Gib mir mehr, Baby!!!
von
Raziel
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Es fing an, als ich meinen Kaffee nehmen wollte. Ich nahm die weiße Tasse, wollte daran nippen und musste dabei zusehen, wie sich langsam mein Kaffee verflüchtigte. Die schwarze, mit Milch und Zucker verfeinerte, Brühe wurde zu kugelrunden Flüssigkeitsansammlungen und schwebte langsam aus meiner Tasse in die Freiheit. Erschrocken ließ ich die Tasse los und sprang von meinem Stuhl auf. Aber die Tasse fiel nicht herunter. Sie schwebte auch davon. Mit einem hellen klingen traf sie den Türrahmen und verflüchtigte sich ins Wohnzimmer. Ich ging hinterher. Einerseits neugierig und andererseits mit mehr Angst in der Hose, als Vaterlandsliebe. Langsam aber zielstrebig bewegten Kaffe und Tasse sich nach oben. Der Kaffe färbte meine weiße Decke neu ein und die Tasse blieb schlicht daran kleben. Ich sah auf meine Uhr. Erschrocken stellte ich fest, dass es schon 7:45Uhr war. In 15 Minuten musste ich auf der Arbeit sein. Sonst würde mein Chef den Arbeitsvertrag zerfetzen. Schnell rannte ich die Treppe herunter und begrüßte flüchtig Frau Schäfer.
Die ältere Dame nickte mir mürrisch zu. Sie wartete auf die beiden Kinder der Türkenfamilie von ganz oben. Es war ihre größte Freude sie zusammenzustauchen. Wie immer rannte mir ihr kleiner Köter hinterher und Frau Schäfer kreischte:
„Rudy! Kommst du her!! Kommst du wieder zurück!!! Rudy! R U D Y !!!!!“
Draußen begrüßte mich Herr Thomasek. Der alternde Lehrer machte seinem Berufsbild alle Ehre. Er schlenderte seinen Morgenspaziergang und paffte dabei seine Pfeife.
„Guten Morgen, Peter“, begrüßte er mich freundlich.
„Guten Morgen, Herr Thomasek.“
Es war schon merkwürdig Herr Thomasek war nun seit 15 Jahren nicht mehr mein Lehrer und dennoch musste ich ihn siezen. Ich konnte gar nicht anders.
Am Türspalt meldeten sich Pudelkrallen, die sich durch die Haustür drängen wollten. Die kleine, graue Bestie steckte ihr spitzzahniges Maul ins Freie und kläffte mich böse an. Die kleinen Augen waren weit aufgerissen. Dann, ganz plötzlich, schaffte das Minimonster den Ausbruch. Rudy rannte knurrend auf mich zu. Seine Schlappohren wirkten wie kleine Hände, die ihm die Hundewange tätschelten. Instinktiv sprang ich zurück und hob mein Bein, um weichere Teile zu beschützen. Rudy stürzte sich auf meinen schwarzen Lederschuh und kaute schmatzend auf ihm herum. Interessantwerweise hob er dabei sein Hinterteil. Danach folgte sein ganzer Körper. Verdutzt ließ Rudy von meinem Schuh ab und schwebte trudelnd davon. Sein Gesichtsausdruck ähnelte dem der Kuh, die versehentlich am Elektrozaun geleckt hatte. Er strampelte mit den Beinen, als wenn er ertrinken würde. Dabei übernahmen seine Beine die Funktion eines Propellers und wirbelten ihn herum. So gewann er immer mehr an Höhe und erreichte bald die Regenrinne, im zweiten Stock. Dort bellte er eine Taube an, die schockiert flatterte.
Herr Thomasek trat neben mich und starrte Rudy auch hinterher. „Das ist ziemlich ungewöhnlich“, kommentierte er.
„Ja! Das ist es“, antwortete ich.
Jetzt erst recht gehetzt, ging ich schnell zu meinem E Kadett GSI Cabrio. Der weiße Opel war wieder mit Taubenscheiße bekleckert. Ich nahm den Schlüssel in die Hand, steckte ihn ins Schloss und hob die Zigarettenschachtel auf, die dem Schlüssel unweigerlich gefolgt war. Als ich wieder aufblickte war mein Auto weg. Ich sah nach oben und betrachtete den Unterboden , meines ständig kleiner werdenden Opels. Ein kratzendes, quietschendes Geräusch erklang, als er den Erker am Nachbarhaus streifte und Rudy in den Himmel folgte. Herr Thomasek wich entsetzt von mir zurück und rannte ins Haus.
Langsam dämmerte mir, dass diese Phänomen von meiner Person ausging. Aber wieso?
Ich nahm mein Handy und wählte die Nummer meiner Firma.
