Gibt es am Ende das Tunnels immer ein Lichtblick?
von
Mary Künzel
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Es ist jetzt fast 1 Jahr her, seit ich mit meiner Mutter nach Berlin gezogen bin, seit mein Vater sich umgebracht hat, seit es nicht mehr heißt Cindy ist hübsch, schlau und beliebt. Jetzt bin ich einfach nur noch Cindy. Ich bin jetzt 15 Jahre alt und gehe auf das Canisius-Kolleg in die 10. Klasse. Man kann nicht sagen das ich dumm bin, aber in letzter Zeit läuft nichts so wirklich, wie ich es will. Das heißt meine Zensuren sind schlechter geworden, ich bin nicht bei Leuten die mir gut tun, meine Mutter ist so gut wie gar nicht mehr zu Hause und ich habe angefangen zu rauchen und auch öfters mal zu trinken. Es war aber alles noch erträglich. Bis zu dem Tag der vieles veränderte. Ein Mittwoch war es glaub ich. Es waren grade Winterferien und ich war so gut wie jeden Tag bei Lynn. Draußen war es zwar kalt, aber wir hatten keine Lust drinnen rumzusitzen und uns von unseren Eltern vollmeckern zu lassen. Also gingen wir raus, den ganzen Tag waren wir weg. Dann langsam wurde es dunkel. Wir fragten nie wann wir zu Hause sein sollten. Eigentlich kamen und gingen wir jeden Tag so wie wir wollten. Und heute wollten wir gar nicht mehr zurück, wir wollten frei sein. Hier musste man seinen eigenen Kopf haben um zu überleben. Man konnte sich nicht sagen lassen was man zu tun hat, dann wurde man abhängig von Leuten die etwas zu sagen hatten. Und das wollten wir nicht. Meistens waren wir beim Bahnhof Zoo. Es tut weh zu sehen wie viele Kinder dort stehen und sich von Männern anquatschen lassen. Sie verkaufen sich um zu überleben. Immer mehr junge Leute zerstören sich ihr Leben. Sie sind schon mit 9 oder 10 Jahren keine Kinder mehr. Sie haben keine Kindheit mehr. Schon dann sind sie erwachsen, verdienen ihr eigenes Geld. Viele haben nicht mal ein richtiges zu Hause. Manche Leben auch bei ihren Freiern. Naja jedenfalls haben wir irgendwann 2 ganz lustige Kerle getroffen. Ich war mir ziemlich sicher das sie Heroin nehmen. Ich selbst hatte das auch schon probiert, aber abhängig geworden bin ich nicht. Aufjedenfall sind wir dann so ungefähr um 21 Uhr mit zu ihnen in die Wohnung gegangen. Es war keine sehr große Wohnung aber sie war sehr ordentlich und sauber. Wir haben immer mehr getrunken. Klar war ich schon öfters betrunken. Aber ich glaube so viel habe ich noch nie gesoffen. Sie hatten alles mögliche da. Alles was es an Pillen gab, Heroin und Alkohol. Wir haben irgendwelche Pillen geschluckt. Ich wünschte ich wäre vernünftig gewesen. Es hat sich gut angefühlt, jetzt fühle ich nichts mehr. Nur noch tot. Jetzt waren wir frei. Am liebsten wäre ich aus dem Balkon gesprungen, um zu fliegen. Ich wollte um die ganze Welt fliegen. Die Arme ausbreiten und springen. Es wäre schön gewesen. Aber wir hatten eine andere Idee. In der Nähe des Hauses gab es eine große Brücke über einem Fluss. Im Sommer waren wir auch immer hier. Wir stellten uns auf das Geländer der Brücke und balancierten dort entlang. Dann kam der Schrei. Wenn ich jetzt daran denke dann kommen mit Tränen, dieser Schrei klang so laut und befreiend. Wir wussten nicht was wir machen sollten. Ich weiß auch gar nicht mehr genau was wir getan haben. Ich glaube wir haben gelacht, weil wir gar nicht denken konnten. Lynn war weg, für immer. Erst viel später wurde mir das bewusst. Ich hasse mich dafür, dass ich ihr nicht gesagt habe, dass sie aufhören soll. Sie war doch noch so klein. Eigentlich noch ein Kind. Gerade mal 13. Sie hatte noch viel mehr als ich genommen, da war ich mir sicher. Sie wusste nicht wann sie aufhören soll. Niemand außer uns hat jemals erfahren was passiert ist. Wir waren die einzigen die es gehört haben, wie sie schrie.
Eine Woche später haben wir ein Grab für sie an der Brücke gemacht. Die beiden Jungs haben mitgemacht. Sie haben sich auch schuldig gefühlt, sehr sogar. Aber von diesem Tag an, ist nichts besser geworden. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen aufzuhören zu rauchen, aber ich hatte keine Lust mehr. Wozu auch? Wir haben einen Menschen umgebracht. Ich war jetzt so gut wie jeden Tag bei Ben und John. Beide gingen arbeiten. Irgendwas in einem Büro. Sie kümmerten sich um mich. Brachten mir Drogen mit und kauften mir Klamotten. Was meine Mutter jetzt wohl machte? Vielleicht hat sie gar nicht bemerkt das ich weg bin. Vielleicht ist sie froh das ich nicht mehr da bin. Vielleicht hatte sie mich ja nie lieb….
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Kommentare
mary schrieb am 2009-01-05 13:32:24:
hi mary ich fühle mit dir es ist wirklich schlimm aber man darf sich nicht ewig verstecken was soll nur aus dir werden???? wenn du tag für tag nur drogen nimst!!!!!!!!!! deine mutter macht sich bestimmt sorgen um dich!!! geh wieder zu ihr klär alles auf, sie liebt dich bestimmt noch.
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