrt die Beine etwas auszustrecken. Durch die vorverlegten Fußrasten an der Harley hatte man auf Dauer keine so angenehme Haltung für eine lange Reise. Während ich noch genüsslich an meiner Zigarette zog und von dem kühlen Bier ein paar Schlucke trank, sah ich durch die beruhigende Landschaft. Hier gab es außer einige Felder, Bäume, die Straße und dem Gezwitscher der Vögel nichts. Nicht einmal das Geräusch eines vorbeifahrenden Fahrzeuges. Ich lag auf dem Rücken, sah in den Himmel und döste eine Weile vor mich hin.
Plötzlich schreckte ich wie von einer Tarantel gebissen hoch. Das Gefühl von etwas nassem auf meinem Gesicht, hatte mich panikartig in die Höhe schnellen lassen.
Ein prüfender Blick nach oben, verriet mir, dass der Himmel von dunklen Wolken überzogen war und ich einen Regentropfen abbekommen haben musste. Der anschließende Blick auf meine Uhr, bestätigte mir, dass ich wohl eingeschlafen war und nun 2,5 Stunden vergangen waren. Zu weitern Gedankengängen kam es nicht mehr.
Der Himmel öffnete seine Pforten und ein sintflutartiger Regnschauer begleitet von zuckenden Blitzen und lautem Donnergrollen, brach über mich herein. In kürzester Zeit war ich nass, bis auf das letzte Kleidungsstück das ich trug und die Birken unter denen ich stand boten nicht wirklich annährend Schutz. Der Regen wurde von Sekunde zu Sekunde stärker und nun gesellte sich stürmischer Wind hinzu. Der Wind trieb den Regen fast waagerecht auf mich zu. Verdammt, fluchte ich, der Regenkombi für solche Fälle liegt ganz unter dem Gepäck. Gut, dafür war es nun eh zu spät und ich sah mich nach einer geeigneten Unterstellmöglichkeit um. Ich bedauerte nun auch den Weg durch diese gottverlassene Gegend gemacht zu haben. Wäre ich auf der Autobahn gewesen, hätte man einen Rasthof anfahren können oder unter einer Autobahnbrücke anhalten können, doch hier gab es nichts, gar nichts. Mit ein paar schnellen Schritten stand ich an der Harley und sah entlang des Feldweges der rechts neben der Parkausbuchtung entlang führte, in einer Entfernung von ca. 300 Metern die Umrisse eines Schuppens. Ich hoffte das dieser vielleicht genug Schutz vor diesem ständig heftiger werdenden Unwetter bot. Die Lederjacke hatte ich längst wieder angezogen, ich schwang den Helm über den Unterarm, startete das Motorrad und hielt gradewegs auf den Schuppen zu. Dort angekommen stellte ich fest, das es sich um eine kleine Scheune eines der Bauern der hier in einer der Gemeinden wohnte, handeln musste. Das Dach der Scheune trug rote Tonziegel und der Rest bestand aus alten grauen Brettern und Gebälk. Das große Holztor war Gott sei Dank nicht verschlossen, ich musste lediglich ein leichtes Ackergerät das den Eingang versperrte, ein wenig beiseite rücken, so das ich die Harley und mich in das trockene Innere der Scheune verfrachten konnte. Im Inneren gab es genügend Platz und es war trocken. Das Ziegeldach versprach was es vom äußeren Eindruck vermittelte, es bot trockenen Schutz vor dem Gewitterregen. In der Scheune lagen zahlreiche Strohballen und haufenweise Streu auf dem Boden herum. An einigen Wänden hingen Gerätschaften für den Ackerbau. Die Fensteröffnungen in den beiden Gebäudegiebeln warfen genug Licht, deshalb stellte ich die Harley in Mitten auf und begann mich meiner nassen Kleidung zu entledigen. Den Geräuschen nach konnte man entnehmen, dass es draußen immer
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