„Kernmann Büromöbel. Bernd Kernmann am Apparat. Was kann ich für sie tun?“ meldete mein Chef sich.
„Guten Morgen Herr Kernmann. Hier ist Harald Braumeister. Ich werde etwas später zur Arbeit kommen. Mein Auto ist ...ähh... nicht verfügbar.“ Inzwischen wirkte mein Opel nur noch so groß wie ein Matchbox-Auto.
„Hätten sie das nicht früher sagen können, Braumeister? Ich muss meine Frau noch vom Fitnessstudio abholen. Ich brauche sie hier im Laden. Machen sie sich unverzüglich auf die Socken.“
Er hatte aufgelegt. Kernmann schien nicht begeistert zu sein. Aber das war jetzt mein kleinstes Problem.
Während ich zur Bushaltestelle ging, fragte ich mich ob ich die Schwerkraft aufhob, oder ich den Dingen ihr Gewicht nahm. Beides war denkbar.
Der Bus hielt und öffnete die Türen. Sofort strömten die Leute heraus und kamen mir furchtbar nahe. Schnell trat ich zurück und versteckte mich hinter dem Glas der Bushaltestelle. Zum glück beachtete mich keiner. Omis, Opis, Mamis, Kinderwagenschiebende Mamis, Kinder, bärtige Männer, unbärtige Männer und Hunde erbrach der Bus auf den Gehsteig. Erst da fiel mir auf wie viel in so einen Bus passte. Er würgte immer neue Menschenmassen hervor. Ein Großteil würde nun, wie ich, roboten gehen. Die anderen würden die Schule schwänzen und im Markt klauen. Muttis würden ihre Kinder mit Billigbrüll einkleiden, der nach dem dritten Waschen auseianderfällt. Hunde würden genüßlich auf den Gehsteig kacken und dann grinsend dabei zusehen, wie Menschenfüße in die breiige Warme Masse eintauchen. Omis und Opis, die ihren geräumigen Mercedes nicht dem Stadtverkehr aussetzen wollten, gingen nun in die belebten Cafes, um sich über die Arbeitslosen aufzuregen, die ihnen die Plätze wegnahmen. Die selben Rentner würden zwischen 17:00 und 20:00 Uhr einkaufen gehen, damit sie den Arbeitnehmern im Weg stehen konnten. Die Frauen unter ihnen würden die Einkaufswagen so stellen, dass auch ja niemand an ihnen vorbei kommt. Immer schön mitten im Gang.
Der Bus war nun fast leer. Ich wollte gerade einsteigen, da dachte ich an eine Möglichkiet, die ich vorher gar nicht in Betracht gezogen hatte. Was wäre, wenn der Bus mit mir davonschweben würde? Was dann? Die anderen Fahrgäste und den Fahrer durfte ich auch nicht vergessen. Würden wir die Atmosphäre verlassen und im All ersticken? Wahrscheinlich nicht. Bevor wir die Stratosphäre verlassen hätten, wären wir erfroren. Ich wusste. Wenn ich meine Mitmenschen schützen wollte, hatte ich nur zwei Möglichkeiten. Entweder ich würde mich von allem was lebt fernhalten, oder ich musste sterben. Zweiteres erschien mir wenig wünschenswert. Das Wichtigste: Ich brauchte Geld. Deshalb überfiel ich einen Juwelier. Ich machte es ganz einfach. Ich gab dem freundlich lächelnden Juwelier die Hand und wartete bis er an die Decke schwebte und dort hilflos zappelte. Er sprach nicht. Er schrie nicht. Er gab überhaupt keinen Ton von sich. Er sah mich nur verängstigt an. Ich beachtete ihn nicht weiter, nahm zwei Meter Kordel, die ich unter der Ladentheke fand und band sie an den drei Tonnen schweren Tresor. Danach tippte ich den Tresor an und das blaugraue Monster erhob sich in die Luft. Höflich bedankte ich mich bei dem schockierten Juwelier und ging hinaus. Hinter mir flog der
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Kommentare
Frau Sonnenschein schrieb am 2008-11-02 12:42:03:
tolle Idee.... toller Humor :-) tolle Geschichte.... Applaus!!!!
Schattenschalk / Raziel schrieb am 2008-11-01 02:02:08:
Liebe Leser,
Ich bitte die Fehler zu übersehen. Wie so oft, war ich beim Schreiben extrem übermüdet und so aufmerksam wie ein totes Huhn. Dummerweise bin ich gerade da am kreativsten.
Anariel schrieb am 2008-10-31 02:32:20:
Oh,hilfe ich hab einen Kicheranfall....
Herrlich, mehr sag ich dazu nicht. Ich mag deine Geschichten.
Liebe Grüße
Anariel
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